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Richard Baumann

Stolperstein für Richard Baumann. Foto: OTFW.
VERLEGEORT
Steglitzer Damm 8

BEZIRK/ORTSTEIL
Steglitz-Zehlendorf – Steglitz
VERLEGEDATUM
07.03.2009

GEBOREN
24.03.1885 in Wittenberg
BERUF
Kaufmann
DEPORTATION
am 02.03.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
März 1943 in Auschwitz

Die Tochter von Richard Baumann schreibt im Dezember 2007:

"Nun zu meinem Elternhaus Mariendorferstr. 3 bzw. Steglitzer Damm [8] - wo jetzt ein Hochhaus steht. Dort wohnte ich mit meinen Eltern Richard und Marie Baumann seit 1931 in einer 5 1/2 Zimmer Wohnung, 3 Balkons, Küche, Bad, 2 Toiletten, Mädchenzimmer - 3. Etage. Ich selbst verließ Berlin April 1939, nachdem ich am 10. November 1938 die Deutsche Oberschule Mariendorf, Ringstr., nach der 3. Unterrichtsstunde von einer Minute zur anderen verlassen musste. Dass ich überhaupt noch so lange auf einem Deutschen Lyzeum unbehelligt bleiben konnte, war sowieso ungewöhnlich und lag wohl nur daran, dass das jüdische Kontingent zum Schluss so gering war (ich war die einzige in der ganzen Schule). Am gleichen Tag (10. Nov.) wurde mein Vater ins KZ Sachsenhausen abgeholt, kam aber nach 4 Wochen ,befreit' nach Hause. Mein Vater hatte ein Engros-Geschäft Spitzen + Seidenwaren unter dem Firmennamen Baumann + Falkenthal, zuletzt aus der Wohnung in der Mariendorferstr. betrieben. Das weisse Emailleschild, unten am Eingangszaun angebracht, war am 9./10. Nov. mit roter Farbe ,Jude' beschmiert. Mein Vater schraubte es einfach ab. Er war überhaupt sehr couragiert & ein ewiger Optimist, auch was die damalige politische Lage betraf - aber die 4 Wochen Sachsenhausen hatten ihm dann gereicht - aber es war alles zu spät. Ich selbst wanderte 1939 nach England aus & wurde dort zur Säuglingsschwester ausgebildet - meine Eltern sah ich nie wieder, sie wurden am 28. Februar im Zuge der Fabrikaktion von ihren jeweiligen Zwangsarbeitsstätten abgeholt, in die Gr. Hamburgerstr. gebracht und mit dem 32. Osttransport 1./2. März nach Auschwitz deportiert & angenommenerweise am 15.3.1943 vergast.
Dass meine Eltern bis zuletzt in ihrer Wohnung bleiben konnten, war auch ungewöhnlich - anständige Mieter - anständiger Hauswirt ,Franz Beck - Bau Beck' - Steglitz, Lepsiusstrasse. Auch das gab es!"


Biografische Zusammenstellung

Initiative Steglitz, nach einem Brief der Tochter