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Benno Wittenberg

Benno Wittenberg © OTFW
VERLEGEORT
Buschkrugallee 21-23

BEZIRK/ORTSTEIL
Neukölln – Britz
VERLEGEDATUM
19.09.2013

GEBOREN
02.11.1881 in Neustadt (Posen) / Nove Miasto
BERUF
Schlosser
FLUCHT
Prag (Tschechoslowakei)
DEPORTATION
am 10.12.1941 von Prag nach Theresienstadt
WEITERE DEPORTATION
am 01.04.1942 nach Piaski / Sobibor
VERBLEIB UNKLAR

Benno Wittenberg kam am 2. November 1881 in Neustadt bei Pinne in der Provinz Posen (heute: Lwówek / Polen) als Sohn von Elias Wittenberg (1851–1909) und Dora Wittenberg, geb. Goldstücker (1865–1912) zur Welt. (Im Berliner Adressbuch steht meist „Bruno“ oder nur „B.“ Auch im Pass hat Benno Wittenberg zuerst mit „Bruno“ unterschrieben.) Seine Eltern haben in der damaligen Provinz Posen an verschiedenen Orten gelebt, zuletzt wohl in Rogasen (heute: Rogozno / Polen). Benno Wittenberg hatte zwei Brüder: den 1883 geborenen Sally (David), ebenfalls in Neustadt/Pinne auf die Welt gekommen, und den jüngeren Bruder Martin, 1891 in Rogasen geboren.
Um die Jahrhundertwende findet sich der Vater Elias Wittenberg als „Agent“, d.h. Vertreter, das erste Mal im Berliner Adressbuch. Nach einigen Umzügen lebte er mit der Familie in der zweiten Etage des Hauses Mendelssohnstraße 18 in Berlin-Prenzlauer Berg. Sein Sohn Benno, der Schlosser geworden war, sollte dort bis zu seiner Hochzeit wohnen.
Am 21. August 1908 heiratete Benno Wittenberg in Berlin die 1886 im ostpreußischen Allenstein (heute: Olsztyn / Polen) geborene und in Marienwerder (heute: Kwidzyn / Polen) lebende Hedwig Wasserzug. Das Ehepaar bekam zwei Söhne: 1909 wurde Erwin geboren, 1914 Siegfried. Die Eltern von Bruno Wittenberg starben vor Beginn des Ersten Weltkriegs: sein Vater Elias Wittenberg 1909 in der Wohnung Mendelssohnstraße 18, seine Mutter Dora 1912 im Jüdischen Krankenhaus.
Benno Wittenberg arbeitete als Kaufmann. Lange Jahre handelte er mit Alteisen. Da er einen Lagerplatz brauchte, waren Geschäftsadressen und Anschrift der Wohnung nicht dieselben: Nach der Heirat begann er in der Höchste Straße in Berlin-Mitte. Dann folgten ein Lagerplatz in der Nähe des Ringbahnhofs Prenzlauer Allee, dann Platz und Geschäft in der Linienstraße 33/34 und Mitte der 1920er Jahre in der Weydingerstraße 6–8. Die Familie wohnte in der 2. Etage des Hauses Wichertstraße 129 in Prenzlauer Berg, 1911 umnummeriert zur Wichertstraße 45, und blieb dort bis 1930/31.
Anfang der 1930er Jahre zog Bruno Wittenberg nach Britz in die Rudower Straße 92/93 (heute: Buschkrugallee 21–23), in der Nähe des 1930 eröffneten U-Bahnhofs Grenzstraße (Grenzallee). Dort waren nun Wohnung, Geschäft (eine Holzhandlung bzw. Baumaterialienhandlung) und Lager. Die erwachsenen Söhne arbeiteten in der Firma des Vaters: Erwin war Kaufmann, Siegfried Schlosser geworden.
1938 wurde Benno Wittenberg gezwungen, seine Firma mit Verlust („Arisierung“ genannt) an einen Nichtjuden zu verkaufen. Am 1. November 1938 emigrierte die ganze Familie nach Prag/Tschechoslowakei. Ihre Versuche, von dort aus auszuwandern, scheiterten. Bruno Wittenberg blieb mit seiner Ehefrau in Prag, bis beide am 10. Dezember 1941 nach Theresienstadt deportiert wurden. Am 1. April 1942 wurden sie von Theresienstadt in das Ghetto Piaski transportiert, das für Tausende ein Durchgangslager war. Falls sie nicht im Ghetto umgekommen sind, sind Benno und Hedwig Wittenberg wahrscheinlich im Vernichtungslager Sobibor ermordet worden.
Die Söhne haben überlebt: Siegfried Wittenberg konnte aus Prag nach Palästina entkommen, Erwin Wittenberg nach Großbritannien.


Biografische Zusammenstellung

Dietlinde Peters

Weitere Quellen

Centrum Judaicum Berlin, Friedhofskartei Weißensee
www.holocaust.cz/de/Opferdatenbank
Museum Neukölln