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Hedwig Simon (geb. Stettiner)

Hedwig Simon © OTFW
VERLEGEORT
Hindenburgdamm 11

BEZIRK/ORTSTEIL
Steglitz-Zehlendorf – Lichterfelde
VERLEGEDATUM
16.10.2014

GEBOREN
17.10.1861 in Berlin
DEPORTATION
am 03.10.1942 nach Theresienstadt
ERMORDET
01.04.1943 in Theresienstadt

Hedwig Simon, geboren am 17. Oktober 1861, stammte aus der Familie Stettiner, die zum Kreis des hoch gebildeten, kunstliebenden jüdischen Großbürgertums in Berlin zählte. Ihr Bruder Richard Stettiner war Professor für Kunstwissenschaft in Hamburg, Konservator der staatlichen Kunstdenkmäler, und arbeitete zusammen mit Alfred Lichtwark, dem Direktor der Hamburger Kunsthalle. Ihre Schwester Martha war mit dem renommierten Kulturhistoriker Ludwig Geiger verheiratet, dem Sohn des Reformrabbiners Abraham Geiger.

Hedwig heiratete den Justizrat Dr. Herman Veit Simon, einem Fachmann für Handelsrecht, dessen Rat auch bei Gesetzgebungsvorhaben eingeholt wurde. In seiner Praxis als Anwalt am Kammergericht war er als Prozessvertreter in schwierigen und verwickelten Verfahren gefragt. Er war Mitglied in der Vertretung der jüdischen Gemeinde und Vorsitzender des Kuratoriums der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, die sein Vater, der Kommerzienrat Dr. Karl Berthold Simon, mitbegründet hatte. Außerdem engagierte er sich im „Antizionistischen Komitee“ für die Integration der Juden in Deutschland und gegen die Begründung einer jüdischen Heimstatt in Palästina.

Hedwig und Herman Simon hatten vier Kinder: Heinz Heinrich (Jg. 1883), Eva Anna (Jg. 1884), Katharina Theresa (Jg. 1887), Martin (Jg. 1890). Die männlichen Nachkommen trugen den Namen Veit Simon, auch die Töchter nutzten den Namen zum Teil im Schriftverkehr.

Von ihrem Vater unterstützt, gründete die Tochter Katharina, genannt Käthe, 1912/13 ein Obstgut in Gransee, den Katharinenhof. Katharina Simon war taubstumm, leitete dieses Unternehmen aber 25 Jahre erfolgreich. Auch ihre ältere, ebenfalls taubstumme, Schwester Eva fand Aufnahme auf dem Katharinenhof. Sie hatte eine Ausbildung auf dem Gebiet der bildenden Kunst erhalten, verbunden mit einem längeren Aufenthalt in Rom, den sie wohl spätestens mit dem überraschenden Tod ihres Vaters beendete.

Herman Veit Simon starb schon im Alter von 58 Jahren am 16. Juli 1914, kurz vor Beginn des ersten Weltkriegs, während eines Kuraufenthalts im schweizerischen St. Blasien. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee beigesetzt, wo sein Grab noch heute zu finden ist.

1938 wurde Katharina Simon gezwungen, den Hof für die Hälfte des Wertes zu verkaufen. Gemeinsam mit ihrer Schwester Eva zog sie zur Mutter nach Dahlem in die Gelfertstraße 47. Bereits 1939 zum Zeitpunkt der Volkzählung waren Hedwig und ihre Töchter Eva und Katharina schon am Hindenburgdamm 11 registriert, dem Wohnsitz von Hedwigs Sohn Heinrich Veit Simon und seiner Familie.

Am 3. Oktober 1942 wurde Hedwig Simon gemeinsam mit ihren Töchtern Eva und Katharina mit dem 3. großen Alterstransport nach Theresienstadt deportiert. Dort starb Hedwig Simon. Ihr offizielles Todesdatum lautet auf den 1. April 1943 verstarb. Eva und Katharina wurden 1944 weiter nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Die Angehörigen der Familie Veit Simon in Großbritannien und den USA haben den Hindenburgdamm 11 zur Verlegung aller Steine für die ermordeten Familienmitglieder ausgewählt.


Für Katharina und Eva Simon wurden am 6. September 2017 Stolpersteine in Gransee am Tor zum Katharinenhof unter Anteilnahme der angereisten Familie verlegt. Der Katharinenhof wurde 1912/13 am Meseberger Weg in Gransee für Katharina Simon erbaut (Architekt: Alfred Breslauer). Die Stolpersteine wurden vom Gymnasium Gransee und den Bewohnern des Hofes initiiert.

Ergänzung von Dagmar Poetzsch

Biografische Zusammenstellung

Initiative Steglitz nach Angaben eines Urenkels, Herrn John Veit-Wilson