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Max Zellner

VERLEGEORT
Bachstelzenweg 17

BEZIRK/ORTSTEIL
Steglitz-Zehlendorf – Dahlem
VERLEGEDATUM
15.10.2013

GEBOREN
13.03.1876 in Ostrowo / Ostrów Wielkopolsk
DEPORTATION
am 12.03.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Max Zellner wurde am 13. März 1876 in der Kreisstadt Ostrowo (dem heutigen Ostrów Wielkopolski), die an der Ołobok südöstlich von Posen (Poznań) liegt, geboren. Er war der Sohn des Musiklehrers Julius Zellner und dessen Ehefrau Otilie, geborene Laser. Über das Elternhaus, die Kindheit und Jugend von Max Zellner haben sich keine Informationen erhalten. Es ist auch nicht bekannt, ob er im Kreis von Geschwistern aufwuchs. Seine Eltern gehörten aber aller Wahrscheinlichkeit nach zur jüdischen Gemeinde der Stadt Ostrowo, zu der zum Zeitpunkt der Geburt von Max etwa 1600 der 8000 Einwohner zählten. Nach seinem Schulabschluss begann Max Zellner zunächst ein Jurastudium in Berlin und studierte später Medizin in Berlin, Breslau (Wrocław) und Freiburg. 1901 promovierte er an der Universität Freiburg mit einer Arbeit zu Essstörungen mit dem Titel „Ueber Störungen des Nahrungstriebes“ und erhielt im selben Jahr seine Approbation. Um die Jahrhundertwende ließ sich Max Zellner als Allgemeinpraktiker in Berlin nieder und heiratete am 4. Februar 1909 die neun Jahre jüngere Berlinerin Regina Luise Stern. Sie war die Tochter des Kaufmanns Herz Hermann Stern und seiner Frau Helene, geborene Friedländer. Zum Zeitpunkt der Hochzeit wohnte und praktizierte Max Zellner in der Landsberger Straße 21 (der heutigen Mollstraße) nahe des Büschingplatzes. 1910 bezog das Paar eine Wohnung in der Landsberger Straße 17, unweit der Praxis. Ihre Tochter Stefanie wurde am 21. Juni 1919 geboren. Die junge Familie zog in die Helmstedter Straße 31 in Wilmersdorf, wo sie bis 1932/1933 wohnte, bevor sie Wohnung und Praxis in den Bachstelzenweg 17 in Dahlem verlegte. 1931 starb Max’ Vater Julius, 1932 seine Mutter Otilie. Leider haben sich keine weiteren Quellen erhalten, die einen Einblick in das Leben der Familie im Berlin der Weimarer Republik geben könnten.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen Max Zellner und seine Familie. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. So wurden „nichtarische“ Ärzte mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933“ vom öffentlichen Gesundheitswesen ausgeschlossen, zwischen 1933 und 1937 wurden ihnen sukzessive mit insgesamt sieben Verordnungen die Kassenzulassungen entzogen, mit der Verordnung vom 20. November 1933 durften sie keine ärztlichen Fortbildungskurse mehr besuchen und wurden vom ärztlichen Bereitschaftsdienst ausgeschlossen. Am 30. September 1938 wurde Max Zellner wie allen jüdischen Ärzten und Ärztinnen mit der „Vierten Verordnung zum Reichsbürgergesetz“ die Approbation entzogen. Ende der 1930er-Jahre oder Anfang der 1940er-Jahre mussten die Zellners ihre Wohnung verlassen und zogen zur Untermiete an den Hohenzollerndamm 184. Das Leben in Berlin war für das Ehepaar zu diesem Zeitpunkt zum reinen Existenzkampf geworden. Um nur eine der vielen einschneidenden Maßnahmen zu nennen, konnten sie sich nach der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“ nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen und es ist wahrscheinlich, dass zumindest Max Zellner für einen in Berlin ansässigen Betrieb hat Zwangsarbeit leisten müssen.

Der Demütigung und Entrechtung folgte die Deportation: Am 1. Oktober 1941 teilte die Gestapo der Jüdischen Gemeinde Berlin mit, dass die „Umsiedlung“ der Berliner Juden beginnen würde. Max und Regina Zellner wurden 1943 im Zuge der „Fabrik-Aktion“ verhaftet und in eines der Berliner Sammellager verschleppt. Von dort wurden sie gemeinsam am 12. März 1943 mit dem „36. Osttransport“ in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ihre Tochter Stefanie überlebte, vermutlich im Exil, die NS-Verfolgung.


Biografische Zusammenstellung

Indra Hemmerling

Weitere Quellen

Deportationslisten. Reproduktion im National Archives and Records Administration, USA, Signatur A3355: Max Zellner (36. „Alterstransport“, Lfd-Nr. 534); Regina Zellner, geb. Stern (36. „Alterstransport“, Lfd-Nr. 535). Online unter: statistik-des-holocaust.de (aufgerufen am 22. Oktober 2019)
Eheanzeige Max Zellner und Regina Luise Stern (Nr. 38, Deutsch-Wilmersdorf am 4. Februar 1909); Eheregister der Stadt Berlin 1874–1920. Faksimile online unter: ancestry.com (aufgerufen am 15. Oktober 2019)
Eintrag zu Max Zellner, in: Schwoch, Rebecca (Hrsg.): Berliner jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus. Ein Gedenkbuch, Potsdam 2009, S. 927