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Samson Baruch Wurzel

VERLEGEORT
Bürgerstraße 57 A

BEZIRK/ORTSTEIL
Neukölln – Britz
VERLEGEDATUM
09.09.2017

GEBOREN
22.12.1858 in Debica (Galizien)
BERUF
Tabakwarenhändler
DEPORTATION
am 28.05.1943 von Elsässerstraße 85 nach Theresienstadt
ERMORDET
01.02.1944 in Theresienstadt

Samson Baruch Wurzel wurde am 22.12.1858 im galizischen Debica in Polen geboren. In Berlin wohnte er in der Bürgerstr. 57a. Nicht weit davon in der Bürgerstr. 31 betrieb Samson ein Tabakwarengeschäft. Samson Wurzel war mit Sara Wurzel, geboren am 02.04.1864 als Sara Singer, verheiratet. Sie stammte aus Dabrowa, sie starb aber schon am 10.04.1930 im Alter von 66 Jahren und ist auf dem jüdischen Friedhof Weißensee bestattet. Zusammen sollen sie drei Kinder gehabt haben.
Neben der Tochter Anna, die am 03.09.1896 in Tarnów geboren wurde, gab es noch zwei Söhne, vermutlich einen jüngeren und einen älteren Bruder. Der jüngere der beiden hieß Josef und wohnte ebenfalls bis ca. 1932/33 in der Bürgerstr. 57a. Er soll 1907 geboren worden sein. Er meldete im Jahre 1930 die Beerdigung seiner Mutter Sara an und ist noch 1931 im jüdischen Adressbuch verzeichnet. Er soll nach Krakau zurückgegangen sein. Wann genau kann man nicht mehr feststellen, danach verliert sich jede Spur. Zuletzt soll er in einem Lager dort gewesen sein. Im Gedenkbuch der Freien Universität ist er als verfolgt eingetragen. Er war im Jahr 1943 wohl nicht mehr am Leben, da ihn sein Vater unter der Rubrik Kinder in seiner Vermögenserklärung aus dem Jahr 1943 kurz vor seiner Deportation nicht mehr eingetragen hatte. Seine Tochter Anna hatte er dort, als außerhalb des Haushalts lebend, fein säuberlich vermerken lassen. Auch sein erstgeborener Sohn, dessen Vorname nicht mehr ermittelt werden kann, soll im Ersten Weltkrieg als Offizier gefallen sein und wird von ihm nicht mehr erwähnt.
Am 09.11.1938 zerstörte die SS Samson Wurzels Geschäft. Die Scheiben wurden eingeschlagen und das Geschäft gnadenlos ausgeplündert. Samson Wurzel war zu dieser Zeit schon ein Mann von 80 Jahren. Sicherlich führte die Tochter bis dato überwiegend das Tabakwaren-Geschäft mit ihrem Vater.
Einige Zeit später, Herr Wurzel war nun schon 85 Jahre alt, musste er sich ins Israelitische Krankenhaus in der Elsässerstr. 85, heute Torstr., in Mitte begeben. Von dort aus wurde er dann nach Theresienstadt ins Ghetto deportiert. Dies war am 28.05.1943 und war der 90. Alterstransport. Mit diesem wurden nur etwa 330 alte Menschen abtransportiert. Zwei Tage zuvor musste er noch eine sog. Vermögenserklärung abgeben. Samson Wurzel hatte im Ghetto in Theresienstadt noch Monate überlebt, wurde aber schließlich am 01.02.1944 ermordet. Seine Urne war ursprünglich dort im Kolumbarium der Befestigungsanlage aufbewahrt. Es wurde aber 1944 fast vollständig ausgeräumt und die Asche der Urnen in den Fluß Ohře gestreut, wo sich heute eine Gedenktafel für die Opfer befindet. Man wollte so die hohe Sterblichkeitsrate in Theresienstadt verbergen.


Biografische Zusammenstellung

Karin Kuhrt

Weitere Quellen

Jüdischer Friedhof Weißensee, Berlin
Gedenkstätte Theresienstadt (Terezin)
Bürgerverein Berlin Britz e. V.
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam
International Tracing Service Bad Arolsen
Jüdisches Adressbuch von 1931
Transportlisten Bundesarchiv Online
Schmiedecke, Ralf: Als in Rixdorf noch Musike war, Erfurt 2013.
Kolland, Dorothea (Hrsg.): „Zehn Brüder waren wir gewesen…“ Spuren jüdischen Lebens in Neukölln, Berlin 2012.