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Marianne (Marie) Bloch (geb. Scheuer)

Passbild (letztes Foto) von Marianne Bloch, 16.03.1940 Bild: Privatbesitz Familie Polack - Young
Stolperstein für Marianne Bloch Bild: Stolpersteingruppe Pankow
VERLEGEORT
Vinetastraße 49

BEZIRK/ORTSTEIL
Pankow – Pankow
VERLEGEDATUM
14.06.2018

GEBOREN
19.08.1878 in Mannheim
BERUF
Hausfrau
DEPORTATION
am 19.02.1943 von Schöneberger Straße 25 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Marianne (Marie) Scheuer wurde am 19. August 1878 in Mannheim geboren.
Ihre Eltern, der Bankier Max Scheuer und Fanny Scheuer, geb. Hellmann hatten drei Jahre zuvor dort geheiratet und innerhalb von acht Jahren sechs Kinder bekommen, drei Söhne und drei Töchter.
Die Ehe wurde 1898 geschieden. Schon Jahre zuvor hatte die Mutter ihre Familie verlassen. Der älteste Sohn Joseph war bereits mit drei Jahren gestorben, Bernhard und Ludwig wanderten nach Südafrika und Kanada aus. Die drei Schwestern, Marianne, Martha und Emilie, wurden von den Großeltern Hellmann in Internate und nach deren Abschluss so schnell wie möglich „unter die Haube“ gebracht.
So wurde Marianne 1898 mit dem Bankkaufmann Richard Bloch verheiratet, mit dem sie nach Charlottenburg in die Wilmersdorfer Straße 70 zog. Dort wurde ein Jahr später Tochter Johanna (genannt „Hansi“) und 1902 Tochter Ilse geboren. Die Ehe war nicht sehr glücklich; aber anders als ihre beiden Schwestern, die sich nach wenigen Jahren scheiden ließen, hielt Marianne bei ihrem Richard aus – bis dieser starb.
Wann das geschah, haben wir nicht herausfinden können. Bis 1911 war Richard Bloch im Berliner Adressbuch verzeichnet, seit 1919 wohnte „Witwe Marianne Bloch“ – laut dortigem Adressbuch – in der Kronprinzenstraße in Heidelberg.
Während die ältere Tochter Johanna immer in der Nähe der Mutter blieb, heiratete Ilse (Aronsohn). Von ihr ist nur bekannt, dass sie 1937 in Davos (möglicherweise an Tuberkulose) gestorben ist.
Ihre Schwester Johanna war künstlerisch orientiert, wohl als Malerin;
in Heidelberg hatte sie ihre Wohnung nicht weit von der Mutter entfernt. In Pankow wohnte sie dann mit Marianne Bloch zusammen. So steht es in den Unterlagen der Volkszählung vom Mai 1939. Johanna muss sehr krank gewesen sein; am 11. März 1941 starb sie im jüdischen Krankenhaus.
Was die fünf Geschwister von Marianne Bloch betraf, so bestand eine besonders enge Beziehung zwischen ihr und ihrer Schwester Martha. Diese war zunächst mit dem Buchdruckereibesitzer Moritz Kaufmann verheiratet und wohnte - ganz in der Nähe von Familie Bloch -
in Charlottenburg in der Wilmersdorfer Straße 118.
Dort kam Ende November 1904 ihr Sohn Robert Reiner zur Welt, der 1930 seinen Namen in René Polack änderte. Seine Mutter hatte nämlich schon 1909 in Hamburg den Kaufmann Richard Polack geheiratet und lebte mit ihm und der dort 1912 geborenen Tochter Susanne (genannt Susi) spätestens seit 1914 in Heidelberg.
Wir können davon ausgehen, dass Marianne Bloch nach dem Tod ihres Mannes mit ihren Töchtern von Berlin nach Heidelberg zog, um in der Nähe ihrer Lieblingsschwester Martha zu sein. Fotos aus dieser Zeit bezeugen ein glückliches Miteinander der beiden Familien.
Das endete 1933 mit der Machtübernahme der Nazis. Martha und ihre Familie emigrierten; Susanne nach Palästina; die übrige Familie zunächst nach Frankreich, dann weiter nach England und schließlich in die USA.
Vergeblich hatten sie sich bemüht, auch Marianne Bloch zur Ausreise zu bewegen; vermutlich wollte sie ihre Tochter Johanna nicht allein lassen. Mit ihr zog sie spätestens 1935 in die Vinetastraße nach Pankow. Ein kleines Passbild, das am 16. März 1940 bei einem Photografen in der Breiten Straße aufgenommen wurde, könnte ein Hinweis sein, dass sie doch noch dem Naziterror entfliehen wollte. Zumal sich ihre Schwester Martha von England aus unermüdlich bemühte, diese Flucht zu ermöglichen. Ihr Bruder Bernhard, der es in Südafrika und England zu großem Reichtum gebracht hatte, sollte dazu noch beitragen – aber es war zu spät.
Marianne Bloch wurde aus ihrer Wohnung vertrieben und kam in ein sogenanntes „Judenhaus“ in der Schöneberger Straße 25 im Stadtteil Kreuzberg. Von dort aus wurden sie und vier Mitbewohner mit 992 Anderen am 19. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert.
Knapp drei Wochen zuvor noch, am 27. Januar hatte sie an ihre Schwester und ihren Schwager geschrieben:
„Meine Lieben, Guten,
ich bin glücklich über Eure liebe Nachricht. Wie oft gehen meine Gedanken zu den Lieben. Vielleicht sehe ich sie doch mal alle wieder und auch Euch. Mein Herz zerspringt beinahe bei dem Gedanken an ein Wiedersehen! Ein Fünkchen Hoffnung ist noch da, sonst könnte ich so nicht leben. … Grüßt die Lieben. Ich hoffe auf ein Wiedersehen.
Euch alles, alles Gute. Tausend Dank und Grüße.
Immer Eure Tante Marie.“


Biografische Zusammenstellung

Stolpersteingruppe Pankow