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Frieda Lina Kögel (geb. Berthold)

Frieda Lina Kögel (Rechte: Familie)
Frieda Lina Kögel mit ihrer Mutter (li.) und einigen ihrer Kinder (Rechte: Familie)
VERLEGEORT
Teltower Damm 4-8

BEZIRK/ORTSTEIL
Steglitz-Zehlendorf – Zehlendorf
VERLEGEDATUM
14.06.2020

GEBOREN
12.10.1897 in Zschöllau-Oschatz
ERMORDET IM RAHMEN DES "EUTHANASIE"-PROGRAMMS
06.05.1941 in Bernburg

Lina Frieda Berthold wurde am 12. Oktober 1897 in Zschöllau-Oschatz in Sachsen geboren.
Unter welchen Bedingungen sie aufwuchs und ob sie einen Beruf erlernte ist uns nicht bekannt.
Ebenso wissen wir nicht, wann und wie sie in Herrnhut ihren späteren Mann kennenlernte.
Sie heiratete dort 1923 den gleichaltrigen Diakon Max Wilhelm Erich Kögel, mit dem sie fünf Kinder hatte.
Mit ihm wohnte sie, nachdem er Gemeindediakon in der Paulus-Gemeinde-Zehlendorf wurde, ab 1931 in einer Dienstwohnung im linken Flügel des Gemeindehauses.
Wann genau sie erkrankt, ist nicht überliefert, aber ihre Kinder erwähnten später, dass sie nach der traumatischen Geburt ihres vierten Kindes Ende 1930 sehr in sich gekehrt war und zeitweise in ihrem Verhalten auffällig, heute würde man vermutlich von Depressionen sprechen.
Bekannt ist, dass sie bereits 1932 kurze Zeit stationär behandelt wurde.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten begann für die Familie eine schwere Zeit.
1936 wurde Lina Frieda Kögel zwangsweise in eine sogenannte „Heilanstalt“ eingewiesen. Ihr Mann, der noch im selben Jahr vergeblich versuchte, ihre Entlassung aus der Heilanstalt zu erwirken und gerichtlich die Zwangssterilisation zu verhindern, wurde unter der Androhung die Kinder zu verlieren gezwungen, in eine Scheidung einzuwilligen, die 1938 vollzogen wurde. Im Laufe der kommenden Jahre wurde Lina Frieda Kögel mit der von den Nationalsozialisten häufig angegebenen Diagnose „Schizophrenie“ immer wieder in andere „Heilstätten“ verlegt und letztendlich am 6. Mai 1941 in Bernburg/Saale ermordet. Als Todesursache wurde wie üblich „Pneumonie“ angegeben.
Erich Kögel hatte zwei Monate nach der erzwungenen Scheidung die Herrnhuter-Diakonin Frieda Zeeb geheiratet, die vom Diakonie-Verein-Zehlendorf ab 1936 hier in der Gemeinde eingesetzt wurde.
In ihrer Biografie schreibt sie:
„Es fiel mir nicht leicht, dem (Heirats-)Antrag des Zehlendorfer Gemeinde-Diakons, Erich Kögel, Folge zu leisten. Seine fünf Kinder, ohne Mutter, machten mir oft einen traurigen Eindruck. Ich dachte an meinen Vater,…. und erkannte hier die neue Aufgabe für mich….“
Die Mutter von Frieda Lina Kögel veranlasste nach der Ermordung ihrer Tochter, dass diese auf dem städtischen Friedhof in Herrnhut ein Grab bekam.
Erich Kögel war noch bis zu seinem Tod 1956 in der Paulus-Gemeinde tätig.
Eine seiner Enkelinnen, Antje Kibelka, hat sich, nach Jahrzehnten des Schweigens in der Familie, mit dieser dunklen Vergangenheit beschäftigt und die Verlegung dieses Stolpersteins veranlasst.


Biografische Zusammenstellung

Familie / Projekt-Stolpersteine