Charlotte Arnfeld

Verlegeort
Binzstraße 66
Bezirk/Ortsteil
Pankow
Verlegedatum
07. Juni 2013
Geboren
20. März 1912
Zwangsarbeit
Arbeiterin (Siemens-Schuckert Elektromotorenwerk)
Deportation
am 04. März 1943 nach Auschwitz
Ermordet
in Auschwitz
  • Stolperstein für Charlotte Arnfeld
    Stolperstein für Charlotte Arnfeld - Foto: Stolpersteingruppe Pankow

    Stolperstein für Charlotte Arnfeld - Foto: Stolpersteingruppe Pankow

  • Passbild von Charlotte Arnfeld
    Passbild von Charlotte Arnfeld - Foto: Archiv Inge Lammel

    Passbild von Charlotte Arnfeld - Foto: Archiv Inge Lammel

Charlotte Arnfeld wurde am 20. März 1912 in Berlin als Kind eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter geboren. Auf ihrer Geburtsurkunde war ihre Zugehörigkeit zum Judentum vermerkt. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung ließ sie sich von dem Pankower Pfarrer Jungklaus (1882-1961) taufen. Jungklaus war seit 1913 Pfarrer an der Hoffnungskirche in der heutigen Elsa-Brandström-Straße und gehörte der Bekennenden Kirche an. Charlotte Arnfeld lebte zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Ruth, die die NS-Zeit überlebte, bis zu ihrer Deportation in der Binzstraße 66 in Pankow. Ihr Vater Fritz Arnfeld (1876-1942) unterhielt von 1919 bis zur Liquidation 1940 im selben Haus ein Geschäft oder eine Werkstatt für Haarschmuck und Bijouteriewaren. Er wurde am 13. Januar 1942 nach Riga deportiert. Charlotte musste Zwangsarbeit leisten und wurde während der sogenannten Fabrikaktion verhaftet. Erhalten geblieben ist ein Brief, den sie am Tag ihrer Deportation nach Auschwitz am 4. März 1943 an ihre Mutter und an ihre Schwester schrieb.<br />
<br />
<i>Bln, den 4.3.43<br />
<br />
Meine geliebte, gute Mutti, liebe Ruth!<br />
<br />
Nun ist es doch anders gekommen, aber ich vertraue auf Gott. Möge er Euch und mich gesund erhalten, auf daß wir uns doch noch einmal wiedersehen.<br />
<br />
Über Dein mit soviel Liebe gepacktes Päckchen habe ich mich sehr gefreut, zumal ich gerade etwas gedrückt war, weil ich als ledig meine 2 Stunden Urlaub nicht bekommen habe. Meine Schlüssel konnte ich leider nicht mehr übermitteln. Mein Schicksal teilen noch viele Mischlinge, welche beim verspäteten Austritt über 21 Jahre waren.<br />
<br />
Ruth soll sich nicht sorgen.<br />
<br />
Hofft auf ein gutes Zeichen; Gott wird uns nicht verlassen.<br />
<br />
Bleibt stark und nehmt herzliche Grüsse und Küsse<br />
<br />
Eure Euch liebende Lotte</i><br />
<br />
<i>Liebe Ruth! Tröste Mutter, richte sie auf und bleibe immer gut zu ihr<br />
<br />
Eine Brotkarte habe ich jemand zur Beförderung übergeben.</i>

Charlotte Arnfeld wurde am 20. März 1912 in Berlin als Kind eines jüdischen Vaters und einer nichtjüdischen Mutter geboren. Auf ihrer Geburtsurkunde war ihre Zugehörigkeit zum Judentum vermerkt. Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung ließ sie sich von dem Pankower Pfarrer Jungklaus (1882-1961) taufen. Jungklaus war seit 1913 Pfarrer an der Hoffnungskirche in der heutigen Elsa-Brandström-Straße und gehörte der Bekennenden Kirche an. Charlotte Arnfeld lebte zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Ruth, die die NS-Zeit überlebte, bis zu ihrer Deportation in der Binzstraße 66 in Pankow. Ihr Vater Fritz Arnfeld (1876-1942) unterhielt von 1919 bis zur Liquidation 1940 im selben Haus ein Geschäft oder eine Werkstatt für Haarschmuck und Bijouteriewaren. Er wurde am 13. Januar 1942 nach Riga deportiert. Charlotte musste Zwangsarbeit leisten und wurde während der sogenannten Fabrikaktion verhaftet. Erhalten geblieben ist ein Brief, den sie am Tag ihrer Deportation nach Auschwitz am 4. März 1943 an ihre Mutter und an ihre Schwester schrieb.

Bln, den 4.3.43

Meine geliebte, gute Mutti, liebe Ruth!

Nun ist es doch anders gekommen, aber ich vertraue auf Gott. Möge er Euch und mich gesund erhalten, auf daß wir uns doch noch einmal wiedersehen.

Über Dein mit soviel Liebe gepacktes Päckchen habe ich mich sehr gefreut, zumal ich gerade etwas gedrückt war, weil ich als ledig meine 2 Stunden Urlaub nicht bekommen habe. Meine Schlüssel konnte ich leider nicht mehr übermitteln. Mein Schicksal teilen noch viele Mischlinge, welche beim verspäteten Austritt über 21 Jahre waren.

Ruth soll sich nicht sorgen.

Hofft auf ein gutes Zeichen; Gott wird uns nicht verlassen.

Bleibt stark und nehmt herzliche Grüsse und Küsse

Eure Euch liebende Lotte


Liebe Ruth! Tröste Mutter, richte sie auf und bleibe immer gut zu ihr

Eine Brotkarte habe ich jemand zur Beförderung übergeben.