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Georg Beerwald

Stolperstein für Georg Beerwald. Copyright: MTS
VERLEGEORT
Stierstr. 18

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Friedenau
VERLEGEDATUM
27.07.2008

GEBOREN
22.03.1881 in Berlin
BERUF
Versicherungsangestellter
DEPORTATION
am 14.11.1941 nach Minsk
ERMORDET
in Minsk

Georg Beerwald wurde am 22. März 1881 in Berlin als Sohn des Kaufmanns Gustav Beerwald und seiner Ehefrau Minna bgeb. Holz geborenl. Seine Mutter stammte aus Posen und war die Tochter eines Kürschners.
Im Jahr 1909 heiratete Georg Beerwald in seiner Heimatstadt Berlin die 1886 in Podivin (auf Deutsch: Kostel) in Mähren/Tschechien - einem Ort mit sehr vielen jüdischen Einwohnern - geborene Rosa Weinberger. Das Ehepaar bekam am 28.10.1910 einen Sohn, den es Rudolf nannte.
Georg Beerwald arbeitete als Angestellter bei der "Allgemeinen Versicherungs-Actiengesellschaft Victoria", kurz: Victoria-Versicherung. Sie war bis zum Ersten Weltkrieg die größte deutsche Versicherung, ihr Gebäude steht noch immer in der Lindenstraße in Berlin-Kreuzberg.
1911 findet sich Georg Beerwald (mit einem "e") im Berliner Adressbuch. Die Familie wohnte in der Herbertstraße 8 in Schöneberg. Während des Ersten Weltkriegs zog sie in die Stierstraße 18, hinten links im Hochparterre. Georg Beerwald und seine Ehefrau wohnten bis zu ihrer Deportation in dieser Wohnung. Zum 1. Januar 1939 wurde Georg Beerwald Rentner, die Rente betrug 371 Reichsmark. Sein Sohn Rudolf floh am 4.2.1941 in die USA und meldete sich dort 1943 zur Armee.
Georg und Rosa Beerwald besaßen ein bereits genehmigtes Visum für Kuba. Sie konnten aber nicht mehr ausreisen, da es seit dem 23. Oktober 1941 ein allgemeines Auswanderungsverbot für Juden gab. Georg Beerwald bat trotzdem um die Ausstellung von Pässen unf für seine Frau um ein Attest über die Untauglichkeit zur Zwangsarbeit. Diese Bescheinigung erhielt Rosa Beerwald aber die lebensnotwendigen Pässe wurden verweigert.
Das Ehepaar Beerwald gehörte zu den ungefähr 1000 jüdischen Berlinerinnen und Berlinern, die am 14. November 1941 vom Güterbahnhof aus in die weißrussische Stadt Minsk deportiert wurden.
Das Ghetto in Minsk war ohne Trinkwasser und ohne Elektrizität. Die meisten Häuser waren aus Holz, ohne Heizung und total überfüllt. Zur Verpflegung gab es (uinregelmäßig) 200 Gramm Brot am Tag. Kinder und Alte bekamen falst gar nichts, die Zwangsarbeiter etwas mehr. Hunger, Seuchen und die mörderische Willkür von SS und Sicherheitspolizeit dezimierten die Zahl der Bewohner. In so genannten Aktionen wurden Tausende ermordert. 1941 war zudem in der Nähe das Vernichtungslager/die Vernichtungsstätte Mali Trostinez errichtet worden, in dem auch viel Bewohner des Ghettos getötet wurden.
Georg Beerwald gilt wie seine Ehefrau als nach dem 14.11.1941 verschollen, d.h. er starb an den grauehhaften Lebensumständen im Ghetto oder wurde ermordet.
Über sein Vermögen das vor allem aus einer Lebenversicherung bei der Victoria Versicherung bestand, wurde noch lange nach dem Tod des Ehepaars zwischen Behörden und Versicherung korresponiert. 1947 wurde der Sohn Rudolf informiert, dass das Vermögen der Eltern durch ein Dahrlehen aufgebraucht sei.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters auf der Grundlage der Vorarbeiten der Initativgruppe Stolpersteine Stierstraße, der Vorarbeiten von Hannelore Emmerich und eigener Recherchen.

Weitere Quellen

Recherchen der Initativgruppe Stolpersteine Stierstraße,
Anja Reuss/Kristin Schneider (Hg.) Berlin-Minsk, Unvergessene Lebengeschichten
Ein Gedenkbuch für die nach Minsk deportierten Berliner Jüdinnen und Juden, Metropol-Verlag, Berlin 2013
Akta Miasta Poznania - Kartoleka ewidencj ludnòci/1870-1931