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Flora Freyer (geb. Lewinsky)

Stolperstein für Flora Freyer. Foto: OTFW.
VERLEGEORT
Stierstr. 18

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Friedenau
VERLEGEDATUM
27.07.2008

GEBOREN
15.10.1863 in Preußisch Stargard (Westpreußen) / Starogard Gdański
DEPORTATION
am 21.09.1942 nach Theresienstadt
TOT
22.02.1944 in Theresienstadt

Flora Lewinsky wurde am 15. Oktober 1863 als Tochter des Kaufmanns David Lewinsky und der Henriette Lewinsky in Preußisch Stargard, einer Stadt südlich von Danzig (heute Starogard Gdanski in Polen) geboren. Während ihrer Kindheit waren ungefähr 14 Prozent der Einwohner Stargards Juden.
Sie hatte zwei Brüder: Adolph (auch Adolf oder Wolf) und Max.
Verheiratet war Flofra Lewinsky mit Selmar Freyedr (1860-1929), der aus einer jüdisch-orthodoxen Familie stammte. Sie war nicht berufstätig. Das Ehepaar hatte zwei Kinder: die Tochter Pauline oder Paula (1895 - 1943 KZ Auschwitz) und den Sohn Leo (1893 - 1987 Baltimore/USA). Die beiden Kinder kamen in Lyck, einem Ort im östlichen Masuren/Ostpreußen (heute Eik in Polenb) auf die Welt. In Lyck lebten die Eltern von Selmar Freyer, sodass man annehmen kann, dass die junge Familie dort ebenfalls eine Zeit lang gewohnt hat.
Im Jahr 1903 findet sich Selmar Freyer (sein Vater Shimon Freyer ist 1902 gestorben) das erste Mal im Berliner Adressbuch. Die Familie wohnte viele Jahre in Berlin-Schöneberg: in der Pallasstraße, in der Vorbergstraße und zuletzt in der Geßlerstraße 20. Als Beruf von Selmar Freyer wurde anfangs kaufmann, zuletzt Buchhalter angegeben. Nach seinem Tod im Jahr 1929 blieb seine Witwe Flora Freyer zuerst in der Geßlerstraße. Im Oktober 1932 zog sie nach Friedenau in die Stierstraße 18. Hier wohnte sie im Hochparterre in einer 2-Zimmer-Wohnung, ob von Beginn an oder erst zum Zeitpunkt der Deportation gemeinsam mit ihrer Tochter Pauline (Paula) ist unklar.
1939 emigrierte Flora Freyers Sohn Leo, der Soldat im Ersten Weltkrieg gewesen war und ebenfalls in Friedenau gewohnt und eine Knopffabrik besessen hatte, mit seiner Familie (Ehefrau Eva und zwei Töchtern) in die USA.
Flora Freyer wurde am 21. September 1942 über das Sammellager in der Großen Hamburger Straße, dem ehemaligen Jüdischen Altersheim, in das Ghettolager Theresienstadt deportiert. Der 63. Alterstransport mit 100 Personen verließ Berlin vom Anhalter Bahnhof aus, zwei Waggons angehängt an einem ganz "normalen" Personenzug. (Ihr Bruder Adolph, im Juni 1942 von München aus nach Theresienstadt deportiert, war dort bereits am 19. Juli umgekommen.) - Zehn Menschen sollten die Lagerhaft überleben. Flora Freyer starb am 22. Februar 1944 in Theresienstadt.
Es gibt kaum Spuren von Flora Freyer: Am 16.9.1942 hatte sie ihre Vermögenserklärung ausfüllen müssen. Ihr Vermögen in Höhe von wenig mehr als 1000 Reichsmark wurde am 22.12.1942 beschlagnahmt. Ihre Tochter Pauline wohnte bis zum März 1943 in der Wohnung im haus Stierstraße 18, dann wurde auch sie deportiert. Sie gilt als verschollen in Auschwitz, d.h. sie wurde dort ermordet.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters auf der Grundlage der Vorarbeiten der Initiativgruppe Stolpersteine Stierstraße, der Vorarbeiten von Hannelore Emmerich und eigener Recherchen.

Weitere Quellen

Yad Vashem, Recherchen der Initiativgruppe Stolpersteine Stierstraße,
Marion Freyer-Wolf: The Shrinking Circle http://www.geni.com/people/Hernriet...