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Richard Adam

Stolperstein für Richard Adam. Copyright: MTS
VERLEGEORT
Stierstraße 21

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Friedenau
VERLEGEDATUM
21.09.2009

GEBOREN
04.05.1876 in Gumbinnen (Ostpreußen) / Gussew
BERUF
Architekt
DEPORTATION
am 21.09.1942 nach Theresienstadt
ERMORDET
24.02.1944 in Theresienstadt

Richard Adam wurde am 4.5.1876 in Gumbinnen in Ostpreußen geboren.
Richard Adam war sowohl Architekt als auch Bauunternehmer. Mit dem Titel "Zwei neue Lichtspieltheater in Berlin" wurden 1919 zwei Bauwerke von Adam eröffnet: ein Kino im Sportpalast an der Potsdamer Straße (das 1925 von Oskar Kaufmann umgebaut wurde) und ein Kino in Berlin-Wedding.
Er beschäftigte selbst mehrere Architekten. Vor 1933 waren in dem Baugeschäft, das bereits vor dem Ersten Weltkrieg gegründet worden war, ca. 150 Mitarbeiter beschäftigt; aufgrund der Verdrängung der jüdischen Unternehmer ging die Anzahl kontinuierlich zurück, bis er schließlich 1939 auch den letzten Arbeiter entlassen musste und seine Büroräume am Tempelhofer Ufer gekündigt wurden.
Am 1. Januar 1939 zog er mit seiner älteren Schwester Clara in die Stierstraße 21 in Friedenau. Die stattliche Wohnung hatte 6 Zimmer und befand sich im Vorderhaus in der ersten Etage.
Sie hatten zuvor in dem Bürohaus am Tempelhofer Ufer gewohnt, in dem sich die Verwaltung seines bereits vor dem Ersten Weltkrieg gegründeten Bauunternehmens befand.
Das Baugeschäft war liquidiert worden, doch hatte Richard Adam noch erhebliche finanzielle Mittel, die ihm kurz darauf mit der Judenvermögensabgabe und den Heimeinkaufsverträgen entzogen wurden, so dass sie in die große Wohnung ziehen konnten; die Miete betrug 177,91 RM.
Die Tochter der verwitweten Clara Sabbath, Hattie, die auch in dem Unternehmen ihres Onkels gearbeitet hatte, war ebenfalls in die Wohnung gezogen, floh kurz darauf nach Shanghai, später emigrierte sie nach New York.
In der Wohnung Adam wohnten – außer seiner Schwester und deren Tochter - ab Anfang der vierziger Jahre die Ehepaare Altmann und Cohn sowie Marga Gottberg und Frieda Lewin, die in die Wohnung zwangsweise einquartiert wurden.
Drei Monate, nachdem seine Schwester Clara nach Theresienstadt deportiert worden war, wurde auch Richard Adam am 21.9.1942 nach Theresienstadt deportiert, wo er am 24.2.1944 starb. Seine Schwester war dort bereits am 18.101942 gestorben.
Richard Adam hatte eine Verlobte, Erna Wilde, die er nicht heiraten konnte, weil sie nicht jüdisch war. Es gelang Erna 1951, nachträglich ihre Verbindung zu Richard Adam als Ehe anerkennen zu lassen.
Gemäß Aktenvermerk der Verbindungsstelle PrV (Politisch, rassisch oder religiös Verfolgte des Nationalsozialismus) vom 21.05.51 wurde vom Senator für Sozialwesen am 22. Februar „die Ehe legalisiert“. Im April 1951 stellte das Standesamt Wilmersdorf von Berlin eine Heiratsurkunde aus, nach der Erna Wilde und Richard Adam „mit Wirkung vom 4. Mai 1936 die Ehe geschlossen“ haben. Entsprechend erhielt sie eine Witwenrente sowie Entschädigungsleistungen sowohl für den Freiheitsentzug, das Sterntragen, Haft, und Tod von Richard Adam, als auch für die von ihm gezahlten Judenkontributionen, den Heimeinkaufsvertrag sowie das Baugeschäft.


Biografische Zusammenstellung

Petra Fritsche

Weitere Quellen

Warhaftig, Myra: Deutsche jüdische Architekten. Berlin 2005, S.37/38