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Hannchen Leisersohn (geb. Abraham)

Hannchen Leisersohn. Copyright: Mrs. Bank
Stolperstein für Hannchen Leisersohn. Copyright: MTS
VERLEGEORT
Mellenerstr. 33

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Lichtenrade
VERLEGEDATUM
21.03.2007

GEBOREN
13.11.1883 in Posen / Poznań
DEPORTATION
am 31.08.1942 nach Theresienstadt
WEITERE DEPORTATION
am 16.05.1944 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Hannchen Leisersohn war die Tochter von Jacob Abraham aus Posen und Henriette Lippmann aus Samotschin und am 13. November 1883 in Posen geboren worden. Sie zog noch vor dem Ersten Weltkrieg nach Berlin und arbeitete dort als Kassiererin. Ende Dezember 1918 heiratete sie den Glaser Josef Leisersohn, der nach einer Kriegsverletzung diesen Beruf allerdings nicht weiter ausüben konnte.

Am 14. Oktober 1919 brachte Hannchen Leisersohn ihr erstes Kind, den Sohn Gert, zur Welt. Sie lebte mit ihrem Mann und dem Kind in der Friedrich-Franz-Straße 16 in Tempelhof. Dort wurde am 30. Mai 1926 auch die Tochter Traute geboren.

Hannchen Leisersohn war im Gegensatz zu ihrem Mann gläubige Jüdin und besuchte regelmäßig die private Synagoge in der Tempelhofer Mussehlstraße. Sie erzog auch beide Kinder in ihrem Glauben.

Die Kinder besuchten staatliche Schulen, beide mussten diese 1937 verlassen. Die Tochter Traute unterlag noch der Schulpflicht und wechselte auf eine jüdische Schule in der Auguststraße, ihr älterer Bruder Gert verließ das Gymnasium und begann eine Lehre als Bäcker und Konditor.

Im Juli 1939 musste Hannchen Leisersohn von ihrer Tochter Traute Abschied nehmen, da es gelungen war, die 13jährige Tochter in einem Kindertransport nach England unterzubringen. Die Ausreisebemühungen der anderen Familienmitglieder blieben dagegen ohne Erfolg, sie erhielten keine Visa.

Zum 1. April 1941 musste Hannchen Leisersohn mit ihrem Mann und dem Sohn Gert aus der Wohnung in der Friedrich-Franz-Straße ausziehen. Die Familie wurde zwangsweise in die Roonstraße 41 (heute Mellener Straße 33) nach Lichtenrade einquartiert. Hier im Haus des Arztes Dr. Bernhard Wolff musste Hannchen Leisersohn erleben, dass ihr Sohn Gert zusammen mit seiner Verlobten Ende November 1941 abgeholt wurde. Über das weitere Schicksal ihres Sohnes und seiner Verlobten hat sie nichts mehr erfahren.

Hannchen Leisersohn selbst wurde zusammen mit ihrem Mann Josef am 31. August 1942 mit dem „53. Alterstransport“ in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Josef Leisersohn kam dort im Januar 1944 um. Hannchen Leisersohn wurde am 16. Mai 1944 von Theresienstadt nach Auschwitz verschleppt. Dort verliert sich ihre Spur.


Hannchen Leisersohn war die Schwester von Louise Prinz, an die in der Ekkehardstraße 5 ein Stolperstein erinnert.

Biografische Zusammenstellung

Dr. Ruth Federspiel auf der Grundlage wesentlicher Vorarbeiten von Hannelore Emmerich