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Friedrich Justus Perels

Friedrich Justus Perels © GDW/PB Helga Perels, Kronberg
Stolperstein für Friedrich Justus Perels. Foto: OTFW.
VERLEGEORT
Viktoriastr. 4a

BEZIRK/ORTSTEIL
Steglitz-Zehlendorf – Lichterfelde
VERLEGEDATUM
07.03.2009

GEBOREN
03.11.1910 in Berlin
HINGERICHTET
22.04.1945 in Berlin

Friedrich Justus Perels, geboren am 13. November 1910 und hingerichtet am 23. April 1945, war der zweite Sohn des liberalen Universitätsprofessors Ernst Perels und dessen Ehefrau Antonie, geb. Hermes. Die Eltern lebten in der Johannesgemeinde in Lichterfelde-West im Weddigenweg 64.

Friedrich Justus Perels war durch Mitarbeit in Schülerbibelkreisen und durch eine enge Beziehung zu Martin Niemöller geprägt. Als Jurastudent, unter anderem bei Gustav Radbruch in Heidelberg, eignete er sich „ein differenziertes liberales Rechtsdenken“ an, wie sein Sohn auf dem Kirchentag 2005 in Hannover hervorhob. Mit der Machtergreifung 1933 trat Friedrich Justus Perels „die schrankenlose Struktur der öffentlichen Gewalt ... hautnah entgegen“. Mehrere Familienmitglieder verloren aus „rassepolitischen“ Gründen ihre Universitätspositionen.

Am 1. April 1933 wurde Friedrich Justus Perels Rechtsreferendar. Er stellte sich dem im September 1933 gegründeten Pfarrernotbund als juristischer Berater zur Verfügung. Bereits am 11. August 1933 schrieb er in einem Brief an Martin Niemöller: Da „die Männer der Reichsleitung (der Deutschen Christen) täglich theologische Ausführungen machen, die für die Kirche Jesu Christi schlechterdings untragbar sind, ... [haben wir] die Aufgabe, auch formell Distanz zu dieser Glaubenslehre zu halten und den neutestamentlichen Angriff seinem Wesen gemäß vorzutragen.“

Nach Abschluss seines Referendariats 1936 wurde Friedrich Justus Perels Rechtsberater des Bruderrates der Altpreußischen Union. Er trat damit die Nachfolge des Landesgerichtsdirektors i.R. Friedrich Weissler an, der 1936 in Sachsenhausen inhaftiert und 1937 dort ermordet worden war. Dieser gilt als der Verfasser einer mutigen Denkschrift der zweiten Vorläufigen Leitung der Bekennenden Kirche, die am 23. Juli 1936 im Ausland veröffentlicht wurde. Sie wandte sich gegen die Entchristlichung des Volkes und die Einrichtung der Gestapo, gegen Konzentrationslager, Willkür und Rechtsverfälschung und gegen die Verfolgung von Juden und Andersdenkenden.

Neben seiner Tätigkeit als Rechtsanwalt leitete Friedrich Justus Perels das Büro der Bekennenden Kirche in der Drakestr. 32 in Lichterfelde (das Haus wurde durch Bomben zerstört). „Perels’ Weg in die zunehmende Ablehnung des Nationalsozialismus [fügt] dem Bild eines Lebens im Dritten Reich ein eigengeprägtes, für einige protestantische Gruppen nicht untypisches Mosaiksteinchen [hinzu], das in Darstellungen zum Nationalsozialismus bisher unberücksichtigt blieb.“ (Schreiber, Matthias: Friedrich Justus Perels. Ein Weg vom Rechtskampf der Bekennenden Kirche in den politischen Widerstand. München 1985, S. 21.)

1940 heiratete Friedrich Justus Perels Helga Kellermann und ließ sich als Rechtsanwalt nieder. Der einzige Sohn, Joachim, wurde 1942 in Berlin geboren. Die Familie lebte in der Viktoriastr. 4 a in Lichterfelde.

Friedrich Justus Perels verband eine enge Freundschaft mit Dietrich Bonhoeffer. Er war beteiligt an der Aktion „U Sieben“, durch die 14 Personen die Flucht ins Ausland ermöglicht wurde. Im Oktober 1941 wandte er sich gemeinsam mit Dietrich Bonhoeffer mit einer Eingabe an Offiziere, die zum deutschen Widerstand gehörten, gegen die Deportation von Juden.

Nach dem missglückten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Friedrich Justus Perels als Mitverschwörer verhaftet, am 2. Februar 1945 vom Volksgerichtshof unter der Leitung von Roland Freisler zum Tode verurteilt und schließlich in der Nacht vom 22. auf den 23. April 1945 auf einem Trümmergrundstück in der Lehrter Straße durch Genickschuss ermordet.

Sein Vater, Prof. Ernst Perels (s. dort), wurde im Oktober 1944 in Sippenhaft genommen, zunächst in das KZ Buchenwald und später in das KZ Flossenbürg deportiert, wo er am 10. Mai 1945 starb, kurz nach der Befreiung des Lagers.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Hildegard Frisius