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Fritz Ausländer

Fotografie von Fritz Ausländer © GDW
Stolperstein für Fritz Ausländer © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
VERLEGEORT
Erholungsweg 14

BEZIRK/ORTSTEIL
Reinickendorf – Tegel
VERLEGEDATUM
06.03.2009

GEBOREN
24.11.1885 in Königsberg / Kaliningrad
BERUF
Lehrer, Studienrat / Magistratsmitglied
FLUCHT IN DEN TOD
21.05.1943 in Berlin

Nachdem für einige Zeit nach der Inflation die Geldmittel für Bildungszwecke etwas reichlicher flossen, wird jetzt auf der ganzen Linie abgestoppt. Ford kommt mit 75 Prozent ungelernter Arbeiter aus. Was bedarf es also eines weiteren Ausbaus des Schulwesens? Den Luxus können wir uns nicht mehr leisten. [...] Beim Kampf zwischen Stadt und Staat, wie er sich jetzt in Form des Kampfes um den Finanzausgleich abspielt, trifft der stärkste Druck das ökonomisch schwächste ‚unproduktive’ Glied, die Schulverwaltung.“

Fritz Ausländer, Rettet die Schule! 1927

Fritz Ausländer, der Sohn eines Kaufmanns, studierte in

Königsberg, wurde als Student Mitglied der SPD und erwarb 1908 mit einer Arbeit zur preußischen Geschichte den Doktortitel. Noch im gleichen Jahr trat er in den Schuldienst ein. 1914 bis 1915 war er Soldat im Ersten Weltkrieg. Ausländer freundete sich mit Karl Liebknecht an und wurde nach seiner Rückkehr aus dem Krieg einer der Mitbegründer der revolutionären „Gruppe Internationale“ und der „Spartakusgruppe“. 1920 wurde er als Studienrat am Luisenstädtischen Gymnasium eingestellt und war gleichzeitig Funktionär der KPD und Mitglied in der Leitung der „Interessengemeinschaft oppositioneller Lehrer“. 1924 wurde er zum Sekretär eines Verbandes kommunistischer Lehrer, der „Reichsfraktion“, gewählt. Im gleichen Jahr begann er am Köllnischen Gymnasium zu arbeiten. Diese

Modellschule war eine Aufbauschule, die nach 7 Volksschuljahren in 6 Jahren zum Abitur führte und in der die Schüler auch Methoden demokratischer Selbstverwaltung erlernten. Diese Schulreformen wurden heftig angegriffen und konnten sich gegen die konservativ eingestellte preußische Verwaltung nur mit Mühe behaupten. Ausländer veröffentlichte in diesem Zusammenhang 1927 die Schrift

„Rettet die Schule! Der schwarzblaue Block und die proletarische Abwehrfront“. 1928 wurde er in den Preußischen Landtag gewählt. Bei der nächsten Wahl 1932 wurde er von der KPD nicht mehr aufgestellt, weil er gegen ihren ultralinken Kurs und ihre stalinistische Ausrichtung

protestierte. Parteimitglieder wie er wurden in diesen Jahren von der Leitung abschätzig als „Versöhnler“ bezeichnet. Ausländer trat aus der KPD aus.

Am 28.2.1933, in der Nacht des Reichtagsbrandes, wurde er

festgenommen und war zunächst im KZ Sonnenburg, dann im KZ Oranienburg und später in den Emslandlagern in Haft. Zum 1.9.1933 wurde er mit der Begründung aus dem Schuldienst entlassen, er sei als „Parteibuchbeamter“ eingestellt worden, ohne die für seine Laufbahn vorgeschriebene Vorbildung oder sonstige Eignung zu besitzen. Das ihm zustehende Ruhegehalt wurde ihm entzogen. Ausländer verdiente nach der Entlassung aus der Haft den Lebensunterhalt für sich und seine Familie als

Adressenschreiber und später als Auslandskorrespondent der „Deutschen Buchgemeinschaft“. Zu Kriegsbeginn 1939 wurde er wieder festgenommen, war im KZ Sachsenhausen in Haft und wurde am 30.10.1939 zum Verhör ins Hausgefängnis der Gestapo-Zentrale gebracht. Nach einem

Selbsttötungsversuch wurde er Weihnachten 1939 aus dem KZ Sachsenhausen entlassen. Als er im Mai 1943 fürchtete, erneut verhaftet zu werden, nahm er sich das Leben.

Stand der Recherche zur Zeit der Verlegung am 06. März 2009.


Biografische Zusammenstellung

Verein Aktives Museum e. V.