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Adolf Broh

Stolperstein für Adolf Broh. Foto: OTFW.
VERLEGEORT
Falkentaler Steig 16

BEZIRK/ORTSTEIL
Reinickendorf – Hermsdorf
VERLEGEDATUM
12.12.2007

GEBOREN
14.08.1872 in Schrimm / Śrem
BERUF
Gutsbesitzer/Landwirt
DEPORTATION
am 14.09.1942 von Albrechtstr.10 nach Theresienstadt
WEITERE DEPORTATION
am 16.05.1944 nach Auschwitz
ERMORDET
Mai 1944 in Auschwitz

Adolf Broh wurde am 14. August 1872 in Schrimm im gleichnamigen Landkreis in der ehemaligen preußischen Provinz Posen geboren. Heute heißt der Ort Śrem und befindet sich in der Mitte Polens. Adolf war der jüngere von zwei Brüdern. Zusammen mit seinem sechs Jahre älteren Bruder Ephraim erwarb er um 1900 das Gut Kussenow im Landkreis Pommern. Dort betrieben die Brüder Broh mit moderner Technik auf ungefähr 131 Hektar eine fortschrittliche und erfolgreiche Land- und Viehwirtschaft.

Die Brüder Broh heirateten die Schwestern Rosa und Regina Noah aus dem Landkreis Schrimm. Am 28. Februar 1908 wurde Adolf und Regina Broh ihr erster Sohn Heinz geboren, ein Jahr später schon folgte am 1. Mai 1909 die Tochter Ruth.

Beide Kinder besuchten die Dorfschule in Kussenow und wurden danach auf eine weiterführende Schule nach Berlin geschickt, wo die Geschwister bei ihrer kinderlosen Tante Selma Latte lebten. 1932 heiratete Ruth Broh den Großhändler für landwirtschaftliche Produkte Max Jany und lebte fortan in der Kissinger Straße 45 in Pankow. Ihre Tochter Eva kam am 14. Oktober 1933 im Jüdischen Krankenhaus Pankow zur Welt. Adolf Brohs Sohn Heinz blieb auf Gut Kussenow und heiratete 1935 Ruth Neumann.

Seit der Machtergreifung 1933 litten die Geschäfte des Gutes zunehmend unter der ablehnenden Haltung gegenüber jüdischen Unternehmen. Die Einnahmen gingen um 30 Prozent zurück. Zwei Jahre später gipfelte die Ablehnung in dieser Provinz im Boykott und als die Brüder Broh 1937 das Gut schließlich auf Druck der ortsansässigen NS-Parteistellen weit unter Wert verkaufen mussten, hatte bereits eine Sabotage der Landarbeiter die Arbeit auf dem Gut zusätzlich erschwert.

Daraufhin floh Adolf Broh mit seiner Familie nach Berlin, ebenso sein Bruder Ephraim mit Frau Rosa. Zusammen bezogen sie eine möblierte 6-Zimmer-Wohnung im heutigen Falkentaler Steig 16 in Hermsdorf. Ehemals Kinderheim, befand sich dort nun eine kleine Synagoge der Jüdischen Gemeinde im Erdgeschoss. Nach den Nürnberger Gesetzen als „Volljuden“ bezeichnet, waren die Familien Broh zunehmend gefährdet, vor allem nach der Reichspogromnacht.

Adolf Brohs Kinder Heinz und Ruth wanderten 1939 nach Chile und Palästina aus. Er selbst wurde mit dem „2. großen Alterstransport“ am 14. September 1942 von Berlin nach Theresienstadt deportiert. Mit ihm seine Frau Regina sowie Ephraim und Rosa Broh.

Mit einem als „Arbeitseinsatztransport“ bezeichneten Deportationszug wurden am 16. Mai 1944 die beiden Familien weiter nach Auschwitz gebracht. Dieser Transport mit der Bezeichnung „Ea“ umfasste 2447 Menschen und gilt als „Todestransport“, da weniger als 10 Prozent überlebten. Auch Adolf Broh und seine Familie nicht.


Biografische Zusammenstellung

AG Stolpersteine Reinickendorf