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Olga Benario-Prestes

Fotografie von Olga Benario-Prestes. Fotorechte: GDW.
Stolperstein in der Innstraße 24. Foto: Ruben
VERLEGEORT
Innstraße 24

BEZIRK/ORTSTEIL
Neukölln – Neukölln
VERLEGEDATUM
10.12.2007

GEBOREN
12.02.1908 in München
VERHAFTET
im Jahre 1936 in Brasilien
INHAFTIERT
ab 27.11.1936 bis Februar 1938 in Berlin-Moabit
INHAFTIERT
ab Februar 1938 im Konzentrationslager Lichtenburg
ABGESCHOBEN
bis Juli 1939 in Ravensbrück
INHAFTIERT
ab 20.07.1939 bis Juli 1939 im Polizeigefängnis Stettin
INHAFTIERT
ab 26.07.1939 bis zum 27.07.1939 im Polizeigefängnis Berlin
INHAFTIERT
ab 27.07.1939 im Konzentrationslager Ravensbrück
DEPORTATION
am 23.03.1942 von Ravensbrück nach Bernburg/Saale
ERMORDET
23.04.1942 in der Tötungsanstalt Bernburg

„Ich habe für das Gerechte und Gute gekämpft, für die Verbesserung der Welt. Ich verspreche Dir, wenn ich jetzt Abschied nehmen muß, daß ich Dir bis zum letzten Moment keinen Grund geben werde, Dich meiner zu schämen. […] Ich werde stark bleiben und bin entschlossen, bis zum letzten Moment zu leben. Jetzt muß ich schlafen, damit ich morgen kräftig bin. Ich küsse Euch beide zum letzten Mal.” (Olga Benario Prestes’ letzter Brief an Luís Carlos Prestes und ihre Tochter Anita)

Am 12. Februar 1908 wird Olga Gutmann Benario in München geboren. Mit noch nicht einmal 15 Jahren findet sie ihren Weg zur Schwabinger Gruppe der bereits illegalen Kommunistischen Jugend. Ihr Vater Leo Benario, der als Anwalt und Sozialdemokrat mittellose Klienten meist kostenlos vertritt, führt Olga die soziale Ungerechtigkeit ihrer Zeit vor Augen.

Mit Entschlossenheit und Idealismus, die sie immer beibehalten wird, verlässt sie 1926 ihr bürgerliches jüdisches Elternhaus, um ihre Arbeit für die Kommunistische Partei in Berlin zu intensivieren. In München war sie bereits aufgefallen durch ihren ungewöhnlichen Mut bei der täglichen Organisationsarbeit und beim Flugblattverteilen, ihr großes Interesse an militärischer Ausbildung und Strategie sowie ihre Belesenheit in marxistisch-leninistischer Theorie. Unter dem Einfluss von Otto Braun, einem sieben Jahre älteren Professor und erfahrenen militanten Kommunisten, mildert sich ihre dogmatische Ablehnung aller politisch Andersdenkenden sowie der rauchenden, trinkenden und sich vergnügenden Kameradinnen und Genossen. Durch die gemeinsame politische Arbeit seit 1923 entwickelt sich eine tiefe emotionale Beziehung zwischen den beiden, aber Benario lehnt jeden Gedanken an Heirat (als bürgerliche Institution wirtschaftlicher Abhängigkeit von Frauen) ab.

In Berlin-Neukölln wird sie bald zum Star der lokalen Kommunistischen Jugend und zeigt ihre Zivilcourage in einem Coup, der in den Berliner Zeitungen Schlagzeilen macht: Am 11. April 1928 führt sie den bewaffneten Überfall auf den Gerichtssaal im Moabiter Gefängnis an und schafft es, den wegen Hochverrats angeklagten Braun zu befreien.

Mit falschen Pässen erreichen Braun und Benario ein paar Tage später Moskau. Ihre Beziehung bricht 1931 ab, weil Benario Brauns Eifersuchtsanfälle kleinbürgerlich findet. Schließlich widmet sie sich nur noch dem Engagement für die Ideen eines toten Mannes – Lenin. Sie erhält eine Ausbildung in Fremdsprachen sowie im Waffendienst, lernt Reiten in der Roten Armee und bewährt sich mit ihrer Untergrundarbeit auf Reisen nach Westeuropa.

Zurück in Moskau wird sie zum Präsidiumsmitglied der Kommunistischen Internationalen Jugend gewählt und zur Pilotin und Fallschirmspringerin ausgebildet.

Im Sommer 1934 wird sie vom Direktorium der Kommunistischen Internationale auserwählt, Luís Carlos Prestes – legendärer brasilianischer General einer Revolutionsarmee, die er von 1925 bis 1927 erfolgreich im Kampf gegen die Truppen von Präsident Artur Bernardes anführte – auf seiner Rückreise nach Brasilien als Schutzperson zu begleiten. Getarnt als wohlhabendes portugiesisches Paar in den Flitterwochen fahren die beiden mit dem Schiff nach New York und fliegen von Miami nach Brasilien. Auf der angeblichen Hochzeitsreise verlieben sich Prestes und Benario wirklich.

Benario sieht ihre Aufgabe vor allem im Schutz von Prestes als Anführer der am 27. November 1935 fehlschlagenden Revolution gegen das Militärregime des diktatorischen Präsidenten Vargas. Die Nationale Befreiungsallianz unter Führung der Kommunisten wird in die Illegalität getrieben, viele werden verhaftet und in Kollaboration mit der Gestapo gefoltert.

Im Frühjahr 1936 werden auch Benario und Prestes verhaftet. Im Gefängnis stellt sie fest, dass sie schwanger ist, was ihre Haftbedingungen etwas erleichtert. Ihre Hoffnungen, als werdende Mutter und Ehefrau von Prestes der Abschiebung an die Nazis zu entgehen, werden jedoch enttäuscht. Der Polizeichef von Rio de Janeiro verfügt, dass die im siebten Monat Schwangere trotz eines massiven Aufruhrs ihrer Mitgefangenen nach Deutschland ausgeschifft wird.

Am 18. Oktober 1936 kommt sie in Hamburg an und wird sofort von der SS nach Berlin ins Gestapo-Hauptquartier in Berlin-Moabit gebracht. Im Gefängnis in der Barnimstraße kommt am 27. November ihre Tochter Anita Leocadia zur Welt und darf 14 Monate lang bei ihr bleiben, bis Olgas Schwiegermutter es schafft, zumindest das Kind freizubekommen. Ab Februar 1938 ist sie im Konzentrationslager Lichtenburg und danach im Konzentrationslager Ravensbrück inhaftiert, zwischendurch wird sie eine Woche lang in den Polizeigefängnissen Stettin und Berlin gefangen gehalten. Dennoch gibt sie die Hoffnung nie auf.

Am 23.März 1942 wird sie nach Bernburg/Saale gebracht und in der zu diesen Zwecken von den Nazis extra umgebauten Psychiatrischen Klinik am 23. April 1942 vergast.

Siehe auch: Imke Lode, Olga Benario - Biographie. FemBio – Frauen. Biographieforschung. http://www.fembio.org/biographie.php/frau/biographie/olga-benario/ (letzter Zugriff: 11.11.2013)


Biografische Zusammenstellung

Imke Lode

Weitere Quellen

Bader, Alexandra: Olga Benario. Jüdische Revolutionärin als NS-Opfer. CeiberWeiber (österreichische Webseite). http://www.ceiberweiber.at/index.ph..., besucht am 11.11.2013.

Bromberger, Barbara (1988): Schwestern, vergeßt uns nicht. Frauen im Konzentrationslager Moringen, Lichtenburg, Ravensbrück. 1933 – 1945. Katalog zur Ausstellung Frauen im Konzentrationslager. Frankfurt (Main). VAS Verlag für Akademische Schriften. ISBN 3888640156.

Cohen, Robert (2009): Exil der frechen Frauen Berlin: Rotbuch.

Eschebach, Insa (Hg.) (1999): Die Sprache des Gedenkens. Zur Geschichte der Gedenkstätte Ravensbrück. 1945 – 1995. Darin: Olga Benario: Kommunistin, Jüdin, Heldin? von Linde Apel. Berlin: Ed. Hentrich, (Schriftenreihe der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, 11). ISBN 3-89468-257-4.

Galerie Olga Benario, Forum gegen Neofaschismus, Sexismus, Rassismus und Imperialismus (2008): Ein Stolperstein für Olga Benario. http://www.galerie-olga-benario.de/..., besucht am 11.11.2013.

Höge, Helmut (2006): Die allgemeine Evahermanisierung. Kritiken zu den Filmen über Olga Benario. tazblog vom 04.09.2006. http://blogs.taz.de/hausmeisterblog..., besucht am 11.11.2013.

Lode, Imke (2008): Olga Benario - Biographie. FemBio – Frauen. Biographieforschung. http://www.fembio.org/biographie.ph..., besucht am 11.11.2013.

Morais, Fernando Morais (1992): Olga. “Ich habe für das Richtige, das Gute, das Beste auf der Welt gekämpft”. Frankfurt: Rowohlt. ISBN 1480-ISBN 3 499 13030 0

Morais, Fernando (1985): Olga. Das Leben einer mutigen Frau. Köln: Volksblatt-Verlag.

Schiese, Rudolf (1975): Olga Benario-Prestes. 1908 – 1942. Herausgegeben von der Kreiskomission zur Erforschung der Geschichte der örtlichen Arbeiterbewegung bei der Kreisleitung der SED Jessen (Elster). Jessen (Elster): Lichtenburger Lesehefte, 1.

VVN Westberlin-Verband der Antifaschisten (Hg.) (1984): Olga Benario. Das Leben einer Neuköllner Antifaschistin. – Zu beziehen in der Galerie OLGA BENARIO, Richardstr. 104, 12043 Berlin.

Werner, Ruth; Beurton, Ursula (1962, Neuauflage 2006): Olga Benario. Die Geschichte eines tapferen Lebens. Berlin: Neues Leben. ISBN 3-355-01729-9.

Werner, Ruth (2010): .Olga Benario. Frankfurt, M.: Zambon.

Wikipedia (2013). Olga Benario-Prestes. http://de.wikipedia.org/wiki/Olga_B..., besucht am 11.11.2013.

Audiovisuelles Material:
Fuchs, Stefan (2006): Nach Deutschland in den Tod geschickt. Vor 70 Jahren lieferte Brasilien die Revolutionärin Olga Benario Prestes an die Nazis aus. In: Deutschlandradio Kultur, Kalenderblatt vom 21.09.2006. http://www.dradio.de/dlf/sendungen/..., besucht am 11.11.2013.

Iyitanir, Galip(2004): Olga Benario. Ein Leben für die Revolution. (Dokumentarfilm, 92 min.). Deutschland, im Verleih von Neue Visionen, http://www.kino.de/kinofilm/olga-be..., besucht am 11.11.2013.

Monjardim, Jaime (2004): Olga (Spielfilm, 95 min.). Brasilien; deutsche Fassung 2006, auf DVD erhältlich.