Direkt zum Inhalt
Skip to content Skip to navigation

Thekla Kallmann (geb. Goldschmidt)

Stolperstein für Thekla Kallmann. Foto: OTFW.
VERLEGEORT
Karl-Marx-Straße 16

BEZIRK/ORTSTEIL
Neukölln – Neukölln
VERLEGEDATUM
27.10.2010

GEBOREN
19.03.1870 in Erichshagen (Kr. Nienburg a.d. Weser)
DEPORTATION
am 03.08.1942 nach Theresienstadt
ERMORDET
13.04.1944 in Theresienstadt

Thekla Goldschmidt kam am 19. März 1870 in Erichshagen (Kreis Nienburg) an der Weser auf die Welt. Dort lebten nur wenige Juden, die Mehrzahl der Einwohner war protestantisch. Über ihre Familie wissen wir nichts. Es gab aber in Erichshagen und in Nienburg eine Reihe von Menschen, die den Namen „Goldschmidt“ trugen – dies können Großeltern, Eltern und auch andere Verwandte gewesen sein.
Thekla Goldschmidt war mit Siegfried Kallmann verheiratet, einem Opern- und Konzertsänger, der um 1900 in der Nicolaistraße 19 in Hannover eine private „Gesang- und Opernschule“ führte. 1901 wurde ihr Sohn Heinz geboren. Er wuchs in Hannover auf. Die Familie zog später nach Frankfurt am Main. Anfang der 1920er Jahre arbeitete Siegfried Kallmann in Frankfurt wiederum als Gesangspädagoge. Sohn Heinz studierte in Frankfurt am Main, Heidelberg und München Medizin. Am 24. April 1924 starb Siegfried Kallmann in Frankfurt am Main. Thekla Kallmann lebte als Witwe noch einige Jahre in der alten Wohnung in der Weiherstraße 4. Dann zog sie nach Berlin.
Von 1931 bis zum Herbst 1939 wohnte Thekla Kallmann in Berlin-Reinickendorf, Mickestraße 5. Dies war (und ist) der von 1928 bis 1930 gebaute und zuerst fertig gestellte Abschnitt einer großen Wohnanlage der Wohnungsbaugesellschaft Eintracht. Heute stehen die Gebäude als Beispiel für den Wohnungsbau der Weimarer Republik unter Denkmalschutz.
Sohn Heinz Kallmann, seit 1926 approbiert, hatte seine Praxis und Wohnung in Berlin-Pankow.
Er arbeitete seit 1928 als Allgemeinmediziner und Arzt für Homöopathie. 1933 wurde ihm die Approbation entzogen. Heinz Kallmann war verheiratet, er hatte keine Kinder. 1938 flüchtete er mit seiner Ehefrau über Antwerpen in die USA. Dr. Heinz Kallmann nannte sich dort „Henry Calman“ und war seit 1939 wieder als Arzt tätig. Er ist 1979 in Utica/New York gestorben.

Thekla Kallmann wohnte seit Oktober 1939 als Untermieterin bei Elise Cohn in der Berliner Str. 11 (heute: Karl-Marx-Straße 16). Für 40 Reichsmark monatlich hatte sie ein Zimmer mit Küchenbenutzung gemietet. – Die Verwertung ihrer wenigen Möbel sollte später 98 Reichsmark erbringen.

Am 3. August 1942 wurde Thekla Kallmann vom Anhalter Bahnhof aus über das Sammellager in der Großen Hamburger Straße nach Theresienstadt deportiert. Der Transport bestand aus 100 Menschen, drei konnten überleben. Thekla Kallmann gehörte nicht zu ihnen: Sie starb am 13. April 1944 im Ghettolager Theresienstadt.


Biografische Zusammenstellung

Dietlinde Peters

Weitere Quellen

Adressbuch, Stadt- und Geschäftshandbuch der Königlichen Residenzstadt Hannover
Adressbuch für Frankfurt am Main und Umgebung
Florian G. Mildenberger, Der Deutsche Zentralverein homöopathischer Ärzte im Nationalsozialismus, Göttingen 2016
Rebecca Schwoch, Berliner jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus, Berlin/Teetz 2009
Museum Neukölln