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Helene Haase (geb. Schwarzbach)

Stolperstein für Helene Haase. Foto: OTFW.
VERLEGEORT
Karl-Marx-Straße 100

BEZIRK/ORTSTEIL
Neukölln – Neukölln
VERLEGEDATUM
27.10.2010

GEBOREN
24.04.1888 in Wronke (Posen) / Wronki
DEPORTATION
am 03.10.1942 nach Raasiku (b. Reval)
ERMORDET
in Raasiku (b. Reval)

Helene Schwarzbach kam am 24. April 1888 in Wronke/Posen (heute: Wronki / Polen) als Tochter des Kaufmanns Philipp Schwarzbach und seiner Ehefrau Henriette, geb. Hirschberg, zur Welt. Der Ort an der Warthe hatte Mitte des 19. Jahrhunderts eine große jüdische Gemeinde. Zum Zeitpunkt der Geburt von Helene Schwarzbach waren aber bereits viele Juden Richtung Westen, das hieß auch nach Berlin, fortgezogen.
Helene Schwarzbach hatte fünf Geschwister: die 1884 und 1885 geborenen Brüder Herbert und Wilhelm, die 1887 geborene Schwester Elsa (später verheiratete Unger) und die 1889 und 1891 geborenen Brüder Martin und Max. Bis auf den Bruder Wilhelm Schwarzbach (1885–1957 Hamburg), der in Berlin Arzt geworden war und 1939 nach Bolivien entkommen konnte, wurden die Geschwister ebenfalls ermordet. Sie starben in Riga, Sobibor und Auschwitz.
Helene Schwarzbach war verheiratet mit Joseph Haase, geboren am 11. August 1878 in Santomischel (heute: Zaniemyźl / Polen) im Osten der Provinz Posen. Er stammte aus einer Familie von Kaufleuten, Schneidern und Hutmachern.
Seit wann die Familie Haase in Berlin lebte, ist nicht bekannt, in den 1890er Jahren tauchen die aus Santomischel stammenden Mitglieder der Familie Haase zum ersten Mal im Berliner Adressbuch auf: Es finden sich viele Vornamen, oft auch nur ein Anfangsbuchstabe, aber immer wieder der Beruf Hutmacher oder der Besitz von Putzhandlungen.
Die Brüder Joseph und Michaelis gründeten im Jahr 1902 ihre eigenen Geschäfte: Michael in Neukölln, damals Rixdorf, und Joseph im heutigen Kreuzberg.
Joseph Haases Geschäft für Herrenartikel bzw. Herrenhüte lag in der Wrangelstraße 22, nicht weit entfernt von der 1891 eröffneten Markthalle IX in der Eisenbahnstraße 42. Es ist anzunehmen, dass Helene im Geschäft geholfen hat. Das Ehepaar wohnte im dritten Stock des Hauses. Joseph Haase blieb dort bis 1908, aber im Adressbuch für 1909 ist schon ein zweiter Laden in Charlottenburg vermerkt: Sein „Spezialhaus für Damenhüte“ in der Wilmersdorfer Straße 142 sollte bis zum Ende der Weimarer Republik bestehen. Joseph und Helene Haase wohnten für sehr kurze Zeit in der Wallstraße 31/32 (heute die Zillestraße). Ob er daneben in der Kreuzberger Prinzenstraße 79 ebenfalls ein Geschäft besaß oder das Ehepaar dort nur wohnte (oder beides – oder ob der dort verzeichnete Josef als Sohn von Samuel Haase ein ganz anderer war) bleibt unklar.
Während der ersten Jahre der NS-Diktatur lebte das Ehepaar Haase in der Lothringer Straße 11 im Bezirk Mitte.
Zum 15. Mai 1939 zogen Joseph und Helene Haase als Untermieter in ein möbliertes Zimmer zu ihrer seit 1929 verwitweten Schwägerin Margarete Haase in die Bergstraße 1 in Berlin-Neukölln (heute Karl-Marx-Straße 100).
Joseph Haase war zuletzt als Zwangsarbeiter bei der Firma Fromm in Köpenick beschäftigt. Ob Helene Haase ebenfalls Zwangsarbeit leisten musste, ist nicht bekannt.
Am 26. September 1942 wurden Helene Haase und ihr Ehemann Joseph mit dem „20. Osttransport“ nach Raasiku bei Reval (heute Talinn) in Estland deportiert. Die weitaus größte Zahl der Zuginsassen wurde gleich nach der Ankunft in Raasiku in einem nahe gelegenen Waldgebiet erschossen. Nur 19 der über 800 Berliner Insassen überlebten. Das Ehepaar Haase kehrte nicht zurück.

Die Schwägerin und Vermieterin Margarete Haase wurde am 1. März 1943 mit dem „31. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.


Biografische Zusammenstellung

Dietlinde Peters

Weitere Quellen

Rebecca Schwoch (Hrsg.): Berliner jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus, Berlin/Teetz 2009
Stadtarchiv Magdeburg
Museum Neukölln