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Isidor Weissbart

Stolperstein für Isidor Weissbart. Foto: OTFW.
VERLEGEORT
Karl-Marx-Straße 118

BEZIRK/ORTSTEIL
Neukölln – Neukölln
VERLEGEDATUM
27.10.2010

GEBOREN
25.02.1870 in Kempen (Posen) / Kępno
DEPORTATION
am 31.08.1942 nach Theresienstadt
ERMORDET
22.09.1942 in Theresienstadt

Isidor Weissbart wurde am 25. Februar 1870 in Kempen/Posen (heute: Kȩpno in Polen) geboren. Im damals preußischen Kempen befand sich eine große jüdische Gemeinde, zu der in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts ein Drittel der Bevölkerung der Stadt zählte. In den 1890er Jahren gab es unter den selbstständigen Handwerkern und Kaufleuten den Goldschmied und Kaufmann für Uhren, Gold- und Silberwaren Leopold Weissbart, verheiratet mit Pauline Goldberg, ebenfalls aus Kempen. Das Ehepaar hatte zahlreiche zwischen 1869 und 1892 geborene Kinder, die später – wie auch die Eltern – in Schlesien lebten. Isidor Weissbart könnte eins dieser Kinder oder ein Vetter gewesen sein.
Isidor Weissbart wurde Kaufmann und lebte seit Mitte der 1890er Jahre in Bochum im westfälischen Ruhrgebiet. Verheiratet war er mit der am 20. März 1869 in Bochum geborenen Karoline Meyer, die ebenfalls aus einer Familie von Kaufleuten stammte. Im Adressbuch der Stadt von 1905 ist er in der Maarbrückerstraße 20 (seit 1929 Gussstahlstraße) verzeichnet, ein Haus in der Innenstadt. Das Ehepaar bekam vier Kinder: 1896 den Sohn Walter, 1902 den Sohn Max, 1905 die Tochter Else (?) und 1907 die Tochter Meta.
Einige Jahre später ging Isidor Weissbart mit seiner Familie nach Berlin, dort lebten bereits Verwandte. Am 1. Juli 1915 zogen die Weissbarts in das Haus Bergstraße 9, Ecke Prinz-Handjery-Straße (heute: Briesestraße). In der dritten Etage hatten sie eine Wohnung mit drei Zimmern, zwei Kammern, Küche und Bad gefunden. Die Eltern Weissbart sollten dort 27 Jahre, bis zu ihrer Deportation, leben.
Die Familie wurde größer, in den 1920er und 1930er Jahren wurden Isidor Weissbart und seine Ehefrau Karoline Großeltern: Sohn Walter war Kaufmann geworden und hatte 1923 Margarethe Schubert geheiratet. Seine Töchter Ingeborg und Margit kamen 1926 und 1928 auf die Welt. Isidors Sohn Max wurde Buchbinder und lebte mit Ehefrau Gertrud, Kindern und Schwiegermutter in Kreuzberg. 1941 und 1943 (d.h. nach der Deportation der Großeltern und der Schwiegermutter) wurden die Söhne/Enkel Jona und Uri geboren. Isidor Weissbarts Tochter Meta hatte Norbert Tannenzapf, einen Kaufmann aus Rumänien geheiratet. Ihre Tochter Ruth kam 1935 auf die Welt. – Und Else?
Isidor Weissbart lebte die letzten Jahre als „Privatier“ und Rentner. Die Wohnung teilte sich das Ehepaar mit der 1880 geborenen Untermieterin Meta Schlesinger, geb. Adam. Am 31. August 1942 wurden Isidor und Karoline Weissbart vom Anhalter Bahnhof aus nach Theresienstadt deportiert. Dort starb Isidor Weissbart bereits am 22. September 1942. Seine Ehefrau Karoline starb eine Woche später, am 30. September 1942.

Untermieterin Meta Schlesinger wurde am 5. September 1942 nach Riga deportiert und sofort ermordet. Die Nachmieter Georg und Martha Klopstock wurden am 26. Februar 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ebenfalls getötet. Isidor Weissbarts Tochter Meta Tannenzapf wurde mit ihrem Ehemann Norbert und der Tochter Ruth am 14. Dezember 1942 nach Auschwitz deportiert und umgebracht. Sohn Max Weissbart und seine Familie und Sohn Walter Weissbart erlitten im Frühjahr 1943 dasselbe Schicksal.

Die Mieter und ihre Kinder und Enkel, die Untermieterin und ihre Nachmieter waren längst umgekommen, da stritten sich die Hausverwaltung und der Oberfinanzpräsident noch immer um die Kostenübernahme für die Renovierung der Wohnung.


Biografische Zusammenstellung

Dietlinde Peters

Weitere Quellen

Adressbuch Bochum
http://www.juedische-gemeinden.de
Museum Neukölln