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Georg Sally Gross

Stolperstein Georg Gross © OTFW
VERLEGEORT
Torstr. 223

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Mitte
VERLEGEDATUM
August 2010

GEBOREN
01.07.1888 in Berlin
BERUF
Zahntechniker
FLUCHT IN DEN TOD
03.03.1944 in Berlin

Georg Sally Gross wurde am 1. Juli 1888 in Berlin geboren. Er wohnte und arbeitete als Zahntechniker in der Elsässer Straße 38 (heute Torstraße 223). Dort führte seine Frau Flora (geb. Bachrach) ein Dental-Depot, das zahnmedizinischen Bedarf vertrieb. Die 1895 von ihrem Vater Rudolf Bachrach gegründete Firma war seit 1919 eine offene Handelsgesellschaft. Ab Mai 1919 war Georg Gross neben seiner Frau und deren Stiefmutter Emma Bachrach (geb. Nelson) Gesellschafter des Unternehmens, trat aber im September 1925 wieder von diesem Posten zurück.
Mit seiner Frau und seiner Schwiegermutter bewohnte Georg Gross einen Teil der 5½-Zimmer-Wohnung, in der sich auch die Büro-, Ausstellungs- und Lagerräume des Depots befanden. Eigene Kinder hatten Georg und Flora Gross nicht, aber sie hatten ein enges Verhältnis zu den Nachbarskindern Harry und Charlotte Arpadi. Harry Arpadi erinnerte sich später daran, wie Georg Gross ihn und seine Schwester oft auf einem automatischen Zahnarztstuhl auf und ab gefahren hat. Die ebenfalls jüdische Familie Arpadi, die ein ungarisches Restaurant in der Friedrichstraße betrieb, konnte 1939 über Riga in die USA fliehen.
Nachdem die Geschäfte bereits in den Vorjahren aufgrund der antisemitischen Bestimmungen und Boykotte immer schlechter gelaufen waren, musste das Dental-Depot im Mai 1940 endgültig schließen. Um der drohenden Deportation zu entgehen, tauchte Georg Gross mit seiner Frau 1941 unter und lebte die folgenden Jahre versteckt in Berlin. Seine 82-jährige Schwiegermutter Emma Bachrach wurde am 4. November 1942 nach Theresienstadt deportiert. Sie starb dort am 11. Januar 1943.
Im Frühjahr 1944 wurden Georg und Flora Gross von der Gestapo entdeckt und verhaftet. Auf dem Weg zum Sammellager in der Schulstraße nahmen sie sich mit Schlaftabletten das Leben. Georg Gross verstarb noch während des Transports. Unterlagen des Jüdischen Friedhofs zufolge war es der 2. März 1944, andere Quellen geben den 3. März als Todestag an. Seine Frau Flora starb kurz darauf im Jüdischen Krankenhaus in der Iranischen Straße.


Biografische Zusammenstellung

Julia Chaker

Weitere Quellen

Georg und Flora Gross, in: Anna Fischer (Hg.): Erzwungener Freitod. Spuren und Zeugnisse in den Freitod getriebener Juden der Jahre 1938–1945 in Berlin, Berlin 2007, S. 43;
Mitte Museum. Regionalgeschichtliches Museum für Mitte, Tiergarten, Wedding in Berlin;
Tracing the Past e. V.: https://mappingthelives.org.