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Moritz Silberblatt

Moritz Silberblatt © OTFW
VERLEGEORT
Oranienstr. 120

BEZIRK/ORTSTEIL
Friedrichshain-Kreuzberg – Kreuzberg

GEBOREN
06.03.1864 in Białystok (Russisches Reich)
DEPORTATION
am 10.08.1942 nach Theresienstadt
ERMORDET
16.02.1943 in Theresienstadt

Moritz Mendel Silberblatt wurde am 6. März 1864 in Białystok (damals: Russisches Reich, heute: Polen) geboren. Als junger Mann zog er nach Berlin und lernte dort Rosa Schereck, seine spätere Ehefrau, kennen. Aus der Ehe gingen drei Töchter hervor: Betty, Anna und Elly. Die fünfköpfige Familie wohnte seit den 1890er Jahren in der Oranienstraße 120 im Bezirk Kreuzberg.

1914 gründete Moritz Silberblatt in der Alexandrinenstraße 95/96 – unweit der Oranienstraße – eine Knopffabrik. Hier waren auf zwei Etagen etwa 100 Arbeiter beschäftigt. Das Großhandelsunternehmen, das die Berliner Konfektionsbranche belieferte, war auf Perlmuttknöpfe und Schnallen nach Pariser Vorbild spezialisiert. Als Moritz Silberblatts Töchter heirateten, machte der Knopffabrikant seine Schwiegersöhne Siegbert Bruck, Adolf Bukofzer und Karl Weill zu Mitinhabern. Bis April 1939 hatte Moritz Silberblatts Unternehmen trotz der zunehmenden Verfolgung durch die Nationalsozialisten Bestand. Dann wurde auch dieser Betrieb Opfer der rassistischen „Arisierungspolitik“.

Moritz Silberblatts Enkeltochter Ruth, deren Eltern Betty und Siegbert Bruck bereits 1929 und 1933 verstorben waren, konnte 1936 emigrieren. Tochter Elly und ihrem Mann Karl Weill gelang ebenfalls die Flucht aus Deutschland. Der seit 1930 verwitwete Moritz Silberblatt sowie seine Tochter Anna Bukofzer und ihr Ehemann Adolf blieben in Berlin. Die in einer Anstalt untergebrachte, geistig behinderte Tochter des Ehepaars Bukofzer, Alice, wurde im Zuge der nationalsozialistischen Euthanasie-Politik vermutlich 1940 in Polen ermordet.

Am 10. August 1942 wurde Moritz Silberblatt mit dem 40. Alterstransport nach Theresienstadt deportiert, wo er am 16. Februar 1943 – kurz vor seinem 79. Geburtstag – starb. Vermutlich erlag er den katastrophalen Lebensbedingungen im Lager. Das Ehepaar Bukofzer überlebte den Holocaust ebenfalls nicht.


Biografische Zusammenstellung

Text basiert auf den Recherchen im Rahmen der Ausstellung „Juden in Kreuzberg“ (1991) am Kreuzberg Museum; Autorin: Lorraine Bluche