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Greta Steinmesser (geb. Nestel)

Stolperstein für Greta Steinmesser © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
VERLEGEORT
Lausitzer Straße 31

BEZIRK/ORTSTEIL
Friedrichshain-Kreuzberg – Kreuzberg
VERLEGEDATUM
16.05.2006

GEBOREN
12.02.1899 in Berlin
DEPORTATION
am 17.05.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Greta Nestel wurde am 12. Februar 1899 in Berlin geboren. Über ihr Elternhaus, ihre Kindheit und Jugend in Berlin haben sich keine Zeugnisse erhalten. In den frühen 1920er Jahren heiratete sie den Kaufmann Max Steinmesser. Dieser war 1888 im österreichischen Brody (Galizien) geboren und zog möglicherweise nach dem Ersten Weltkrieg nach Berlin, als seine Geburtsstadt 1919 nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages polnisch wurde. Greta und Max Steinmesser hatten drei Kinder. Im Sommer 1923 kam in Berlin ihr erstes Kind, Thea Steinmesser, zur Welt. Die Söhne Ludwig und Joachim folgten 1926 und 1932.
Das Einkommen bezog die Familie hauptsächlich aus dem Mitte der 1920er Jahre eröffneten Geschäft für Strumpfwaren und Trikotagen in der Dragonerstraße 24, der heutigen Max-Beer-Straße, nahe des Rosa-Luxemburg-Platzes in Berlin-Mitte. 1928 zogen Max und Greta mit ihren beiden Kindern in eine Wohnung in der Zietenstraße 38 in Neukölln, wohin sie auch ihr Geschäft verlegten.
Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden oder Geltungsjuden galten – begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen die Familie Steinmesser. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus Ausbildung, Berufs- und Wirtschaftsleben. Kurz nach der Geburt von Joachim verstarb Max Steinmesser entweder im Winter 1933 oder im Frühjahr 1934. Greta Steinmesser führte das Geschäft für Weißwaren in der Zietenstraße bis 1934/35 als Inhaberin weiter, bevor sie es aufgeben musste.
In den folgenden Jahren verlieren sich die Spuren der Familie in Berlin. Erst in den frühen 1940er Jahren lassen sich wieder verlässliche Aussagen machen. Greta Steinmesser lebte jetzt mit ihrem jüngsten Sohn Joachim in der Lausitzer Straße 31 in Kreuzberg. Thea und Ludwig teilten sich seit Oktober 1942 eine Zweizimmerwohnung in der Lausitzer Straße 36. Bereits seit Oktober 1941 mussten Greta und ihre Kinder Thea und Ludwig Steinmesser Zwangsarbeit bei der Firma „Charlottenburger Motoren- und Gerätebau KG H. W. Paul“ in der Potsdamer Straße 98 leisten. Das Rüstungsunternehmen war Zulieferer von Kriegsmaterial an die Luftwaffe.
Im Frühjahr 1943 wurde die Familie gewaltsam auseinandergerissen. Die 19-jährige Thea und der 16-jährige Ludwig Steinmesser wurden am 27. Februar 1943 im Rahmen der Fabrikaktion in Berlin verhaftet, am 1. März mit dem 31. Osttransport in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort vermutlich unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet. Greta Steinmesser wurde zwei Monate später, am 17. Mai 1943, ebenfalls nach Auschwitz deportiert und in Auschwitz-Birkenau ermordet. Sie wurde 44 Jahre alt. Ihr elfjähriger Sohn Joachim Steinmesser wurde am 10. September 1943 mit dem Transport „I/101“ aus Berlin in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Nach knapp einem Jahr im Ghetto wurde auch er am 15. Mai 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.


Biografische Zusammenstellung

Indra Hemmerling