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Dr. Felix Bobek

Fotografie von Felix Bobek. Fotorechte: GDW.
Stolperstein für Felix Bobek. Foto: OTFW.
VERLEGEORT
Wilhelmstr. 22/23

BEZIRK/ORTSTEIL
Friedrichshain-Kreuzberg – Kreuzberg
VERLEGEDATUM
27.03.2010

GEBOREN
21.08.1898 in Prag / Praha
BERUF
Chemiker
HINGERICHTET
22.01.1938 in Berlin-Plötzensee

Dr. Felix Bobek kam am 21. August 1898 in Prag (damals in Österreich-Ungarn gelegen, heute Hauptstadt der Tschechischen Republik) zur Welt. Sein Vater, Karl Bobek, war Universitätsprofessor für Mathematik, seine Mutter Marta Bobek, geb. Rosenfeld, Lehrerin. Als Felix Bobek knapp 1 ½ Jahre alt war, starb sein Vater. Marta Bobek sorgte fortan alleine für ihren Sohn und seine ein Jahr ältere Schwester Olga. Seine Kindheit und Jugend verbrachte Felix Bobek erst in Nürnberg, wo seine Großeltern mütterlicherseits lebten, und dann im österreichischen Graz.

Nach dem Abitur, das Felix Bobek im Sommer 1916 absolvierte, nahm er in Graz das Studium der Chemie und der Physik auf. 1917 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs setzte er sein Studium zunächst in München und ab Herbst 1920 in Berlin fort. Seine Dissertation verfasste er von 1921 bis 1924 am Berliner Kaiser-Wilhelm-Institut für Physik. In seiner Freizeit betätigte er sich in der Naturfreundebewegung, fotografierte, malte und modellierte gerne. Seit dem 1. Januar 1925 war Dr. Felix Bobek als Physikochemiker bei der Firma Osram beschäftigt. Im Juli 1926 heiratete er Gertrud Denner, die kurze Zeit später in Geographie promovierte. Das Ehepaar hatte zwei Töchter: Anna und Eva. Die vierköpfige Familie wohnte in der Wilhelmstraße 23.

1933 wurde Dr. Felix Bobek wegen seiner jüdischen Herkunft bei Osram entlassen. Im Sommer 1934 arbeitete er etwa drei Monate lang für den Luma-Konzern in Stockholm in Schweden. Seine Hoffnung auf eine Festanstellung zerschlug sich allerdings, und er kehrte ins nationalsozialistische Deutschland zurück.

Seit 1932 arbeiteten Dr. Felix Bobek und seine Ehefrau für die Abteilung „Betriebsberichterstattung“ (BB) des Geheimapparates der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Der BB-Apparat beschaffte unter anderem Informationen über Produktionsgeheimnisse der deutschen Rüstungsindustrie und stellte diese der Sowjetunion zur Verfügung. Die hauptsächliche Aufgabe von Dr. Felix Bobek war es, eingehende Berichte zu fotografieren und die Bilder mittels eigens von ihm entwickelter, innovativer Verfahren zu verkleinern und zu vervielfältigen.

Am 15. Mai 1935 wurde Dr. Felix Bobek von der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) verhaftet. Am 4. Oktober desselben Jahres gelang ihm die Flucht aus der Untersuchungshaft. Gut zwei Wochen später wurde er erneut festgenommen. Zu diesem Zeitpunkt war seiner Ehefrau Gertrud Bobek und seinen beiden Töchtern bereits die Emigration in die Sowjetunion gelungen. So entkamen sie der nationalsozialistischen Verfolgung.

Am 10. März 1937 verurteilte der „Volksgerichtshof“ Dr. Felix Bobek wegen „Vorbereitung zum Hochverrat in Tateinheit mit Verrat militärischer Geheimnisse“ zum Tode. In den 10 Monaten, die ihm bis zu seiner Hinrichtung verblieben, verfasste er in seiner Zelle eine wissenschaftliche Abhandlung zur Dialektik in der Physik. Dr. Felix Bobek wurde am 22. Januar 1938 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.


Biografische Zusammenstellung

Lorraine Bluche