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Lisbeth Altmann (geb. Graupe)

Foto: Initiative Stolpersteine Charlottenburg-Wilmersdorf
VERLEGEORT
Wielandstr. 17

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
01.07.2010

GEBOREN
20.03.1871 in Berlin
DEPORTATION
am 14.09.1942 nach Theresienstadt
WEITERE DEPORTATION
am 29.09.1942 nach Treblinka
ERMORDET
in Treblinka

Über Lisbeth Altmann ist äußerst wenig bekannt. Sie wurde als Lisbeth oder Elisabeth Graupe am 20. März 1871 in Berlin geboren. Ihr Vater war wohl einer der sechs Kaufleute, die das Berliner Adressbuch für dieses Jahr unter dem Namen Graupe führt. Mehr über ihre Familie und die Umstände ihrer Jugendzeit können wir nicht vermuten. Auch nicht wann sie heiratete und wer genau Herr Altmann war. Das Jüdische Adressbuch von 1931 zählt über 90 „Altmann“ auf.

Dokumentiert ist lediglich, dass Lisbeth Altmann mindestens ab 1939, dem Zeitpunkt der Volkszählung, bei der in einer Sonderkartei alle Juden erfasst wurden, in der Wielandstraße 17 wohnte. Wahrscheinlich damals schon, spätestens aber 1942 wohnte sie zur Untermiete bei Walter Blumenthal in einem karg eingerichteten Zimmer. Vielleicht war sie ursprünglich komfortabler eingerichtet, aber die Nationalsozialisten drängten Juden dazu, enger zusammenzuziehen um Wohnraum für Nichtjuden frei zu machen. Sie sollten Platz machen für die „arische“ Bevölkerung, die Ersatzwohnraum brauchte aufgrund der Fliegerangriffe aber auch in Folge von Generalbauinspektor Albert Speers Plänen für die „Welthauptstadt Germania“, denen ganze Straßenzüge zum Opfer fielen.

Im August 1942 musste Frau Altmann mit ansehen, wie ihre Vermieter von der Gestapo abgeholt wurden. Keine vier Wochen später, am 2. September, wurde auch sie aufgefordert, eine „Vermögenserklärung“ auszufüllen, da sie zur „Umsiedlung“ nach Theresienstadt vorgesehen sei. Dass sie diese recht unvollständig ausfüllte, schien nicht mehr so wichtig zu sein. Sie machte keine Angaben über Verwandte, lediglich, dass sie Witwe sei, keine über ihr Vermögen, das vermutlich nicht mehr vorhanden war. Ihre habe war schnell aufgezählt: 1 kleiner Schrank, 2 Stühle, 1 Couch, 1 Bettvorleger, 1 Tisch klein, 1 Stehlampe, 1 Nähmaschine, keine Angaben zu Wäsche und Kleidung. Der Gerichtsvollzieher schätzte das Inventar auf 110.- RM (wobei die Nähmaschine zum Zeitpunkt der Schätzung schon „verschwunden“ war), ein Berliner Trödler kaufte alles für 77.- RM, die der Staatskasse „zuflossen“. Am 18. November wurde die Wohnung geräumt. Zu diesem Zeitpunkt lebte Lisbeth Altmann nicht mehr. Sie war am 7. September abgeholt und in die Gerlachstraße 18-21 in Mitte gebracht worden, ein zum Teil umfunktioniertes jüdisches Altersheim, dass vorübergehend als Sammellager dienen musste, weil beschlossen worden war, von August bis Oktober 1942 die Opfer nicht wie bis dahin in Gruppen von rund 50-100 Menschen nach Theresienstadt zu deportieren, sondern gleich in ganzen geschlossenen Sonderzügen mit etwa 1000 Deportierten, den sogenannten „großen Alterstransporten“. Für diese hohe Zahl reichte das bis dahin verwendete Sammellager in der Großen Hamburger Straße nicht aus.

Am 17. September 1942 wurde Lisbeth Altmann dann mit dem zweiten dieser Massentransporte nach Theresienstadt verschleppt. Es ist unwahrscheinlich, dass sie dort noch mal das Ehepaar Blumenthal traf, denn diese wurden am 19. September nach Treblinka weiter deportiert und ermordet. Ein Schicksal, das auch bald Lisbeth Altmann traf: am 29. September 1942 wurde auch sie nach Treblinka mit 2000 weiteren Menschen transportiert, von denen kein einziger überlebte, auch Lisbeth Altmann nicht.


Biografische Zusammenstellung

Stolpersteine-initiative Charlottenburg-Wilmersdorf

Weitere Quellen

Gedenkbuch. Bundesarchiv Koblenz, 2006; Gedenkbuch Berlin der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus 1995; Brandenburgisches Landeshauptarchiv, Akten der Oberfinanzdirektion; Gottwaldt/Schulle, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005