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Herbert Arnade

Foto: A. Bukschat & C. Flegel
VERLEGEORT
Uhlandstr. 114

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
VERLEGEDATUM
11.12.2006

GEBOREN
16.02.1908 in Görlitz (Schlesien)
DEPORTATION
am 16.06.1943 nach Theresienstadt
WEITERE DEPORTATION
am 29.09.1944 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Herbert Arnade wurde am 16. Februar 1908 in Görlitz geboren, seine Frau Katja Arnade am 22. Juni 1919 in Berlin. Ihr Sohn Uriel Arnade erblickte am 3. Mai 1943 in Berlin das Licht der Welt, die er nie zu sehen bekommen sollte. Uriel wurde mit nicht einmal eineinhalb Jahren grausam ermordet. Er wurde in Auschwitz ins offene Feuer geworfen.
Die Eltern von Herbert Arnade waren Paul Arnade (1874-1942) und seine Frau Margarete, geb. Pinoff (1886-1944). Der Großvater Julius Arnade (1844-1915) hatte 1872 die Görlitzer Kofferfabrik gegründet, die Paul weiterführte. Das Gebäude in Zgorzelc-Ujazd (früher Görlitz-Moys) ist noch vorhanden. Dort wurden Koffer, Gepäckstücke, Reise- und Schultaschen sowie Rucksäcke aus Leder hergestellt. Julius Arnade war Stadtverordneter und wurde zum Königlichen Kommerzienrat ernannt. In Görlitz ließ Julius Arnade 1916 eine Villa mit riesigem Park in der Holteistraße 7 bauen. Sie wurde 2015 zum Verkauf angeboten.
1936 war die Fabrik von den Nazis geschlossen worden, da der Besitzer Paul Arnade zur damals starken jüdischen Bevölkerung der Stadt gehörte. Er war ein angesehener Bürger und Vorsitzender des Görlitzer Verkehrsvereins.
Herbert Arnade war evangelisch getauft. Nach seinem Studium arbeitete er als Diplom-Ingenieur bei Siemens & Halske in Berlin. Er wohnte in Wilmersdorf in der Uhlandstraße 114/115 und befreundete sich mit seinem Kollegen Willy Schülke (1905-1987), der in Prenzlauer Berg wohnte und wie er Hobby-Astrologe war. Beide fertigten Horoskope an.
Während Arnades Bruder Hans Peter nach Johannesburg (Südafrika) flüchtete, blieb Herbert in Deutschland, obwohl ihn sein Freund Willy bedrängte, er solle in Ausland gehen. Doch schon am Arbeitsplatz wurde er gedemütigt, indem er Anfang der 1940er Jahre zur Hilfskraft herabgestuft und in eine Werkstatt abkommandiert wurde. Diese und andere Verfolgungen ertrug er, weil er dachte, er würde gebraucht und ihm könne nichts passieren.
Sechs Wochen nach der Geburt ihres Sohnes, den sie Uriel (hebräisch: „Licht Gottes“) nannten, sind Herbert Arnade, seine jüdische Frau Katja und das Kleinkind am 16. Juni 1943 in einem mit 429 Menschen besetzten Zug nach Theresienstadt in Böhmen deportiert worden. Kurz vorher hatte er Willy Schülke drei Bücher geschenkt und bemerkt, er würde sie sich „nach der Rückkehr“ wieder holen.
Auf der Deportationsliste war Herbert Arnade als „Geltungsjude“ eingetragen. Weil er mit einer Jüdin verheiratet war, ordnete ihn die Geheime Staatspolizei in diese Kategorie ein. Im Ghetto Theresienstadt wurde die junge Familie getrennt. Er las Mithäftlingen aus einer Bibel vor und sang mit ihnen Kirchenlieder, wurde berichtet. Am 29. September 1944 wurde Herbert Arnade mit 1489 Insassen nach Auschwitz weiterdeportiert. Katja und Uriel mussten am 12. Oktober 1944 mit 1499 Menschen nach Auschwitz. Dort sind sie wie fast alle ermordet worden.
Zum Gedenken an die Eltern Paul und Margarete Arnade sind 2014 in Görlitz an der Jakobstraße 31 zwei Stolpersteine verlegt worden. Paul Arnade war in Theresienstadt umgekommen. Seine Frau wurde in Auschwitz ermordet.
Klaus Schülke, der Sohn von Willy Schülke, den „Onkel Herbert“ als Sechsjährigen kannte, hat die drei Bücher und ein Notizbuch, das Arnade bei seinem Vater ließ, dem Jüdischen Museum gestiftet.


Biografische Zusammenstellung

Helmut Lölhöffel aufgrund von Berichten von Klaus Schülke (Berlin) und mit Archivmaterial aus Görlitz