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Ursula Margot Beer

Foto: KHMM
VERLEGEORT
Landhausstr. 44

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
VERLEGEDATUM
17.07.2007

GEBOREN
07.12.1922 in Berlin
ZWANGSARBEIT
bei
Siemens & Halske
DEPORTATION
am 26.02.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Ursula Margot Beer kam am 7. Dezember 1922 als einziges Kind des Kaufmanns Alfred Beer und seiner Ehefrau Julia geb. Böhm in Berlin auf die Welt. Ihre seit 1914 verheirateten Eltern waren gleich nach der Hochzeit in eine 4-Zimmer-Wohnung im Parterre des Hauses Landhausstraße 44 in Berlin-Wilmersdorf gezogen: In dieser Wohnung sollte Ursula Beer die kommenden 20 Jahre – ihr ganzes Leben – verbringen.
Der 1878 geborene Vater war der Sohn eines aus Böhmen (damals Teil der Habsburger Monarchie) stammenden Arztes und einer fünf Jahre jüngeren Berlinerin. Die Mutter war 1885 in einer Kaufmannsfamilie zur Welt gekommen. Die in Berlin geborenen Eltern waren beide während ihrer Kindheit aus der eher armen und kleinbürgerlichen „Mitte“ der Stadt in den bürgerlichen „Westen“ gezogen. Ihr Vater arbeitete bis in die NS-Diktatur hinein als Kaufmann, die Mutter war Hausfrau.
Über die Kindheit und Jugend von Ursula Beer fand sich nichts in den vorhandenen Akten. Wichtig ist, dass sie noch in der durch soziale und pädagogische Reformen geprägten Weimarer Republik aufwuchs, in der das Leben der Kinder und Jugendlichen selbstbestimmter wurde. Von 1933 an wurde die Familie Beer von den vielen Maßnahmen der Behörden zur Ausgrenzung und Verfolgung der jüdischen Bürgerinnen und Bürger getroffen. Worunter litten Kinder und Jugendliche ganz besonders? Wie sah die Schulzeit der Tochter aus? Besuchte sie eine der jüdischen Privatschulen?
Ende 1938 war es für Ursula Beer als jüdisches Mädchen verboten, ins Theater und ins Kino, in Museen oder auf die Kirmes zu gehen, öffentliche und private Badeanstalten, Sportplätze, Eisbahnen usw. zu besuchen. Wenige Monate später waren ihr auch die städtischen Jugendbüchereien verschlossen, und kurz nach Beginn des Krieges mussten auch noch die Rundfunkapparate abgeliefert werden. Und ihr Ausschluss aus der „Volksgemeinschaft“ war für jedermann sichtbar: Seit 1936 war die Mitgliedschaft im „Bund Deutscher Mädel“ (BDM) Pflicht. Das hieß: Neben dem Elternhaus und der Schule fand die gemeinsame Freizeit aller deutschen Mädchen im BDM statt – und dies immer in Uniform. Jüdinnen waren seit 1939 offiziell ausgeschlossen.
In der Wohnung in der Landhausstraße 44 wurde es nach einiger Zeit eng: Die Eltern mussten Untermieterinnen aufnehmen. Wie ihr Vater wurde Ursula Beer zur Zwangsarbeit eingesetzt, sobald sie 18 Jahre waren, mussten die jüdischen Frauen Zwangsarbeit leisten. Ursula Beer arbeitete bei Siemens & Halske. Bei Siemens gab es bereits seit dem Sommer 1940 geschlossene „jüdische Abteilungen“, wo die Frauen (und Männer) isoliert von den „arischen“ Kolleginnen beschäftigt wurden. Auf dem Weg in die Fabrik mussten sie seit 1941 den „Gelben Stern“ tragen.
Mitte Februar 1943 wurden Ursula Beer und ihre Eltern in das Sammellager in der Großen Hamburger Straße geschafft. Ihre Vermögenserklärung füllte Ursula Beer am 18. Februar 1943 nur flüchtig mit Bleistift aus. Einen Tag später wurden ihre Eltern nach Auschwitz deportiert. Ursula Beer blieb noch eine Woche in Berlin: Am 26. Februar 1943 wurde sie ebenfalls nach Auschwitz verschleppt. Dies war einen Tag vor Beginn der „Fabrikaktion“, mit der am Morgen des 27. Februar 1943 die noch in den Berliner Betrieben beschäftigten jüdischen Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter am Arbeitsplatz zusammengetrieben und abtransportiert wurden.
An diesem 27. Februar erreichte der Transport mit Ursula Beer und fast 1000 anderen Menschen Auschwitz. 106 Frauen kamen zur Zwangsarbeit in das Lager. Falls sie zu ihnen gehört hat, war dies nur ein Aufschub. Die Familie Beer wurde in Auschwitz ermordet. – In die Wohnung in der Landshuter Straße wurde eine ausgebombte Familie mit drei Kindern eingewiesen.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters, Vorrecherchen: Nachlass von Wolfgang Knoll

Weitere Quellen

Berliner Telefonbücher;
Deutscher Reichsanzeiger 1881, 1886, 1887;
Wolf Gruner: Judenverfolgung in Berlin 1933–1945, Eine Chronologie der Behördenmaßnahmen in der Reichshauptstadt, Berlin 1996;
HU Datenbank jüdischer Gewerbebetriebe in Berlin 1930-1945;
https://www.geni.com/people/;
https://www.juedische-gemeinden.de;
https://www.mappingthelives.org/;
https://www.statistik-des-holocaust...
https://www.lr-online.de / lausitz /cottbus/geschichte-die-schleichende-demontage-eines-anwalts-38138304.html;
https://www.luckauer-juden-de/nvz1....
https://collections.arolsen-archive....