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Emma Friedländer (geb. Aronade)

Foto: Initiative Stolpersteine Charlottenburg-Wilmersdorf
VERLEGEORT
Güntzelstr. 49

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
VERLEGEDATUM
20.03.2007

GEBOREN
18.05.1872 in Rybnik (Schlesien)
DEPORTATION
am 15.08.1942 nach Riga
ERMORDET
18.08.1942 in Riga

Emma Aronade kam am 18. Mai 1872 in Rybnik/Oberschlesien (heute in Polen) als Tochter des 1823 geborenen Kaufmanns Jonas Aronade und seiner elf Jahre jüngeren Ehefrau Dorothea, geb. Rahmer, zur Welt. Die Kreisstadt im oberschlesischen Bergbaurevier gehörte erst seit einem Jahr zum Deutschen Kaiserreich. Die Bewohner des Landkreises waren in der großen Mehrzahl katholisch. In der Stadt Rybnik selbst gab es eine größere jüdische Gemeinde, darunter viele Kaufleute. Der Vater von Emma Aronade besaß einen Großhandel für Kolonialwaren, Getreide und Glas.
Emma Aronade war das jüngste von sieben Geschwistern, vier Jungen und drei Mädchen. Die Brüder Adolf und Alfred besaßen später in Rybnik am Ring (dem Marktplatz) Geschäfte für Kolonialwaren und Glas-, Porzellan- und Luxuswaren. Die Schwestern heirateten: Regina (Jg. 1867, verh. Jacobowitz) wurde 1943 in Auschwitz ermordet, Maria (Jg. 1860, verh. Altmann) konnte nach Südamerika entkommen. Von den vier Brüdern konnte der Bruder Hugo (1869–1943) ebenfalls nach Südamerika emigrieren, während der Bruder Adolf (1871–1942) in Theresienstadt umgekommen ist.
Emma Aronade heiratete in Rydnik Hermann Friedländer, 1868 geboren in einem Dorf im Kreis Rybnik. Er war – wie schon sein Vater – Destillateur und Inhaber einer Likörfabrik und Weinhandlung.
Das Ehepaar zog nach Berlin. 1898 taucht Hermann Friedländer das erste Mal im Berliner Adressbuch auf: In der Prenzlauer Straße 25 in der Nähe des Alexanderplatzes befand sich seine „Liqueurfabrik“. 1900 wurde die Tochter Käthe geboren, 1902 der Sohn Walter. Während dieser Zeit wohnte die Familie in der Nr. 36, einem Neubau auf der anderen Straßenseite. Seit 1902 war Emma Friedländers Ehemann der Eigentümer des Hauses Nr. 25. Fabrik und Wohnung waren nun in einem Gebäude, später sollte noch eine Weinhandlung dazukommen.
Zum Ende des Revolutionswinters 1918/1919 änderte sich das Leben von Emma Friedländer auf furchtbare Weise. Am 6. März 1919 kamen Ehemann und Sohn bei den schweren Kämpfen am Alexanderplatz ums Leben. Es soll ein „Unglücksfall“ gewesen sein. Sohn Walter, inzwischen Kaufmannslehrling, wurde auf dem Alexanderplatz erschossen, Hermann Friedländer starb an seinen Verletzungen in einem Lazarett in der Brauerei Königstadt. Die Todesanzeige findet sich am 16. März 1919 im Berliner Tageblatt.
Emma Friedländer erbte das Haus in der Prenzlauer Straße und wohnte dort bis 1930, zuletzt als Mieterin. 1932 heiratete ihre Tochter Käthe. In den folgenden Jahren muss Emma Friedländer zur Untermiete gelebt haben oder, wahrscheinlicher, bei Verwandten.
Die Tochter Käthe und Schwiegersohn Walter Becker emigrierten während der NS-Diktatur nach Rio de Janeiro. Die 1910 geborene Nichte Doris, Tochter von Adolf Aronade, wurde in Berlin-Britz von Gerda Geyer und ihrer Schwester versteckt und konnte überleben.
Im Mai 1939 wohnte Emma Friedländer in der Güntzelstraße 49, im 1. Stock des linken Seitenflügels. Sie lebte von ihrer Rente, ihren Schmuck hatte sie abliefern müssen. Seit dem 1. September 1940 war sie schließlich Untermieterin bei Jenny Goldberg in der Pfalzburger Straße 73. Auch Jenny Goldberg wurde deportiert und ermordet.
Emma Friedländer wurde am 15. August 1942 mit dem „18. Osttransport“ vom Güterbahnhof Moabit nach Riga transportiert. Die ungefähr 1000 Insassen wurden gleich nach der Ankunft in den Wäldern um Riga erschossen. Nur eine einzige Frau, eine Krankenschwester, überlebte.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters, Vorrechechen: Wolfgang Knoll

Weitere Quellen

Deutsches Reichs-Adressbuch für Industrie, Gewerbe und Handel 1902/03;
Jüdisches Adressbuch für Gross-Berlin 1929/30, 1931;
Landesarchiv Berlin - Personenstandsunterlagen über ancestry;
szufladamalgosi.pl/tag/emma-aronade/;
https://www.geni.com/people/;
Berliner Tageblatt v. 16.3.1919.