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Dr. Maximilian Goldschmidt

Foto: KHMM
VERLEGEORT
Babelsberger Str. 51a

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
VERLEGEDATUM
24.08.2010

GEBOREN
26.12.1873 in Neugeldern [Kolberg]
DEPORTATION
am 03.10.1942 nach Theresienstadt
WEITERE DEPORTATION
am 28.10.1944 nach Auschwitz
ERMORDET
1944 in Auschwitz

Maximilian Goldschmidt wurde am 26. Dezember 1873 in Neugeldern (dem heutigen Radzikowo in Polen) bei Kolberg (Kołobrzeg) geboren. Er war der Sohn des Rabbiners Dr. Salomon Goldschmidt (1837–1927), der der Gemeinde Kolbergs zwischen 1865 und 1925 vorstand, und dessen Ehefrau Regina, geborene Nathan. Über das Elternhaus, die Jugend und Kindheit von Maximilian Goldschmidt in der pommerschen Hafenstadt an der Ostsee, die im 19. und frühen 20. Jahrhundert eine wirtschaftliche Blüte durch ihren Bädertourismus erlebte, haben sich so gut wie keine Informationen erhalten. Es ist auch nicht bekannt, ob Maximilian im Kreis von Geschwistern aufwuchs – aber anzunehmen. Sein Vater, der während seiner Studienzeit das Jüdisch-Theologische Seminar Fraenckel’sche Stiftung in Breslau besucht hatte, war in der Stadt kulturell wie sozial sehr engagiert. Unter anderem war er Mitbegründer des Vereins jüdischer Lehrer in Pommern, des Deutschen Rabbinerverbandes und an der Entstehung des jüdischen Kurhospitals mit eigener Solquelle beteiligt, das sich am Ort die Aufnahme „armer kurbedürftiger Juden aus Deutschland“ zur Aufgabe gestellt hatte und sich als Projekt durch Spenden und Beitragszahlungen eines eigens gegründeten Vereins finanzierte.

Maximilian Goldschmidt, dessen Eltern dem Bildungsbürgertum angehörten, besuchte das Gymnasium. Nachdem er die Schule Anfang der 1890er-Jahre mit Abitur abgeschlossen hatte, begann er ein Studium der Medizin in Berlin. 1897 promovierte er mit einer Arbeit zur „Kleidung des Kranken und ihre Bedeutung in der Krankenpflege“ und erhielt 1898 die Approbation als Allgemeinmediziner. Er war Mitglied der Berliner Medizinischen Gesellschaft. Im Gedenkbuch von Rebecca Schwoch zu Berliner jüdischen Kassenärzten (Schwoch 2009) findet sich die Angabe, dass Maximilian Goldschmidt zu einem nicht näher bestimmten Zeitpunkt Leiter des Röntgeninstituts der Örtlichen Krankenkasse des Buchdruckgewerbes Berlin war. 1901 eröffnete er eine Praxis in der Brüderstraße 16–18 in Mitte, im darauffolgenden Jahr verlegte er die Praxis in die Raumerstraße 48 im Prenzlauer Berg und 1903 in die Oranienstraße in Kreuzberg. Am 23. März 1909 heiratete Maximilian Goldschmidt die zwölf Jahre jüngere, aus Seeburg (Jeziorany) stammende Elsa Podzubski. Sie war die Tochter des Kaufmanns Jacob Podzubski und seiner Ehefrau Rosa, geborene Heymann. Das Paar zog 1910 in eine Wohnung in der Oranienstraße 190 und ab 1917 in die Oranienstraße 185, wo Maximilian Goldschmidt mit seiner Ehefrau bis 1929 wohnte und praktizierte. Die Goldschmidts bekamen in dieser Zeit einen Sohn, dessen Name und Schicksal bislang ungeklärt blieb. 1929 zogen die Goldschmidts in die Eisenacher Straße 6 in Mariendorf und 1933 nach Wilmersdorf in die Babelsberger Straße 51a.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen Maximilian Goldschmidt und seine Familie. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Abgesehen von Boykottmaßnahmen, behördlichen Schikanen und Verhaftungsaktionen wurde die Schlinge für jüdische Ärzte durch eine Flut von Verordnungen und Gesetzen schrittweise enger gezogen: So wurde mit insgesamt sieben Verordnungen von 1933 bis 1937 „nichtarischen“ Ärzten nach und nach die Kassenzulassung entzogen; mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 waren sie vom öffentlichen Gesundheitswesen ausgeschlossen, mit der Verordnung vom 20. November 1933 durften sie keine ärztlichen Fortbildungskurse mehr besuchen und wurden vom ärztlichen Bereitschaftsdienst ausgeschlossen; ab dem Jahr 1936 durften sie nicht mehr mit „deutschstämmigen“ Ärzten zusammenarbeiten. Am 30. September 1938 wurde Maximilian Goldschmidt wie allen jüdischen Ärzten und Ärztinnen mit der „Vierten Verordnung zum Reichsbürgergesetz“ die Approbation entzogen und er musste seine Praxis schließen. In Berlin wurde das Leben für das Ehepaar Ende der 1930er-Jahre und Anfang der 1940er-Jahre zum Existenzkampf. Um nur eine der vielen einschneidenden Maßnahmen zu nennen, konnten sie sich mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“ nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen. Anfang der 1940er-Jahre lebten die Goldschmidts zur Untermiete in einer Wohnung in der Motzstraße 87 und zuletzt in der Motzstraße 85.

Der Entrechtung folgte die Deportation: Am 1. Oktober 1941 hatte die Gestapo der Jüdischen Gemeinde Berlin mitgeteilt, dass die „Umsiedlung“ der Berliner Juden beginnen würde. Die Goldschmidts erhielten den Deportationsbescheid im Spätsommer 1942. Das Ehepaar Goldschmidt wurde am 3. Oktober 1942 mit dem „3. großen Alterstransport“ über das Sammellager Gerlachstraße – ein von der Gestapo zweckentfremdetes jüdisches Altersheim – zunächst in das Ghetto Theresienstadt und am 28. Oktober 1944 weiter in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo beide ermordet wurden. Dr. Maximilian Goldschmidt war zu diesem Zeitpunkt 70 Jahre alt.


Biografische Zusammenstellung

Indra Hemmerling

Weitere Quellen

Eintrag zu Dr. Salomon Goldschmidt im Biographischem Portal der Rabbiner (BHR). Online unter: http://steinheim-institut.de:50580/... (aufgerufen am 22. Oktober 2019)
Opferdatenbank Yad Vashem. Central DB of Shoah Victims’ Names. Online unter: http://yvng.yadvashem.org/ (aufgerufen am 22. Oktober 2019). Erinnerungsseite (Page of Testimony) zu Dr. Maximilian Goldschmidt (erstellt von seinem Enkel Paulo Goldschmidt). Erinnerungsseite (Page of Testimony) zu Elza Goldschmidt (erstellt von ihrem Enkel Paulo Goldschmidt)
Holocaust Survivors and Victims Database. Online Database of the United States Holocaust Memorial Museum. Online unter: https://www.ushmm.org/online/hsv/pe... (aufgerufen am 30. Juli 2019)
Eheanzeige Maximilian Goldschmidt und Elsa Podzubski (Nr. 149, Berlin am 23. März 1909). Eheregister der Stadt Berlin. Faksimile online unter: ancestry.com (aufgerufen am 15. Oktober 2019)
Deportationslisten. Reproduktion im National Archives and Records Administration, USA, Signatur A3355: Maximilian Goldschmidt („3. gr. Alterstransport“, Lfd-Nr. 27); Elsa Goldschmidt, geb. Podzubski („3. gr. Alterstransport“, Lfd-Nr. 28). Online unter: statistik-des-holocaust.de (aufgerufen am 22. Oktober 2019)
Eintrag zu Maximilian Goldschmidt, in: Schwoch, Rebecca (Hrsg.): Berliner jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus. Ein Gedenkbuch, Potsdam 2009, S. 285