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Margarete Jacob (geb. Rechnitz)

Stolperstein für Margarete Jacob © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
VERLEGEORT
Essener Straße 20

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Moabit
VERLEGEDATUM
Mai 2004

GEBOREN
28.09.1887 in Halle/Saale
DEPORTATION
am 01.03.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Margarete Jacob wurde am 28. September 1887 in Halle an der Saale als Margarete Rechnitz geboren. Margarete war verheiratet mit Moritz Jacob. Moritz wurde in Gostyczyn in Posen geboren. Mit seiner Frau Margarete hatte er zwei Töchter, Lizzi und Rita Jacob. Margarete, die Grete gerufen wurde, hatte keinen Beruf gelernt. Ihr Mann Moritz hatte zusammen mit seinem Bruder ein Schuhgeschäft in Halle. Moritz diente im ersten Weltkrieg, aus dem er mit schweren Verletzungen heimkehrte.

Rita Jacob wurde in Halle geboren. Sie wurde Sekretärin, während ihre Schwester, die am 13.06.1913 geboren wurde, ähnlich wie ihre Mutter, künstlerisch veranlagt war und Modeentwürfe machte. Die Familie zog nach Berlin um. Lizzi erlernte ihren Beruf als Modistin in Berlin im Modehaus Goetz am Kurfürstendamm.

Am 03.03.1935 wurde sie die Frau von Kurt Adler. Das Paar heiratete in der Synagoge Levetzowstraße und lebte bis 1937 mit der Familie Jacob in der Essener Straße 20, bis sie dann in die Königsberger Straße 22 umzogen und dort gemeinsam mit der Mutter von Kurt Adler lebten. 1939 emigrierten sie nach Shanghai. Dort wurde 1940 ihre Tochter Yvonne gebo­ren. Moritz und Margarete Jacob wohnten nun gemeinsam mit Rita, deren Mann Leo, geboren in Labischin in Posen und ihrer Tochter Daisy in einer Wohnung in der Essener Straße 20.

Die Familie hatte die Einreise nach England beantragt und hoffte diese bald antreten zu können, zu­mal die Eltern von Leo bereits dort waren. So lehnten sie auch ab, gemeinsam mit Lizzi und Kurt nach Shanghai zu gehen. Lizzi hätte ihre Nichte Daisy gerne mit nach Shanghai genom­men, Rita konnte sich aber nicht von ihrer kleinen Tochter trennen. Zur Einreise nach England kam es nicht, da ihnen nach Kriegsbeginn 1939 die Erlaubnis dazu nicht mehr erteilt wurde.

Aus der Essener Straße 20 musste die Familie in das Judenhaus in Alt Moabit 82 b Gar­tenhaus II in eine 1-Zimmer-Wohnung zwangsumsiedeln. Aus Briefen Rita Kleins an ihre Cousine in Zürich ist bekannt, dass Grete Jacob in einer Rüstungsfabrik Zwangsarbeit leisten musste. Von einer Nachtschicht kam sie nicht mehr zurück – das war der Tag der Fabrik-Aktion.

In Berlin wurden im Laufe der Fabrik-Aktion etwa 10.000 Menschen verhaftet, von denen anschließend ungefähr 7.000 in das Vernich­tungslager Auschwitz deportiert wurden. Unter ihnen war auch Margarete Jacob, die über das Sammellager Rathenower Straße mit dem sogenannten 31. Osttransport vom 01.03.1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wurde.

Moritz Jacob versorgte sein Enkelkind Daisy, da Rita und Leo wie zuvor schon Grete ebenfalls Zwangsarbeit leisten mussten. Dass Moritz nicht sofort nach Auschwitz, sondern zunächst in das „Ehrenlager Theresienstadt“ deportiert wurde, sollte eine so genannte „bevorzugte Behandlung“ darstellen, und zwar aufgrund seiner besonderen Verdienste für das Vaterland im Ersten Welt­krieg. Am 19.05.1943 wurde Moritz Jacob mit dem 89. Alterstransport nach Theresienstadt deportiert. Er starb im Ghetto offiziell an einem Herzinfarkt. Rita, Leo und Daisy wurden zweieinhalb Monate später am 04.08.1943 mit dem 95. Alterstransport in das Ghetto Theresienstadt deportiert.

Rita Klein war in Theresienstadt die Sekretärin des Rabbiners Dr. Leo Baeck war, der 1933 zum Präsidenten der Reichsvertretung der deutschen Juden berufen wurde und während des nationalsozialistischen Regimes geistiges Oberhaupt der deutschen Ju­den war. Rita, Leo und Daisy wurden am 16.10.1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert, was ihr Todesurteil war. Daisy war zu diesem Zeitpunkt fünf Jahre alt.


Biografische Zusammenstellung

Bürgerverein Luisenstadt e. V.