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Erna Jacobi

Stolperstein für Erna Jacobi Foto: KHMM
Stolperstein für Erna Jacobi. Foto: Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
VERLEGEORT
Savignyplatz 4

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
11.12.2007

GEBOREN
23.01.1891 in Berlin
FLUCHT IN DEN TOD
07.02.1941 in Berlin

Erna Jacobi kam am 23. Januar 1891 als jüngstes Kind des Kaufmanns Joseph Jacobi (1846–1903) und seiner Ehefrau Amalie Sophie Jacobi geb. Steindahl (1857–1926) auf die Welt. Der Vater stammte aus der Kleinstadt Schönlanke/Westpreußen (heute Trzcianka in Polen). Die Mutter war Berlinerin, ihre Familie lebte in der Gitschinerstraße im heutigen Kreuzberg. Joseph Jacobi war „Wäschefabrikant“, Spezialität: Kragen und Manschetten. Er lebte mit seiner Frau, die er 1882 geheiratet hatte, während der ersten Ehejahre in Berlin-Mitte und in der Schwedter Straße 268 in Prenzlauer Berg. (Das Haus in der Nähe des Teutoburger Platzes ist heute ein Berliner Baudenkmal.) Dort kamen auch die ersten Kinder auf die Welt, die jedoch kurz nach der Geburt starben. Am Leben blieben der 1886 geborene Sohn Kurt und die 1888 geborene Tochter Katharina (Käthe).
Erna Jacobi wurde schon in der Wallnertheaterstraße 7 geboren – eine Straße, in der viele Juden lebten, die gerade aus dem Osten nach Berlin gekommen waren. Der Vater hatte das Haus in Berlin-Mitte gekauft. Er muss ein erfolgreicher Geschäftsmann gewesen sein, denn bereits 1896/1897 zog die Familie weiter nach „Westen“: Joseph Jacobi kaufte in Charlottenburg, das noch eine Stadt bei Berlin war, das Mietshaus Savignyplatz 4. Die neu angelegte Grünanlage des Platzes lag vor der Tür, in den Bauten der Gründerzeit lebte wohlsituiertes Bürgertum. (Im Nachbarhaus Nr. 3/ Ecke Kantstraße öffnete 1898 „C. ADOLPH Eisenwaren“ – bis heute ein florierendes Geschäft.) – Erna Jacobi, beim Umzug noch ein Vorschulkind, sollte hier bis zu ihrem Tod leben.
Die Familie wohnte in einer 4-Zimmer-Wohnung im Hochparterre. Der Vater war nun Rentier, lebte mit Ehefrau und Kindern „standesgemäß“ vom Vermögen, der Bruder ging zum Gymnasium. Wie verbrachten Erna Jacobi und ihre Schwester Kindheit und Jugend? Wenn standesgemäß, dann nach der Töchterschule mit dem „Warten“ auf einen Ehemann. 1903 starb der Vater, die Mutter Sophie Jacobi erbte das Haus. 1926 starb die Mutter. Die Kinder erbten die Häuser in Charlottenburg und in Mitte. Erna Jacobis Bruder Kurt und die Schwester Käthe waren inzwischen verheiratet. Sie selbst war ledig geblieben.
Erna Jacobi verwaltete nun das Haus am Savignyplatz. Dies war die einzige „sichtbare“ Tätigkeit, die sich aus den Akten ergab. – Längst waren auch andere Frauenleben möglich: Grete Treitel (1878–1969), die Tochter der Mieterin Martha Treitel (1858–1942 Theresienstadt), die ebenfalls unverheiratet mit ihrer Mutter zusammenlebte, arbeitete als Geschäftsführerin einer Firma. Und im Nachbarhaus Nr. 3 war bereits vor dem Ersten Weltkrieg die Praxis der Ärztin Dr. Alice Profé (*1867), die anfangs noch in Zürich hatte studieren müssen.
1938 verkauften die Geschwister die Häuser. Vom Erlös erhielten sie nur wenig. Erna Jacobi blieb als Mieterin am Savignyplatz 4. Ihre mit dem Kaufmann Max Levy verheiratete Schwester Käthe, die zuletzt ebenfalls in Charlottenburg gelebt hatte, emigrierte im Januar 1939 nach London. Ihr Bruder Kurt Jacobi starb 1940 in Berlin. (Die Schwägerin Fanny Jacobi wurde am 14. November 1941 nach Minsk deportiert und ermordet.)
Erna Jacobi war allein. Über ihr Leben berichtete sie der Schwester nach London. Sie war wie alle Juden der alltäglichen Entrechtung durch die Maßnahmen der Behörden ausgeliefert: 1939 musste sie ihren wertvollen Familienschmuck abliefern. Als sie die „Judenvermögensabgabe“ und wohl auch über den „Sicherheitsbescheid“ die „Reichsfluchtsteuer“ bezahlen musste, war sie ganz besonders empört: Nie hatte sie daran gedacht, Deutschland zu verlassen.
Am 7. Februar 1941 (das Datum ist nicht gänzlich gesichert) nahm sich Erna Jacobi in ihrer Wohnung am Savignyplatz das Leben.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters, Recherchen: Nachlass Wolfgang Knoll

Weitere Quellen

Berliner Telefonbücher;
Datenbank Ärztinnen im Kaiserreich;
Christian Goeschel: Selbstmord im Dritten Reich, Berlin 2011;
https://www.geni.com/people/;
http://www.juedische-gemeinden.de.