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Martin Jonas

Stolperstein für Martin Jonas © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
VERLEGEORT
Auguststr. 4

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Mitte
VERLEGEDATUM
November 2009

GEBOREN
11.09.1907 in Rogasen (Posen) / Rogoźno
BERUF
Feinmechaniker
DEPORTATION
am 03.03.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Martin Jonas wurde am 11. September 1907 in Rogasen (heute: Rogoźno / Polen) in der damaligen preußischen Provinz Posen geboren. Sein Vater war der Kaufmann Sally Jonas, seine Mutter war Paula Jonas, geb. Prag. Martin Jonas kam gehörlos zur Welt. Er wuchs mit zwei älteren Schwestern namens Flora und Jenny auf.

Zu welchem Zeitpunkt Martin Jonas nach Berlin kam, ist nicht bekannt. Vermutlich zog die ganze Familie kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges dorthin, als die Provinz Posen an den wieder errichteten polnischen Staat überging. In Berlin besuchte Martin Jonas die Israelitische Taubstummen-Anstalt (ITA) in Berlin-Weißensee. Die ITA war 1873 von dem Pädagogen Markus Reich gegründet worden und widmete sich der Ausbildung gehörloser jüdischer Kinder. Martin Jonas erlernte den Beruf des Feinmechanikers und engagierte sich später als Jugendleiter des Vereins ehemaliger Zöglinge der ITA. Die Jugendlichen trieben zusammen Sport und machten gemeinsam Museumsbesuche, Wanderungen oder Badeausflüge.

An der ITA lernte Martin Jonas auch seine Partnerin Henriette Deligdisch kennen. Die beiden bezogen eine Wohnung in der Auguststraße 4 in Berlin-Mitte. Dort waren beide noch bei der Volkszählung vom 17. Mai 1939 gemeldet. Der Vater Sally Jonas lebte zu diesem Zeitpunkt in der Mommsenstraße in Berlin-Charlottenburg, die Mutter Paula Jonas im Jüdischen Altersheim in der Lietzmannstraße und die Schwester Jenny wohnte zusammen mit ihrer Tochter Stefanie in der Frankfurter Allee in Berlin-Friedrichshain, während ihr geschiedener Ehemann nach Frankreich ausgewandert war. Der ältesten Schwester Flora gelang 1936 die Auswanderung nach Haifa.

Das nationalsozialistische Regime zwang mit seiner antisemitischen Politik zahlreiche Berliner Jüdinnen und Juden, ihre Wohnungen zu verlassen, um Wohnraum für nichtjüdische Mieter freizugeben. Auch Martin Jonas und Henriette Deligdisch wurden aus ihrer Wohnung in der Auguststraße vertrieben und wohnten zuletzt zur Untermiete in einem Zimmer in der Huttenstraße 63 in Berlin-Moabit. Martin Jonas musste Zwangsarbeit für den Rüstungsbetrieb Ernst Müller in der Ritterstraße 111 leisten. Die Firma für Feinmechanik und Apparatebau führte während des Krieges vor allem Aufträge für die deutsche Luftfahrtgroßindustrie aus.

Am 3. März 1943 wurde Martin Jonas mit dem „33. Osttransport“ in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Es handelte sich um den dritten Transport im Rahmen der „Fabrikaktion“. Seine Partnerin Henriette Deligdisch war zwei Tage zuvor mit dem ersten Transport der „Fabrikaktion“ nach Auschwitz gebracht worden; auch sie kam dort ums Leben. Martins Vater Sally Jonas wurde am 9. Juli 1942 nach Theresienstadt deportiert und von dort am 19. September 1942 weiter in das Vernichtungslager Treblinka. Seine Mutter Paula Jonas kam am 17. August 1942 in das Ghetto Theresienstadt und überlebte dort.

Die Schwester Jenny Herszenberg war bereits im Dezember 1939 zusammen mit ihrer Tochter Stefanie in das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück eingewiesen worden. Von dort wurde sie am 1. Januar 1942 in die T4-Tötungsanstalt nach Bernburg an der Saale gebracht und dort ermordet. Die Tochter Steffi Herszenberg kam wenig später in Ravensbrück ums Leben.


Biografische Zusammenstellung

Janna Lölke

Weitere Quellen

Mitte Museum;
http://www.statistik-des-holocaust.de/, Transportliste des 33. Osttransportes;
Daten aus der Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 17. Mai 1939 und der „Liste der jüdischen Einwohner im Deutschen Reich 1933–1945“ über https://www.tracingthepast.org/mapp...
http://histomapberlin.de/histomap/d...
Datenbank Berliner Zwangsarbeits-Firmen, http://baseportal.de/cgi-bin/basepo...
Vera Bendt/Nicola Galliner (Hrsg.), „Öffne deine Hand für die Stummen.“ Die Geschichte der Israelitischen Taubstummen-Anstalt Berlin-Weißensee 1873 bis 1942, Berlin 1993.

Zaurov, Mark, Taube Juden als transnationale „hybrid imagined community“ Ein Forschungsgegenstand im Spannungsfeld von Deaf History und Deaf Studies. Das Zeichen 27/2013, S. 246-255.