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Selma Oppenheim (geb. Falk)

Foto: KHMM
VERLEGEORT
Landhausstr. 44

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
VERLEGEDATUM
17.07.2007

GEBOREN
09.10.1884 in Auerbachshütte / Strużyska
DEPORTATION
am 12.08.1942 nach Theresienstadt
WEITERE DEPORTATION
am 16.05.1944 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Selma Falk kam am 9. Oktober 1884 in Auerbachshütte (heute Strużyska/Polen) bei Schneidemühl auf die Welt. Auerbachshütte lag wie Schneidemühl und die benachbarten Orte Schönlanke und Deutsch Krone im Netzekreis, der bis 1945 – von 1922 bis 1938 als „Grenzmark Posen-Westpreußen“ – Teil des Deutschen Reichs war. Heute gehört das ganze Gebiet zu Polen. Der kleine Ort besaß 1885 ca. 70 Einwohner und bestand vor allem aus Ackerland und Weiden, einem Gut und einer Eisenhütte bzw. einem Eisenwerk. Besitzer waren die Brüder Benno (1843–1922) und Pinkus Falk (1832–1891). In ihrer Fabrik wurden landwirtschaftliche Geräte hergestellt. Ob beide Brüder auf dem Gut gelebt haben und wie lange, bleibt unklar.
Wahrscheinlich wohnte dort Pinkus Falk mit seiner Ehefrau Anna geb. Gebhardt (1843–1897), der Tochter des bekannten Rabbiners Julius Gebhardt (1810–1885 Bromberg). Er wäre dann der Vater von Selma Falk. Willy Falk (1869–1942 Auschwitz) und Max Falk (1871–1890), die in Bromberg auf die Welt gekommenen Söhne von Pinkus und Anna, wären ihre Brüder. – Die Fragen zur Herkunft und Kindheit von Selma Falk konnten noch nicht vollständig beantwortet werden.
Die eigentliche Heimat der großen Familie Falk war Schneidemühl (heute Piła/Polen). Die Wohn- und Geschäftshäuser der jüdischen Familie standen im Zentrum der Stadt. Die Verwandten lebten während des Kaiserreichs, der Weimarer Republik und noch während der NS-Diktatur in der Friedrichstraße, einer wichtigen Innenstadtstraße. Hier wird Selma Falk aufgewachsen sein.
Am 18. März 1922 heiratete Selma Falk den 1868 in Schönlanke (heute Trzcianka/Polen) geborenen Arzt Dr. Arthur Oppenheim. Sie war seine zweite Ehefrau: Die erste, Marie Falk, war 1919 mit 40 Jahren im Berliner Krankenhaus Westend gestorben. Sie war eine Tochter von Benno Falk und seiner Ehefrau Ida, geb. Gebhardt, und hatte mit Arthur Oppenheim einen 1903 geborenen Sohn, Franz. War Selma eine Cousine oder doch eine Schwester von Marie Falk?
Laut Heiratsurkunde lebte Selma Falk 1922 als Rentiere, d.h. vom Vermögen, in Berlin. (Im Adressbuch ist sie mit eigenem Haushalt nicht zu finden.) Als Ehefrau eines Arztes verbrachte sie die nächsten Jahre in Deutsch Krone (heute Wałcz/Polen). Das Paar blieb ohne eigene Kinder.
Zu Beginn der NS-Diktatur verließ das Ehepaar Oppenheim wie viele andere jüdische Bürger die Provinz und zog in die Großstadt Berlin, wo das anonyme Leben mehr Sicherheit versprach. Dort gab es zudem Verwandte. Ihr Ehemann bezog seit 1933 eine Invalidenrente, nach 1938 eine Altersrente. Franz, der Sohn aus der ersten Ehe, emigrierte 1934 mit seiner Ehefrau Anneliese nach Brasilien.
Selma Oppenheim und ihr Ehemann wohnten anfangs zur Untermiete bei Hermann Mendelsohn in der Nicolaistraße 3 in Berlin-Steglitz. Hausbesitzer war der später ebenfalls ermordete jüdische Kapellmeister Ladislaus Löwenthal. 1937 verzeichnet das Berliner Adressbuch als neuen Besitzer einen Klempnermeister. Das Ehepaar Oppenheim zog im September 1936 in eine 2-Zimmer-Parterrewohnung im Gartenhaus der Landhausstraße 44. (Zur gleichen Zeit verzeichnet das Berliner Adressbuch als Mieter des Hauses Otto Ohlendorf, seit Langem Mitglied der NSDAP und der SS, 1941/42 Befehlshaber einer der mörderischen Einsatzgruppen, als Kriegsverbrecher 1951 hingerichtet.)
Am 12. August 1942 wurde Selma Oppenheim mit ihrem Ehemann vom Anhalter Bahnhof aus nach Theresienstadt deportiert. Arthur Oppenheim starb dort bereits am 25. September 1942.
Selma Oppenheim wurde am 16. Mai 1944 von Theresienstadt in das Vernichtungslager Auschwitz verschleppt und dort ermordet.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters, Recherchen: Nachlass Wolfgang Knoll

Weitere Quellen

Berliner Telefonbücher;
M.L. Bamberger: Geschichte der Juden in Schönlanke, Berlin 1912, digitalisiert;
Peter S. Cullman: History of the Jewish Communjty of Schneidemühl: 1641 to the holocaust, Bergenfield NJ 2006;
Grossgrundbesitzer- und Güter-Lexikon zugleich Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer in der Provinz Posen, Berlin 1883;
Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen/über ancestry;
Rebecca Schwoch (Hrsg.): Berliner jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus, Berlin/Teetz 2009;
https://www.geni.com/people/;
https://www.jüdische-gemeinden.de/.