Direkt zum Inhalt
Skip to content Skip to navigation

Lina Potolowsky (geb. Frank)

Foto: Initiative Stolpersteine Charlottenburg-Wilmersdorf
VERLEGEORT
Niebuhrstr. 66

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
27.10.2009

GEBOREN
16.11.1866 in Pirmasens
DEPORTATION
am 27.07.1942 nach Theresienstadt
WEITERE DEPORTATION
am 18.12.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Lina Potolowsky wurde am 16. November 1866 als Lina Frank in Pirmasens geboren. Sie heiratete den Kaufmann Julius Potolowsky und zog mit ihm 1895 nach Berlin., wo der Großvater Leopold Potolowsky an der Ecke Friedrichstraße / Unter den Linden, in der Kaiserpassage, ein bekanntes Handschuhgeschäft betrieb, das Filialen in Magdeburg, Halle und Stettin unterhielt. Das Ehepaar hatte damals schon zwei Kinder: die älteste Tochter Erna wurde 1892 geboren, der Sohn Feodor kam ein Jahr später zur Welt. Nach der Jahrhundertwende wurde schließlich der Sohn Werner geboren. Die Familie lebte seit 1902 in der Blücherstr. 62 in Berlin-Kreuzberg. Alle Kinder besuchten weiterführende Schulen, obwohl der Vater, der verschiedenen Geschäften nachging, nicht immer wirtschaftlich erfolgreich war und das Schulgeld manchmal nicht gezahlt werden konnte.

Die Tochter Erna heiratete 1911 ihren Nachhilfelehrer, den (nichtjüdischen) Medizinstudenten Hermann Gysi, und brachte 1912 den Sohn Klaus zur Welt. Feodor Potolowsky wurde Bankkaufmann und heiratete 1916 die gleichaltrige Irma Simon aus Berlin, die eine vierjährige Tochter, Lieselotte, mit in die Ehe brachte. 1921 wurde ihre gemeinsame Tochter Ellen-Juliane geboren. Einen Monat vorher war Linas Mann Julius unerwartet gestorben und Lina Potolowsky lebte nun allein in der Kreuzberger Katzbachstr. 16.

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann für die gesamte Familie eine schwere Zeit. Bereits 1933 emigrierte Linas jüngster Sohn Werner nach Paris. Der Sohn Feodor verlor 1934 seine Anstellung, als das Bankhaus Fromberg arisiert wurde, er arbeitete später für die Reichsvereinigung der Juden. Die Tochter Erna, inzwischen geschieden, floh 1938 ebenfalls nach Paris, nachdem die Gestapo sie wegen angeblicher Devisenvergehen ihres neuen Lebensgefährten massiv unter Druck gesetzt hatte. Und Feodors Tochter Ellen-Juliane, Linas Enkelin, verließ mit 16 Jahren Deutschland und gelangte über Frankreich zu Verwandten in die USA.

Lina Potolowsky blieb, ebenso wie ihr Sohn Feodor und ihre Schwiegertochter, in Berlin. Wie sie in ihren letzten Jahren in Berlin gelebt hat, ist bisher nicht bekannt. Im Juni 1942 entzog sich Linas jüngerer Bruder Siegmund Frank der Deportation durch den Freitod. Einen Monat später, am 27. Juli 1942, wurde Lina Potolowsky mit dem „30. Alterstransport“ nach Theresienstadt deportiert. Eineinhalb Jahre lang überstand sie dort Hunger, Seuchen und andere Entbehrungen. Sie wurde von dort am 18. Dezember 1943, kurz nach ihrem 76. Geburtstag, ins Vernichtungslager Auschwitz weiter deportiert. Ihr Sohn Feodor und die Schwiegertochter Erna waren zu diesem Zeitpunkt schon tot, auch sie starben in den Gaskammern von Auschwitz.

Ihre Tochter Erna und ihr Sohn Werner überlebten den Krieg in verschiedenen Verstecken in Südfrankreich. Die Enkelin Lieselotte war in Berlin untergetaucht und hielt sich bis Kriegsende versteckt. Sie starb 1975.


Biografische Zusammenstellung

Matthias Bollmann