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Martha Katz (geb. Stern)

Stolperstein für Martha Katz. Foto: OTFW.
VERLEGEORT
Wullenweberstr. 11

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Moabit
VERLEGEDATUM
August 2011

GEBOREN
31.08.1891 in Breidenbach (Hessen)
ZWANGSARBEIT
bei
der Kartonagenfabrik Walter Keil in der Köpenicker Straße 39
DEPORTATION
am 26.02.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Martha Katz wurde am 31. August 1891 als fünftes Kind von Auguste (geb. Rossmann) und Isaak Stern im hessischen Breidenbach geboren. In ihrem Geburtsort, der zwischen Siegen und Marburg liegt, wuchs sie mit sieben Geschwistern auf. Bertha, Hedwig und die Zwillinge Julius und Hermann waren älter, Friedrich, Lilly und Irma jünger als sie.
1919 heiratete Martha in Gießen den Kaufmann Moritz Katz, der im gleichen Jahr wie sie in Lauterbach geboren worden war. In der östlich von Gießen gelegenen Kleinstadt kam im März 1920 auch ihr erstes Kind Horst Julius zur Welt. Einige Zeit später zog die Familie nach Berlin, wo Moritz Katz eine Stelle als Verkaufsdirektor antrat. Im Mai 1925 wurde die Tochter Hannelore geboren.
Im Frühjahr 1935 zog Martha Katz mit ihrer Familie von der Luitpoldstraße 22 in Schöneberg in die Wullenweberstraße 11. Ihre 4-Zimmer-Wohnung befand sich dort im Vorderhaus im dritten Stock. Auch Martha Katz’ Eltern, die beide schon über 70 Jahre alt waren, zogen zu ihnen in die Wohnung. Sie hatten zuvor in Gießen gelebt, wo sie Moritz Katz’ Entschädigungsantrag zufolge massiven Verfolgungsmaßnahmen ausgesetzt gewesen waren. Martha Katz’ Vater Isaak starb nicht viel später in Berlin.
Im März 1938 wanderte Moritz Katz mit dem damals gerade 18-jährigen Sohn Horst Julius nach Kolumbien aus. Martha Katz sollte mit der Tochter Hannelore nachkommen, doch dann wurde es unmöglich, noch Einreisevisa für das südamerikanische Land zu bekommen.
Martha Katz wurde zur Zwangsarbeit bei der Kartonagenfabrik Walter Keil in der Köpenicker Straße 39 verpflichtet. Ihre inzwischen 16-jährige Tochter Hannelore ging im Juni 1941 nach Steckelsdorf bei Rathenow. Im Landwerk Steckelsdorf-Ausbau wurden Jugendliche im Rahmen der Hachschara-Bewegung in gärtnerischer und landwirtschaftlicher Arbeit geschult, um sich auf die Auswanderung nach Palästina vorzubereiten. Zum damaligen Zeitpunkt wurden die dort lebenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen zunehmend zu Arbeiten im Straßenbau, in der Landwirtschaft und in der Rüstungsindustrie dienstverpflichtet. Die Hoffnung auf eine Ausreise wurde schließlich durch das im Oktober 1941 verhängte Ausreiseverbot für die jüdische Bevölkerung endgültig zerschlagen. Die nationalsozialistischen Behörden schlossen die Ausbildungsstätte im Mai 1942. Am 11. Juli 1942 wurde Hannelore Katz zusammen mit 51 anderen ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohnern des Landwerks von Magdeburg aus nach Auschwitz deportiert. Wann sie dort ermordet wurde, ist nicht bekannt.
Martha Katz’ Mutter Auguste wurde am 27. August 1942 nach Theresienstadt deportiert. Sie starb dort einen Monat später, am 26. September 1942, im Alter von 80 Jahren.
Am 21. Februar 1943 wurde Martha Katz gezwungen, eine Vermögenserklärung abzugeben. Fünf Tage später wurde die 51-Jährige nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Von Martha Katz’ sieben Geschwistern überlebten nur zwei die nationalsozialistische Herrschaft. Lilly, die 1933 nach Frankreich geflohen war, wurde Ende Juli 1942 von Pithiviers nach Auschwitz deportiert. Hedwig und Julius wurden Ende September 1942 von Darmstadt aus vermutlich nach Treblinka deportiert. Sie alle wurden ermordet. Julius’ Zwillingsbruder Hermann starb bereits 1933. Bertha kam Ende Januar 1945 im KZ Bergen-Belsen ums Leben. Friedrich emigrierte in die USA. Er starb 1950 in New York. Martha Katz’ jüngste Schwester Irma, deren Ehemann in Majdanek ermordet worden war, ging 1947 nach Kolumbien. Dort lebte sie mit Martha Katz’ Witwer Moritz zusammen und heiratete ihn Anfang der 1960er-Jahre. Wie sein Vater und seine Stiefmutter verbrachte auch Martha Katz’ Sohn, der sich nun Julio nannte, den Rest seines Lebens in Bogotá. Er starb dort 1996 mit 76 Jahren.


Biografische Zusammenstellung

Julia Chaker

Weitere Quellen

Bettina Götze: Hoffnung auf das gelobte Land. Das Hachschara-Lager in Steckelsdorf, in: Museumsblätter. Mitteilungen des Museumsverbandes Brandenburg 13, Dezember 2008, S. 42–45;
https://www.geni.com;
https://statistik-des-holocaust.de;
Mitte Museum. Regionalgeschichtliches Museum für Mitte, Tiergarten, Wedding in Berlin;
Tracing the Past e. V.: https://www.mappingthelives.org.