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Carl Stern

Foto: KHMM
VERLEGEORT
Güntzelstr. 49

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
VERLEGEDATUM
20.03.2007

GEBOREN
03.06.1876 in Geseke
DEPORTATION
am 03.10.1942 nach Theresienstadt
ERMORDET
02.11.1942 im Ghetto Theresienstadt

Carl Stern stammte aus Geseke, einer Kleinstadt im (bis heute) streng katholischen Teil Westfalens. Hier wurde er am 3. Juni 1876 in die jüdische Familie Stern hineingeboren. Zu dieser Zeit waren ungefähr vier Prozent der Ortsansässigen jüdischen Glaubens. Sie dominierten besonders den wichtigen Getreide- und Viehhandel, in dem auch viele Mitglieder der Familie Stern tätig waren und wohlhabend wurden. Die „Familie“ war eigentlich eine Sippe mit unzähligen Geschwistern in allen Zweigen und Generationen. Diese trugen oftmals dieselben Namen und heirateten wohl auch untereinander. – Carl Sterns Eltern waren bis jetzt nicht zu finden.
Auch in Berlin war der Name „Stern“ nicht selten, und es gab während vieler Jahre einen Getreidehändler Carl Stern. Aber der 1876 geborene Carl Stern aus Geseke, der sich manchmal mit „K“ schrieb, war Bankangestellter. Im Berliner Adressbuch von 1910 taucht er das erste Mal auf: in der Elberfelder Straße 15, einem Neubau im bürgerlichen Teil von Moabit. – Dies könnte seine erste eigene Wohnung nach der Heirat gewesen sein.
Carl Stern hatte die am 30. September 1887 in Berlin geborene Therese Stern, genannt Röschen, geheiratet. Sie war die Tochter von Adolf Stern und seiner Frau Mathilde, geb. Markstein. Zum Zeitpunkt der Geburt von Therese war ihr Vater noch Kellner, ein Jahr später war er bereits „Cafetier“ im bekannten Börsen-Hotel in der Burgstraße. Später war Mutter Mathilde Stern die Besitzerin des Hotel-Cafés, danach führte sie ein eigenes Café in der Friedrichstraße.
Schon bald folgte der Umzug des Paares in die Innsbrucker Straße 21. Am 24. Juni 1914 steht im Berliner Tageblatt unter den Familienanzeigen eine Annonce, in der Carl Stern und seine Ehefrau Röschen die Geburt von zwei Töchtern anzeigen: Hanna und Hilde, am 19. Juni 1914 geborene Zwillinge.
Während des Ersten Weltkriegs zog die Familie weiter nach Wilmersdorf, in die Mainzer Straße 12, 3. Etage. Dort wohnte sie bis 1933. Mitte der 1920er Jahre war Carl Stern „Bankier“. Dies konnte vieles sein, auch Börsenmakler. Vielleicht hatte er im Café an der Börse seine Ehefrau kennengelernt? Am 22. Mai 1933 starb Therese Stern in der Mainzer Straße an einer Lungenentzündung. Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee begraben.
In den folgenden Jahren fehlt der Name von Carl/Karl Stern in den Berliner Adressbüchern, er scheint bereits zur Untermiete gewohnt zu haben. Vielleicht bei seiner Tochter Hildegard? Sie war Buchhalterin geworden und wohnte Mitte der 1930er Jahre in der Rosenheimer Straße 18 in Schöneberg. 1939 zog Carl Stern in die Güntzelstraße 49 zu Lucie Sarner, die dort schon seit 1935 wohnte. Lucie Sarner heiratete um 1941 Siegfried Zehden. (Beide wurden später deportiert und ermordet.) Carl Stern musste wieder umziehen. Seit Mitte Mai 1941 wohnte er als Untermieter in einem möblierten Zimmer bei Margarete Glogauer im 2. Stock des Gartenhauses der Kaiserallee 21, der heutigen Bundesallee. (Auch das Ehepaar Glogauer wurde deportiert und ermordet.)
Am 3. Oktober 1942 wurde Carl Stern mit dem „3. großen Alterstransport“ in das Ghettolager Theresienstadt deportiert. Bereits vier Wochen später, am 2. November 1942, ist er dort umgekommen.

Seine Tochter Hildegard, die zuletzt in der Nestorstraße 3 bei dem Kaufmann Samuel Gans wohnte, wurde am 1. März 1943 im Rahmen der „Fabrikaktion“ nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Die Tochter Johanna konnte emigrieren. Sie lebte in den 1950er-Jahren, verheiratet mit Dr. Felix Salomon, in Israel.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters, Vorrecherchen: Wolfgang Knoll

Weitere Quellen

Centrum Judaicum, Grabkartei Weißensee;
Arbeitskreis „Jüdische Familien in Geseke“: Juden in Geseke, Beiträge zur Geschichte der Stadt Geseke 10, Geseke 1997;
Jüdisches Adressbuch für Gross-Berlin 1929/30, 1931;
Landesarchiv Berlin - Personenstandsunterlagen über ancestry;
https://www.jüdische-gemeinden.de/index.php/gemeinden/e-g/718-geseke-nordrhein-westfalen/
https://www.geni.com/people/
Berliner Tageblatt v. 24.6.1914.