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Georg Stodola

Foto: KHMM
VERLEGEORT
Güntzelstr. 49

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
VERLEGEDATUM
20.03.2007

GEBOREN
12.03.1886 in Posen / Poznań
BERUF
Pfefferküchler
DEPORTATION
am 04.03.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
05.05.1943 in Auschwitz

Georg Stodola kam am 12. März 1885 in Posen (heute Poznań/Polen) als fünftes von zehn Kindern des Bäckermeisters Hermann Stodola (1848–1912) und seiner Ehefrau Hulda geb. Elkeles (1858–1921) auf die Welt. Die Eltern lebten anfangs in Kurnik (heute Kórnik/Polen), südöstlich von Posen. Dort waren die älteren Geschwister von Georg Stodola geboren worden: die Brüder Ignatz (*1878) und Siegfried (*1881) sowie die Schwestern Paula (*1879) und Mina (*1882).
Anfang der 1880er-Jahre kaufte der Vater in Posen das Haus Judenstraße 13/14 (polnisch Ulica Żydowska) im jüdischen Viertel der Stadt. Das Haus gehörte seinem verwitweten Schwiegervater Michaelis Elkeles (1824–1891). Die benachbarten Häuser Nr. 15 und 16 waren Eigentum der Synagogengemeinde: Hier stand die alte Synagoge der Stadt, und hier wohnten der Rabbiner, der Geschäftsführer der Gemeinde und der Gemeindediener. In den folgenden Jahren kamen in Posen nach Georg Stodola noch seine fünf Brüder Leonhard (*1883), Max (*1886), Gustav (*1887), Wilhelm (*1890) und Martin (*1894) auf die Welt.
Georg Stodola war von Beruf Pfefferküchler, er stellte also Lebkuchen, Honigkuchen und ähnliches Dauergebäck her – ein altes Handwerk, das es heute noch in Sachsen (Pulsnitzer Lebkuchen) als Spezialisierung des Bäckers gibt. Noch vor dessen Tod übernahm er das Geschäft des Vaters.
Nach dem Ersten Weltkrieg zogen Mutter Hulda Stodola und der ledige Sohn Georg nach Berlin, wo bereits die Söhne Leo und Max lebten. Mutter und Sohn wohnten in der Freisinger Straße 6 in Berlin-Schöneberg.
Nach dem Tod der Mutter 1921 zog Georg Stodola in die Jenaer Straße 19 in Berlin-Wilmersdorf und lebte dort bis Mitte der 1930er-Jahre. Anfangs besaß er ein Geschäft in der Kleiststraße 6, im Berliner Telefonbuch 1923 als „Schokoladen-, Honigkuchen- und Keksfabrik“ bezeichnet, im Adressbuch als „Konfitürenhandel“ bzw. „Konfitürenfabrik“. Seit Beginn der 1930er-Jahre befand sich seine Firma als „Konfitürenfabrik“ in der Mariannenstraße 31/32 in Berlin-Kreuzberg. In dem Gebäude befand sich die typische „Kreuzberger Mischung“ von Wohnen und Arbeiten, wobei die „Fabriken“ meist größere Handwerksbetriebe oder Manufakturen waren. Dies wird auch bei Georg Stodola so gewesen sein. Gleichzeitig gab es dort ein Geschäft für Schokoladen, Zuckerwaren und Konfitüren: Seit Mitte der 1930er-Jahre gehörte es der Witwe Wilhelmine Dannowski und ihrer Tochter Johanna.
Während der NS-Diktatur verlor auch Georg Stodola seine Firma. Der genaue Ablauf bleibt unklar: Nach der Erinnerung einer ehemaligen Mitarbeiterin wurden 1939/40 die großen Maschinen aus dem Betrieb in der Mariannenstraße beschlagnahmt und/oder in die Gipsstraße 12a zur Waffel- und Konfitürenfabrik Friedrich Auswitz geschafft, im Wiedergutmachungsverfahren auch als letzte Firmenadresse von Georg Stodola angegeben. – Die Gebäude in der Gipsstraße und in der Mariannenstraße wurden im Bombenkrieg zerstört.
Georg Stodola lebte nun als Untermieter. 1939 wohnte er in der Güntzelstraße 49 bei dem Ehepaar Leopold und Gertrud Cohn. Seine letzte Unterkunft fand er bei Erna Merkin und ihrem Sohn Bernhard in der Templiner Straße 17 in Prenzlauer Berg. In der 1½-Zimmer-Wohnung lebten noch ein weiterer Untermieter und zeitweise die Eltern der Frau.
Am 4. März 1943 wurde Georg Stodola mit über 1100 Menschen nach Auschwitz deportiert. Er gehörte wohl zu den zur Zwangsarbeit ins Lager eingewiesenen Männern, überlebte aber nur zwei Monate: Georg Stodola wurde am 5. Mai 1943 in Auschwitz ermordet.
Von seinen Geschwistern waren bereits der Bruder Max Stodola 1940 als Opfer der Euthanasie in der Tötungsanstalt Brandenburg a.d. Havel ermordet worden und die Schwester Paula Riefflin 1942 nach der Deportation in das Ghetto von Piaski. Der Bruder Martin Stodola war 1938 nach Palästina, der Bruder Leonhard 1939 nach Shanghai geflohen. Beide überlebten.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters, Vorrecherchen: Wolfgang Knoll

Weitere Quellen

Adressbücher Posen;
Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen/über ancestry;
https://www.geni.com/people/;
http://www.juedische-gemeinden.de;
https://www.myheritage.de.