Direkt zum Inhalt
Skip to content Skip to navigation

Martha Treitel (geb. Ball)

Stolperstein für Martha Treitel Foto: KHMM
Stolperstein für Martha Treitel. Foto: Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
VERLEGEORT
Savignyplatz 4

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
11.12.2007

GEBOREN
21.11.1858 in Berlin
DEPORTATION
am 11.06.1942 nach Theresienstadt
ERMORDET
28.12.1942 im Ghetto Theresienstadt

Martha Ball wurde am 21. November 1858 in Berlin als Tochter des Kaufmanns und Bankiers Salomo Ball (1826–1902) und seiner Ehefrau Therese, geb. Krug, (1838–1904) geboren. Die Eltern zogen während ihrer Kindheit oft um, wohnten in Friedrichshain und in Mitte.
Der Vater stammte aus Calau, einem kleinen Ort in der Nähe von Cottbus. Dort waren die Mitglieder der Familie Ball die einzigen Juden. Großvater Meyer Ball (1789–1876), der als Wollhändler wohlhabend geworden war, hatte 1825 ein Haus gekauft, das zum „Familienhaus“ wurde – auch das „Calauer Judenhaus“ genannt. Hier traf sich die ganze Familie bis in die 1930er-Jahre. Von Meyer Balls sechs Töchtern und drei Söhnen zogen bis auf eine unverheiratete Tochter alle nach Berlin. Marthas Vater Salomo und seine Brüder Jacob (1823–1887) und Alwin (1928–1896) führten hier die angesehene Privatbank „Meyer Ball Söhne“.
Die Mutter Therese stammte aus einer evangelischen, nach den Rassegesetzen der Nationalsozialisten „arischen“ Familie und war zum Judentum konvertiert. So galt Martha Treitel später als „Halbjüdin“, eine Einstufung, die das Leben retten konnte, aber nicht musste. 1864 heiratete sie Salomo Ball. Die fünf Kinder des Paares – Martha und ihre vier jüngeren Brüder Arthur (1860–1917), Albert (1861–1862), Waldemar (1863–1915) und Viktor (1864–1913) – waren bereits geboren. Sie wurden im Berliner Dom von Hofprediger Hengstenberg evangelisch getauft und von Salomo Ball nachträglich „legitimiert“.
Martha Ball verbrachte ihre Kindheit in der Landsberger Straße. Laut Berliner Adressbuch zogen die Eltern 1873 zum Blumeshof 16, in eine ruhige Privatstraße im großbürgerlichen Lützowviertel. (Die Straße zwischen Schöneberger Ufer und Lützowstraße gibt es nicht mehr.) Hier lebte Martha Ball bis zu ihrer Hochzeit.
Knapp 18 Jahre alt, heiratete sie 1876 den 1848 in Betsche im Kreis Meseritz (heute Pszczew in Polen) geborenen Kaufmann Julius Treitel, der ein Jahr vorher ein Getreide- und Commissionsgeschäft gegründet hatte. Das Ehepaar bekam vier Kinder: 1878 Margarethe (Grete), 1880 Charlotte Helene, 1883 Hans und Elisabeth, die an Krebs starb.
Das Ehepaar lebte anfangs in Berlin-Mitte und zog 1904 nach Charlottenburg (damals noch eine selbstständige Stadt bei Berlin) an den Savignyplatz Nr. 4.
1902 starb Marthas Vater Salomo Ball, 1904 ihre Mutter Therese, die noch immer im Haus Blumeshof 16 gewohnt hatte. 1910 starb ihr Ehemann Julius Treitel. Die Tochter Helene heiratete 1914 einen Herrn Cohn, Sohn Hans wurde Diplomingenieur. Tochter Margarethe lebte unverheiratet mit der Mutter in der Wohnung am Savignyplatz und arbeitete als Geschäftsführerin bei der Firma Gost & Co. Im „Dritten Reich“ wurde sie entlassen. Sohn Hans emigrierte 1937 mit Frau und Kind nach Palästina.
Mutter und Tochter gaben nicht auf: Sie vermieteten Zimmer, gaben (anfangs wohl freiwillig) alles von Wert weg, Tochter Margarethe übernahm Schreibarbeiten. Seit Ende 1940 war sie Zwangsarbeiterin bei der Batteriefabrik Pertrix, einem Rüstungsbetrieb.
Am 11. Juni 1942 wurde Martha Treitel vom Anhalter Bahnhof in das Ghettolager Theresienstadt deportiert. Ihre Tochter Margarethe begleitete sie freiwillig. Martha Treitel kam bereits ein halbes Jahr später, am 28. Dezember 1942, in Theresienstadt um.
Margarethe traf dort 1943 ihren Vetter Richard Treitel (1879–1947), Jurist und Journalist der „Weltbühne“. Beide erlebten die Befreiung. Margarethe Treitel schlug sich nach Berlin durch, lebte anfangs in dem DP-Lager im Jüdischen Krankenhaus in Berlin-Wedding und kehrte dann in die alte Wohnung am Savignyplatz zurück. Sie starb am 17. Januar 1969 in Berlin. Das „Familienhaus“ in Calau war Ende des Krieges abgebrannt.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters, Vorrecherchen: Wolfgang Knoll

Weitere Quellen

Kurt Jacob Ball-Kaduri: Jüdisches Leben einst und jetzt: Das Calauer Judenhaus – Erlebtes Israel, München 1961;
Berliner Telefonbücher;
Landesarchiv Berlin - Personenstandsunterlagen über ancestry;
https://www.geni.com/people/;
https://www.luckauer-juden.de;
https://www.hagalil.com/2012/07/tre....