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Rita Klein (geb. Jacob)

Portrait von Rita Klein © Y. Adler
Stolperstein für Rita Klein © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
VERLEGEORT
Essener Straße 20

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Moabit
VERLEGEDATUM
Mai 2004

GEBOREN
20.08.1911 in Halle/Saale
DEPORTATION
am 04.08.1943 nach Theresienstadt
WEITERE DEPORTATION
am 16.10.1944 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Rita Jacob wurde am 20. August 1911 in Halle an der Saale als Rita Klein geboren. Sie war die Tochter von Margarete und Moritz Jacob. Rita hatte ein Schwester, Lizzi. Ihr Vater, der im Ersten Weltkrieg schwer verletzt wurde, betrieb mit seinem Bruder ein Schuhgeschäft in Halle. Rita war Sekretärin, während ihre Schwester, die am, ähnlich wie ihre Mutter, künstlerisch veranlagt war und Mode entwarf. Die Familie zog nach Berlin um. Lizzi erlernte den Beruf der Modistin in Berlin im Modehaus Goetz am Kurfürstendamm. Am 03.03.1935 wurde sie die Frau von Kurt Adler. Das Paar heiratete in der Synagoge Levetzowstraße und lebte bis 1937 mit der Familie Jacob in der Essener Straße 20, bis sie dann in die Königsberger Straße 22 umzogen und dort gemeinsam mit der Mutter von Kurt Adler lebten. 1939 emigrierten sie nach Shanghai. Dort wurde 1940 ihre Tochter Yvonne gebo­ren. Rita wohnte nun mit ihren Eltern mit Rita ihrem Leo Klein, geboren in Labischin in Posen, und ihrer Tochter Daisy gemeinsam in der Essener Straße 20. Die Familie hatte die Einreise nach England beantragt und hoffte diese bald antreten zu können, zu­mal die Eltern von Leo bereits dort waren. So lehnten sie auch ab, gemeinsam mit Lizzi und Kurt nach Shanghai zu gehen. Lizzi hätte ihre Nichte Daisy gerne mit nach Shanghai genom­men, Rita konnte sich aber nicht von ihrer kleinen Tochter trennen. Zur Einreise nach England kam es nicht, da ihnen nach Kriegsbeginn 1939 die Erlaubnis dazu nicht mehr erteilt wurde. Aus der Essener Straße 20 musste die Familie in das Judenhaus in Alt Moabit 82 b Gar­tenhaus II in eine 1-Zimmer-Wohnung zwangsumsiedeln. Aus Briefen Rita Kleins an ihre Cousine in Zürich ist bekannt, dass Grete Jacob in einer Rüstungsfabrik Zwangsarbeit leisten musste. Von einer Nachtschicht kam sie nicht mehr zurück – das war der Tag der Fabrik-Aktion.

Moritz Jacob versorgte sein Enkelkind Daisy, da Rita und Leo wie zuvor schon Grete ebenfalls Zwangsarbeit leisten mussten. Dass Moritz nicht sofort nach Auschwitz, sondern zunächst in das „Ehrenlager Theresienstadt“ deportiert wurde, sollte eine so genannte „bevorzugte Behandlung“ darstellen, und zwar aufgrund seiner besonderen Verdienste für das Vaterland im Ersten Welt­krieg. Am 19.05.1943 wurde Moritz Jacob mit dem 89. Alterstransport nach Theresienstadt deportiert. Er starb im Ghetto offiziell an einem Herzinfarkt. Rita, Leo und Daisy wurden zweieinhalb Monate später am 04.08.1943 mit dem 95. Alterstransport in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Rita Klein war in Theresienstadt die Sekretärin des Rabbiners Dr. Leo Baeck, der 1933 zum Präsidenten der Reichsvertretung der deutschen Juden berufen wurde und während des nationalsozialistischen Regimes geistiges Oberhaupt der deutschen Ju­den war. Rita, Leo und Daisy wurden am 16.10.1944 von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert, was ihr Todesurteil war. Daisy war zu diesem Zeitpunkt erst fünf Jahre alt.


Biografische Zusammenstellung

Bürgerverein Luisenstadt e. V.