Direkt zum Inhalt
Skip to content Skip to navigation

Rose Reich (geb. Reich)

Foto:B.Plewa
VERLEGEORT
Giesebrechtstr. 12

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
08.05.2011

GEBOREN
02.12.1888 in Landsberg a. d. Warthe / Gorzów Wielkopolsk
DEPORTATION
am 29.01.1943 von Bahnhof Moabit nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Rose Reich kam am 2. Dezember 1888 zur Welt. Ihre Eltern, der Kaufmann Albert Reich und seine Frau Agnes geb. Joachim lebten in Landsberg an der Warthe. Albert Reich besaß dort eine Wassermühle in der Kladowstraße 14. Wir wissen nicht, ob Rose weitere Geschwister hatte.

Rose zog mit ihrer Mutter Agnes nach Berlin, nachdem Albert Reich gestorben war. Das muss um die Jahrhundertwende gewesen sein, denn 1903 ist die Witwe Agnes Reich geb. Joachim in der Wilhelmshavener Straße 63 in Berlin eingetragen. Nach mehreren Umzügen finden wir sie 1910 wieder in der Clausewitzstraße 2, Gartenhaus 1. Stock. In dem Haus wohnte auch Robert Reich, der früher Mehlhändler gewesen war. Man kann sich vorstellen, dass dieser seinerzeit mit dem Mühlenbesitzer Albert Reich aus Landsberg geschäftlich zu tun hatte. Möglicherweise waren beide Familien Reich auch verwandt. Rose heiratete am 29. Oktober 1919 Robert Reichs Sohn Otto.

Zum Zeitpunkt ihrer Heirat war Rose als Privatsekretärin tätig. Ottos Vater war inzwischen auch gestorben und seine Witwe Anna lebte, wie Otto, in der Sybelstraße 37/38. Dort wohnte auch zunächst das junge Paar. Ob sie Kinder bekamen, ist leider nicht dokumentiert. Otto war Diplomingenieur und avancierte in den 20er Jahren laut Adressbuch zum „Direktor“. 1933 zogen Otto und Rose in die Giesebrechtstraße 12. Otto wird nicht mehr als Direktor bezeichnet, vielleicht ein Zufall, möglich aber auch, dass er bereits zu Beginn der NS-Herrschaft seine Stellung verlor.

Denn schon im April nach der Machtübernahme gab es einen ersten Judenboykott und das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ bewirkte, dass jüdische Beamte in den Ruhestand versetzt versetzt wurden. Auch nicht wenige private Unternehmer kündigten ihren jüdischen Mitarbeitern. Das Leben für Juden wurde durch immer neue diskriminierende Verordnungen zunehmend erschwert. Otto versuchte sich als Vertreter durchzuschlagen, doch auch das dürfte nicht leicht gewesen sein. Nach relativer Zurückhaltung im Olympiajahr 1936, nahmen diskriminierende und entwürdigende Maßnahmen, mit dem Ziel, Juden zur Auswanderung zu treiben oder sie gänzlich aus dem wirtschaftlichen und öffentlichen Leben auszuschließen, schnell wieder zu, vor allem nach den Pogromen vom November 1938. Besuch von öffentlichen Veranstaltungen wie Theater, Kino u.ä. wurde Juden verboten, Verkehrsmittel konnten sie nur beschränkt benutzen, sie durften zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Bannbezirken nicht auf die Straße, nur von 4 bis 5 Uhr nachmittags war ihnen erlaubt einzukaufen, und vieles mehr. Sie mussten auch Wertgegenstände abliefern, Rundfunkgeräte wurden beschlagnahmt, Telefonanschlüsse gekündigt. Ab 19. September 1941 mussten sie den Judenstern tragen, ihrem Namen „Israel“ oder „Sara“ zufügen. 1941 ist Otto letztmalig im Adressbuch verzeichnet, als „Otto Israel Reich, Ingenieur“. Er und Rosa wohnten aber auch in der folgenden Zeit weiter in der Giesebrechtstraße 12. Sicherlich mussten auch sie ihre Wohnung mit jüdischen Untermietern teilen, die ihrerseits gezwungen worden waren, ihre Wohnung aufzugeben. Und sehr wahrscheinlich wurden auch sie ab 1941 zur Zwangsarbeit herangezogen.

Ende Januar 1943 wurden Otto und Rose Reich von der Gestapo in die Große Hamburger Straße 26 verbracht, ein zum „Sammellager“ umfunktioniertes jüdisches Altersheim. Am 29. Januar deportierte man sie vom Bahnhof Moabit aus mit 1002 weiteren Menschen nach Auschwitz. 140 Frauen und 140 Männer unter ihnen wurden zur Zwangsarbeit bestimmt, alle anderen sofort in den Gaskammern ermordet. Ob Otto und Rosa Reich zu letzteren gehörten, oder ob sie durch die brutalen Lebens- und Arbeitsbedingungen im KZ ums Leben kamen, wissen wir nicht.


Biografische Zusammenstellung

Recherchen/Text: Micaela Haas