Direkt zum Inhalt
Skip to content Skip to navigation

Elsa Veronika Fischl (geb. Abeles)

Stolperstein für Elsa Veronika Fischl. Foto: OTFW.
VERLEGEORT
Mädewalder Weg 37

BEZIRK/ORTSTEIL
Marzahn-Hellersdorf – Kaulsdorf
VERLEGEDATUM
04.08.2011

GEBOREN
28.07.1893 in Wien
BERUF
Kontoristin
DEPORTATION
am 04.03.1943 nach Auschwitz
ERMORDET

Die Kontoristin Elsa Veronika Fischl (geborene Abeles) wurde am 28. Juli 1892 als Tochter einer jüdischen Wiener Familie geboren. Ihre Mutter Eugenia Abeles, 1864 als Eugenia Boskowitz geboren, war ebenfalls gebürtige Wienerin. Ihr Vater David Abeles stammte aus Pressburg, der heutigen slowakischen Hauptstadt Bratislava.

Elsa wuchs mit ihren Brüdern Friedrich und Paul in Wien auf. Als sie elf Jahre alt war, starb ihr fünfzigjähriger Vater. Nach dem Tod ihrer Mutter sechs Jahre später war Elsa für einige Monate mit einer eigenen Wohnung in Wien gemeldet. Mit 19 oder 20 Jahren kam sie dann nach Berlin-Mahlsdorf. Dort heiratete sie am 4. August 1914 den Kaufmann Friedrich Franz Fischl, der 1889 als Sohn einer protestantischen Mutter und eines jüdischen Vaters in Regensburg geboren wurde. Mit der Heirat nahm sie die deutsche Staatsbürgerschaft an. Zusammen lebten sie in der Langestraße 9 (seit 1937 Pilgramer Straße), zogen aber bald darauf nach Frankfurt/Oder, wo im November desselben Jahres ihr Sohn Emil geboren wurde. Für kurze Zeit kehrte die Familie nach Berlin zurück und lebte in Schöneberg, bevor 1917 ein erneuter Umzug folgte, diesmal in Friedrich Fischls Heimatstadt Regensburg.

Im Januar 1918 kam Elsa Fischls zweiter Sohn Kurt Friedrich zur Welt, er wurde wie sein Bruder protestantisch getauft. Die Geburt ihrer Tochter Ilse Friederike folgte im November 1919. 1927 kehrte Elsa Fischl mit ihrer Familie nach Berlin zurück. Vermutlich zur gleichen Zeit erfolgte die Trennung von ihrem Ehemann. Sie zog mit ihren Kindern nach Kaulsdorf in die Wilhelmstraße 31 (seit 1938 Mädewalder Weg 37) in eine Zweizimmerwohnung mit Küche, WC und Balkon.

Nach Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft trat Elsa Fischl im September 1933 aus der jüdischen Glaubensgemeinschaft aus. Den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder verdiente sie als Angestellte bei der Berufsbekleidungswäscherei und chemischen Reinigung Wulff & Pottien in der Späthstraße 50 im Berliner Ortsteil Johannisthal (heute Baumschulenweg). Nach der Scheidung von ihrem Ehemann, die erst 1939 erfolgte, war dieser außerdem unterhaltspflichtig. 1940 heiratete Elsa Fischls ältester Sohn Emil und im April des folgenden Jahres kam ihr Enkel Jona zur Welt.

Im September 1941 wurde ihr Sohn Kurt wegen „versuchter Rassenschande“ zu zwei Jahren Haft verurteilt und in das KZ Neusustrum – eines der Emslandlager – gebracht. Von dort wurde er nach Auschwitz deportiert, wo er am 11. Februar 1943 mit 25 Jahren angeblich an einem Herzklappenfehler starb.

Kurze Zeit später, am 4. März 1943, wurde Elsa Fischl zusammen mit ihrer Tochter Ilse, ihrem Sohn Emil, ihrer Schwiegertochter Amalie und ihrem Enkel Jona ebenfalls nach Auschwitz deportiert. Eine Nachbarin erinnerte sich später, dass die Haare der knapp Fünfzigjährigen über Nacht weiß wurden, als sie von ihrer bevorstehenden Deportation erfuhr. Elsa Fischl wurde wie ihre drei Kinder, ihre Schwiegertochter und ihr knapp zweijähriger Enkel in Auschwitz ermordet.


Biografische Zusammenstellung

Recherche: Anika Taschke, Konstanze Gergs, Julia Chaker
Biografische Zusammenstellung: Julia Chaker

Weitere Quellen

Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf; Melderegister Magistrat Wien; Geburtsurkunde Emil Fischl, Standesamt Frankfurt Oder; Amt für Archiv und Denkmalpflege, Stadt Regensburg; Familienbogen Friedrich Franz Fischl, Standesamt Regensburg; Heiratsurkunde Emil Fischl und Amalie Rosenstein, Standesamt Berlin-Mahlsdorf (jetzt Marzahn-Hellersdorf); Geburtsurkunde Jona Fischl, Standesamt Berlin-Wedding (jetzt Mitte); Kauperts Straßenführer durch Berlin; Death Certificate Auschwitz Kurt Friedrich Fischl; Deportationsliste 34. Osttransport, www.statistik-des-holocaust.de; Bericht der Zeitzeugin Olga Schreiber-Schwarz, Bezirksmuseum Marzahn-Hellersdorf; Thea Koberstein/Norbert Stein: Juden in Lichtenberg mit den früheren Ortsteilen in Friedrichshain, Hellersdorf und Marzahn, hg. vom Kulturbund e.V., Berlin 1995