Direkt zum Inhalt
Skip to content Skip to navigation

Dr. Siegfried Kawerau

Fotografie von Siegfried Kawerau. Fotorechte: GDW
Stolperstein für Siegfried Kawerau. Foto: Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
VERLEGEORT
Bonhoefferufer 18

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
09.04.2009

GEBOREN
08.12.1886 in Berlin
NACH MIßHANDLUNGEN GESTORBEN
17.12.1936 in Berlin

Wie ein Volksfrühling war 1919 und noch 1920 die Atmosphäre. Alles voller Keime und Hoffnungen. Ein Ansturm der Jugend, der Frauen, der Arbeiter auf die Bastionen der alten Gesellschaft.

Siegfried Kawerau: Selbstbildnis, o.J.

Siegfried Kawerau stammte aus einer Lehrerfamilie und studierte Geschichte, Germanistik und Latein. 1913 trat er in den Schuldienst ein und wurde Gymnasiallehrer in Landsberg an der Warthe. 1915 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Nach einer für ihn traumatischen Verschüttung bei Verdun wurde er 1916 als „nicht mehr kriegsverwendungsfähig“ aus der Armee entlassen. 1917 ließ er sich an ein Lyzeum versetzen, weil er die Erziehung von Mädchen für besonders wichtig hielt. 1919 zog die Familie in die damals noch selbständige Stadt Charlottenburg. Kawerau trat in dieser Zeit aus politischen Gründen aus der evangelischen Kirche aus, denn: „Sie saß wie eine Witwe und trauerte um Wilhelm II.“ Er wurde Mitglied der SPD und gründete zusammen mit Paul Oestreich den Bund Entschiedener Schulreformer. Er engagierte sich für eine Schule der Einheit von Arbeit, Leben und Unterricht, für Schulgeld- und Lernmittelfreiheit und gegen Konfessions- und Standesschulen. 1927 wurde er Schulleiter des Köllnischen Gymnasiums und der Kaempfschule. Diese Modellschulen waren Aufbauschulen, die nach 7 Volksschuljahren in 6 Jahren zum Abitur führten. Seine Schüler lernten hier auch Methoden demokratischer Selbstverwaltung. Alljährlich wurden „Nie-wieder-Krieg“-Veranstaltungen durchgeführt. 1933 wurde Kawerau als Schulleiter beurlaubt. Anfang März 1933 reichte er ein Gesuch auf Frühpensionierung ein, um Auseinandersetzungen mit den Nationalsozialisten in der Schule zu vermeiden. Die Familie zog in ihr Sommerhaus nach Pustchow an der Ostsee. Am 19. 3. 1933 wurde er dort verhaftet und in das Gefängnis nach Stettin gebracht, wo er schwer misshandelt wurde. Nach 11 Wochen kam er frei, auch, weil ausländische Freunde sich für ihn eingesetzt hatten. Am 1. 9. 1933 wurde er aus politischen Gründen aus dem Schuldienst entlassen. Die vier Kinder Kaweraus emigrierten in den Jahren 1933 und 1934. Durch die schweren Misshandlungen während seiner Haftzeit körperlich und seelisch schwer angeschlagen, starb Siegfried Kawerau nach monatelanger schwerer Krankheit. 1995 beschloss der Bezirk Charlottenburg, dass am Wohnhaus Kaweraus am Bonhoeffer-Ufer 18 eine Gedenktafel für ihn angebracht werden solle. Der Hausbesitzer gestattete dies jedoch nicht.

Siegfried Kawerau war Stadtverordneter von 1925 – 1930; Wahlkreis 7 Charlottenburg (SPD)


Biografische Zusammenstellung

Verein Aktives Museum e. V.