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Olga Golde (geb. Schlesinger)

Stolperstein für Olga Golde. Foto: OTFW.
VERLEGEORT
Waldowallee 9

BEZIRK/ORTSTEIL
Lichtenberg – Karlshorst
VERLEGEDATUM
13.09.2007

GEBOREN
15.08.1879 in Nürnberg
DEPORTATION
am 12.01.1943 nach Theresienstadt
WEITERE DEPORTATION
am 16.05.1944 nach Auschwitz
TOT
in Auschwitz

Olga Schlesinger wurde am 15. August 1879 in Nürnberg geboren. Sie zog nach Berlin, wo sie 1911 den fünf Jahre älteren Kaufmann Ernst Julius Golde heiratete. Am 17. Juli 1912 brachte sie ihre Tochter Gertrud zur Welt, am 21. Januar 1920 wurde ihr Sohn Werner geboren. Mit ihrer Familie lebte Olga Golde in Karlshorst in der Waldowallee 5, die Hausnummer wurde 1931 zu 9 geändert. Sie war nicht berufstätig, ihr Mann verdiente recht gut als Vertreter für Wäsche und Leinen. Die Familie konnte sich eine Haushaltshilfe und ein Kindermädchen leisten und fuhr jeden Sommer ans Meer oder in die Berge in den Urlaub. Besonders religiös waren Goldes nicht, die Synagoge besuchten sie nur an hohen Feiertagen.
Wegen antisemitischer Anfeindungen wechselte ihr Sohn Werner 1933 vom Kant-Gymnasium in Lichtenberg zur Volksschule in der Auguste-Viktoria-Straße (heute Ehrlichstraße). Auch der Umzug der Familie nach Schöneberg in die Hohenstaufenstraße 12 im Jahr 1936 war eine Folge der antisemitischen Verfolgung. 1938 verlor Olga Goldes Mann seine Arbeit. Die Familie plante zu emigrieren, konnte aber nur für den damals 19-jährigen Werner eine Schiffspassage bekommen. Werner Golde verließ das Deutsche Reich im Februar 1939 und reiste über Neapel nach Shanghai.
Am 12. Januar 1943 wurde Olga Golde zusammen mit ihrem Mann nach Theresienstadt deportiert. Knapp 16 Monate später, am 16. Mai 1944, wurden sie nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Auch ihre Tochter Gertrud wurde in Auschwitz ermordet. Sie ist während der „Fabrikaktion“ Ende Februar 1943 verhaftet und gemeinsam mit ihrem Mann Herbert Sänger deportiert worden.
Nur Olga Goldes Sohn Werner überlebte. Von Shanghai aus ging er nach der Staatengründung vorübergehend nach Israel, wo er 1952 die ebenfalls aus Berlin stammende Evelyn Gutfeld heiratete. Für kurze Zeit kam er nach Berlin zurück, um für die Entschädigungsbehörde zu arbeiten, bevor er sich in New York niederließ. Im Auftrag eines Rechtsanwaltsbüros, das Restitutions- und Sozialversicherungsansprüche von Verfolgten des Nazi-Regimes bearbeitete, reiste er bis in die 1990er Jahre über zwanzig Mal in seine Heimatstadt Berlin.


Biografische Zusammenstellung

Julia Chaker

Weitere Quellen

Thea Koberstein/Norbert Stein, Juden in Lichtenberg mit den früheren Ortsteilen in Friedrichshain, Hellersdorf und Marzahn, hg. vom Kulturbund e.V., Berlin 1995, S. 303–306
Museum Lichtenberg im Stadthaus | Initiative Stolpersteine Karlshorst
www.statistik-des-holocaust.de, Deportationsliste 79. Alterstransport