Katharina Salomon geb. Sänger

Verlegeort
Bleibtreustr. 34 -35
Bezirk/Ortsteil
Charlottenburg
Verlegedatum
12. September 2012
Geboren
17. November 1894 in Stettin / Szczecin
Deportation
am 17. März 1943 nach Theresienstadt
Ermordet
16. Mai 1944 in Auschwitz

Katharina Salomon wurde am 17. November 1894 in Stettin als Katharina Sänger geboren. Über ihr Elternhaus wissen wir nichts Sicheres, das Stettiner Adressbuch führt mehrere Familien Sänger auf. Vermutlich war ihr Vater Louis Sänger, der in Katharinas Geburtsjahr von Prenzlau nach Stettin zog und als Berufsbezeichnung „Geschäfts-Vermittler“ angab. Und wahrscheinlich ist er derselbe Louis Sänger, der um 1905 nach Berlin umsiedelte und seine Betätigung nun als „Grundstücksverkehr“ ins Adressbuch eintragen ließ. Er wohnte nahe dem Friedrichshain in der Bötzowstraße 2, später in der nicht weit entfernten Hufelandstraße 47. 1916 ist er das letzte Mal im Adressbuch verzeichnet. Ob er eine Witwe hinterließ und wohin diese zog, ist nicht bekannt. Vermutlich wohnte die 22-jährige Katharina zunächst noch bei ihr. Im Oktober 1924 bekam Katharina einen Sohn, Alfred, der ihren Nachnamen erhielt. Entweder hatte Katharina einen Mann gleichen Familiennamens geheiratet, oder – was wahrscheinlicher ist – sie war eine ledige Mutter. Später, wir wissen nicht genau wann, heiratete sie Ernst Salomon. Über ihn ist nur wenig bekannt. Dokumentiert ist lediglich, dass zum Zeitpunkt der Volkszählung vom 17. Mai 1939, bei der Juden in gesonderten Karteien erfasst wurden, Katharina und Ernst Salomon getrennt lebten: Katharina zur Untermiete bei den Brüdern Neuberg in der Bleibtreustraße 34 und Ernst in der Grolmanstraße 27, ebenfalls zur Untermiete, bei Arthur und Gittel Zimmermann. Da Katharina schon den Nachnamen Salomon trug, müssen sie vorher geheiratet haben. Katharinas Sohn Alfred wurde bei der Volkszählung in der Wilmersdorfer Straße 55 registriert, bei Erich Sänger, wahrscheinlich sein Onkel und Katharinas Bruder (oder doch sein Vater?). Später, wahrscheinlich ab 1941 oder 1942, wohnte Alfred mit Katharina und auch Ernst Salomon in der Hohenstaufenstraße 9. Erich Sänger, von Beruf kaufmännischer Angestellter, blieb in der Wilmersdorfer.<br />
<br />
Wurden Juden schon seit der Machtübernahme Hitlers 1933 offiziell diskriminiert und schrittweise entrechtet und isoliert, so zielte die sprunghaft erhöhte Zahl von antijüdischen Verordnungen nach den Pogromen vom 9./10. November 1938 auf ihre völlige wirtschaftliche und soziale Ausgrenzung. Verbote in allen Lebensbereichen, Ablieferung von Wertsachen, eingeschränkte Verfügung über ihr Vermögen, Sondersteuern und –abgaben, Bannbezirke, Bannzeiten, Entwürdigung allenthalben. Wer konnte, verließ Deutschland. Aber auch das war extrem erschwert durch weitere Bestimmungen und v.a. durch die Preise für Visa und Schiffspassagen. 1941 wurde die Auswanderung ganz verboten. Ab September dieses Jahres hatten Juden den Judenstern zu tragen. Juden wurden zunehmend zur Zwangsarbeit herangezogen, so auch Katharina Salomon. Sie wurde der Firma „Electrica“ in der Schöneberger Hauptstraße 49 zugewiesen. Mit Sicherheit hatte auch Ernst Zwangsarbeit zu leisten, wir wissen allerdings nicht wo. Möglicherweise wurde sogar der 16-, dann 17-jährige Alfred zwangsverpflichtet.<br />
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Im August 1942 musste Katharina erleben, wie ihr Sohn von der Gestapo abgeholt wurde, in die als Sammellager missbrauchte Synagoge Levetzowstraße 7/8 verbracht und am 15. August vom Bahnhof Moabit aus nach Riga deportiert wurde. Was sie sicherlich nicht mehr erfahren hat, ist, dass in Riga alle 1004 Insassen des Zuges nicht wie behauptet, in das Rigaer Ghetto kamen, sondern nach der Ankunft in den umliegenden Wäldern von Rumbula und Bikernieki ermordet wurden.<br />
<br />
Ein halbes Jahr später wurden Katharina und Ernst Opfer der sogenannten „Fabrikaktion“: Am 27. Februar 1943 wurden ohne Vorwarnung alle noch verbliebenen Juden in Berlin und in anderen Städten direkt am Arbeitsplatz verhaftet und in Sammellager verbracht. In Berlin betraf das etwa 8000 Menschen. Katharina und Ernst, die zuletzt in ihrer Wohnung noch zwei Untermieterinnen zugewiesen bekommen hatten, Frl. Jäger und Frl. Rothschild, wurden getrennt verhaftet und sahen vermutlich einander nicht mehr. Katharina musste noch am 28. Februar eine „Vermögenserklärung“ ausfüllen, in der sie allerdings nur spärliche Angaben machte. Vermutlich war sie da schon in dem Sammellager in der großen Hamburger Straße 26. Dort musste sie über zwei Wochen ausharren, bis sie am 17. März 1943 mit über 1300 weiteren Menschen nach Theresienstadt deportiert wurde. In diesem zur Täuschung als „Altersghetto“ bezeichneten Lager erwartete die erst 48jährige Hunger, Kälte, überbelegte Unterkünfte, Krankheit und Seuchen infolge der miserablen hygienischen Verhältnisse. Über ein Jahr hatte sie dem schon standgehalten, als sich eine Rot-Kreuz-Kommission zur Besichtigung des Ghettos ankündigte. Daraufhin ließ die Kommandantur in aller Eile 7500 Insassen in drei „Transporten“ nach Auschwitz „evakuieren“, damit das Ghetto weniger überfüllt aussähe. Katharina Salomon war in dem zweiten dieser Züge: Am 16. Mai 1944 wurde sie nach Auschwitz weiterverschleppt und dort ermordet. Ihr Todesdatum ist nicht bekannt.<br />
<br />
Auch den Todestag von Ernst Salomon kennen wir nicht. Er wurde noch vor Katharina am 12. März 1943 mit weiteren 940 meist im Zuge der „Fabrikaktion“ Verhafteten nach Auschwitz deportiert. Die Deportationsliste vermerkt, dass er ohne Vermögenserklärung „aufgenommen“ sei. In Auschwitz angekommen wurden 218 Männer und 147 Frauen zur Zwangsarbeit ausgesucht, die anderen sofort ins Gas geschickt. Vielleicht wurde Ernst nicht gleich ermordet – Auschwitz hat er nicht überlebt.<br />
<br />
Erich Sänger, Katharinas vermutlicher Bruder, am 9. Januar 1893 in Prenzlau geboren, wurde wahrscheinlich irgendwann im Jahre 1942 im berüchtigten „Arbeitserziehungslager“ Wuhlheide inhaftiert. Der zynische Begriff “Arbeitserziehungslager” sollte von vornherein die Insassen kriminalisieren und als „arbeitsscheu“ diffamieren. Dort wurde er am 14. Januar 1943 ermordet – diese deprimierende Nachricht könnte Katharina noch erreicht haben.<br />

Katharina Salomon wurde am 17. November 1894 in Stettin als Katharina Sänger geboren. Über ihr Elternhaus wissen wir nichts Sicheres, das Stettiner Adressbuch führt mehrere Familien Sänger auf. Vermutlich war ihr Vater Louis Sänger, der in Katharinas Geburtsjahr von Prenzlau nach Stettin zog und als Berufsbezeichnung „Geschäfts-Vermittler“ angab. Und wahrscheinlich ist er derselbe Louis Sänger, der um 1905 nach Berlin umsiedelte und seine Betätigung nun als „Grundstücksverkehr“ ins Adressbuch eintragen ließ. Er wohnte nahe dem Friedrichshain in der Bötzowstraße 2, später in der nicht weit entfernten Hufelandstraße 47. 1916 ist er das letzte Mal im Adressbuch verzeichnet. Ob er eine Witwe hinterließ und wohin diese zog, ist nicht bekannt. Vermutlich wohnte die 22-jährige Katharina zunächst noch bei ihr. Im Oktober 1924 bekam Katharina einen Sohn, Alfred, der ihren Nachnamen erhielt. Entweder hatte Katharina einen Mann gleichen Familiennamens geheiratet, oder – was wahrscheinlicher ist – sie war eine ledige Mutter. Später, wir wissen nicht genau wann, heiratete sie Ernst Salomon. Über ihn ist nur wenig bekannt. Dokumentiert ist lediglich, dass zum Zeitpunkt der Volkszählung vom 17. Mai 1939, bei der Juden in gesonderten Karteien erfasst wurden, Katharina und Ernst Salomon getrennt lebten: Katharina zur Untermiete bei den Brüdern Neuberg in der Bleibtreustraße 34 und Ernst in der Grolmanstraße 27, ebenfalls zur Untermiete, bei Arthur und Gittel Zimmermann. Da Katharina schon den Nachnamen Salomon trug, müssen sie vorher geheiratet haben. Katharinas Sohn Alfred wurde bei der Volkszählung in der Wilmersdorfer Straße 55 registriert, bei Erich Sänger, wahrscheinlich sein Onkel und Katharinas Bruder (oder doch sein Vater?). Später, wahrscheinlich ab 1941 oder 1942, wohnte Alfred mit Katharina und auch Ernst Salomon in der Hohenstaufenstraße 9. Erich Sänger, von Beruf kaufmännischer Angestellter, blieb in der Wilmersdorfer.

Wurden Juden schon seit der Machtübernahme Hitlers 1933 offiziell diskriminiert und schrittweise entrechtet und isoliert, so zielte die sprunghaft erhöhte Zahl von antijüdischen Verordnungen nach den Pogromen vom 9./10. November 1938 auf ihre völlige wirtschaftliche und soziale Ausgrenzung. Verbote in allen Lebensbereichen, Ablieferung von Wertsachen, eingeschränkte Verfügung über ihr Vermögen, Sondersteuern und –abgaben, Bannbezirke, Bannzeiten, Entwürdigung allenthalben. Wer konnte, verließ Deutschland. Aber auch das war extrem erschwert durch weitere Bestimmungen und v.a. durch die Preise für Visa und Schiffspassagen. 1941 wurde die Auswanderung ganz verboten. Ab September dieses Jahres hatten Juden den Judenstern zu tragen. Juden wurden zunehmend zur Zwangsarbeit herangezogen, so auch Katharina Salomon. Sie wurde der Firma „Electrica“ in der Schöneberger Hauptstraße 49 zugewiesen. Mit Sicherheit hatte auch Ernst Zwangsarbeit zu leisten, wir wissen allerdings nicht wo. Möglicherweise wurde sogar der 16-, dann 17-jährige Alfred zwangsverpflichtet.

Im August 1942 musste Katharina erleben, wie ihr Sohn von der Gestapo abgeholt wurde, in die als Sammellager missbrauchte Synagoge Levetzowstraße 7/8 verbracht und am 15. August vom Bahnhof Moabit aus nach Riga deportiert wurde. Was sie sicherlich nicht mehr erfahren hat, ist, dass in Riga alle 1004 Insassen des Zuges nicht wie behauptet, in das Rigaer Ghetto kamen, sondern nach der Ankunft in den umliegenden Wäldern von Rumbula und Bikernieki ermordet wurden.

Ein halbes Jahr später wurden Katharina und Ernst Opfer der sogenannten „Fabrikaktion“: Am 27. Februar 1943 wurden ohne Vorwarnung alle noch verbliebenen Juden in Berlin und in anderen Städten direkt am Arbeitsplatz verhaftet und in Sammellager verbracht. In Berlin betraf das etwa 8000 Menschen. Katharina und Ernst, die zuletzt in ihrer Wohnung noch zwei Untermieterinnen zugewiesen bekommen hatten, Frl. Jäger und Frl. Rothschild, wurden getrennt verhaftet und sahen vermutlich einander nicht mehr. Katharina musste noch am 28. Februar eine „Vermögenserklärung“ ausfüllen, in der sie allerdings nur spärliche Angaben machte. Vermutlich war sie da schon in dem Sammellager in der großen Hamburger Straße 26. Dort musste sie über zwei Wochen ausharren, bis sie am 17. März 1943 mit über 1300 weiteren Menschen nach Theresienstadt deportiert wurde. In diesem zur Täuschung als „Altersghetto“ bezeichneten Lager erwartete die erst 48jährige Hunger, Kälte, überbelegte Unterkünfte, Krankheit und Seuchen infolge der miserablen hygienischen Verhältnisse. Über ein Jahr hatte sie dem schon standgehalten, als sich eine Rot-Kreuz-Kommission zur Besichtigung des Ghettos ankündigte. Daraufhin ließ die Kommandantur in aller Eile 7500 Insassen in drei „Transporten“ nach Auschwitz „evakuieren“, damit das Ghetto weniger überfüllt aussähe. Katharina Salomon war in dem zweiten dieser Züge: Am 16. Mai 1944 wurde sie nach Auschwitz weiterverschleppt und dort ermordet. Ihr Todesdatum ist nicht bekannt.

Auch den Todestag von Ernst Salomon kennen wir nicht. Er wurde noch vor Katharina am 12. März 1943 mit weiteren 940 meist im Zuge der „Fabrikaktion“ Verhafteten nach Auschwitz deportiert. Die Deportationsliste vermerkt, dass er ohne Vermögenserklärung „aufgenommen“ sei. In Auschwitz angekommen wurden 218 Männer und 147 Frauen zur Zwangsarbeit ausgesucht, die anderen sofort ins Gas geschickt. Vielleicht wurde Ernst nicht gleich ermordet – Auschwitz hat er nicht überlebt.

Erich Sänger, Katharinas vermutlicher Bruder, am 9. Januar 1893 in Prenzlau geboren, wurde wahrscheinlich irgendwann im Jahre 1942 im berüchtigten „Arbeitserziehungslager“ Wuhlheide inhaftiert. Der zynische Begriff “Arbeitserziehungslager” sollte von vornherein die Insassen kriminalisieren und als „arbeitsscheu“ diffamieren. Dort wurde er am 14. Januar 1943 ermordet – diese deprimierende Nachricht könnte Katharina noch erreicht haben.