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Charlotte Salomon

Foto: A. Bukschat & C. Flegel
VERLEGEORT
Wielandstr. 15

BEZIRK/ORTSTEIL
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
VERLEGEDATUM
21.04.2012

GEBOREN
16.04.1917 in Berlin
BERUF
Künstlerin
FLUCHT
Januar 1939 Flucht nach Frankreich
INTERNIERT
ab Juni 1940 bis Dezember 1940 in Gurs
VERHAFTET
im September 1943 in Villefranche
INTERNIERT
ab September 1943 bis Oktober 1943 im Sammellager Drancy
DEPORTATION
am 07.10.1943 von Drancy nach Auschwitz
ERMORDET
10.10.1943 in Auschwitz

Charlotte Salomon wurde am 16. April 1917 als einziges Kind des Chirurgen Albert Salomon und seiner Frau Franziska, geb. Grunwald, in Berlin geboren. Die gutbürgerliche assimilierte jüdische Familie lebte in Berlin-Charlottenburg in der Wielandstraße 15. Charlottes Kindheit wurde bald überschattet vom Selbstmord ihrer Mutter am 27. Februar 1926. Von nun an bestimmten wechselnde Kindermädchen ihren Alltag. Sie besuchte ab Ostern 1927 die Fürstin-Bismarck-Schule in der Sybelstraße (heute Sophie-Charlotte-Gymnasium). Albert Salomon heiratete 1930 die jüdische Sängerin Paula Lindberg. Sie wurde rasch zum wichtigsten Menschen in Charlottes Kindheit und Jugend.

1933 entzog die Berliner Universitätsklinik Albert Salomon seine Professur. Paula Salomon-Lindberg durfte nicht mehr öffentlich als Sängerin auftreten. In Charlotte Salomons Schule nahmen antisemitische Anfeindungen zu, die sie 1933 veranlassten, den Schulbesuch ein Jahr vor dem Abitur abzubrechen. Sie wollte Künstlerin werden. Sie besuchte zunächst eine private Kunstschule, um sich auf die Aufnahmeprüfung an den damals so genannten „Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst“ am Steinplatz in Berlin-Charlottenburg vorzubereiten.

Zum Wintersemester 1935 wurde Charlotte Salomon auf Probe an der Hochschule angenommen. Sie studierte zunächst bei dem Gebrauchsgrafiker Ernst Böhm und wechselte nach einem Semester zu Ludwig Bartning. Weil ihr jüdischer Vater als „Frontkämpfer“ im Ersten Weltkrieg galt, wurde sie zum Sommersemester 1936 immatrikuliert. Sie fiel unter die Quote von 1,5 Prozent jüdischer Studierender, die gesetzlich zulässig war. Im Herbst 1937 brach Charlotte Salomon, die auch an der Hochschule als Jüdin öffentlich angegriffen wurde, ihr Studium ab.

Während dieser Zeit lernte sie den jüdischen Gesangspädagogen Alfred Wolfsohn kennen, der mit Paula Salomon-Lindberg zusammenarbeitete. Er förderte Charlottes künstlerische Entwicklung, gab ihr Aufträge und ermutigte sie, und sie verliebte sich in ihn. Er sollte später als „Daberlohn“ neben der „Paulinka“ genannten Paula Salomon-Lindberg im Zentrum ihres künstlerischen Hauptwerkes „Leben? Oder Theater?“ stehen.

Im Februar 1939 flüchtete Charlotte Salomon unter dem Vorwand eines Kurzbesuches zu den bereits 1933 emigrierten Großeltern Grunwald nach Villefranche in Südfrankreich. Ihren Eltern gelang im März 1939 die Flucht nach Amsterdam. Sie bemühten sich von dort um die gemeinsame Ausreise mit ihrer Tochter in die USA. Der Plan scheiterte am Vormarsch der Wehrmacht auf dem europäischen Kontinent: die Eltern wurden in das holländische Lager Westerbork deportiert.

Zwischen 1940 und 1942 schuf Charlotte Salomon in Villefranche das „Singspiel“ genannte Werk „Leben? Oder Theater?“. Auf über tausend Gouachen und Textblättern stellte sie ihre Sicht auf die Geschichte der Familie dar, die sie „Kann“ nannte. Sie selbst gab sich den Namen „Charlotte Kann“. Ihr Werk übergab sie dem Arzt Dr. Moridis in Villefranche, der es über den Krieg retten konnte.

Im Juni 1943 heiratete Charlotte Salomon in Nizza den österreichischen Emigranten Alexander Nagler, der in Villefranche jüdische Waisenkinder betreute. Ihre Hochzeit machte die Behörden auf sie aufmerksam. Charlotte und Alexander Nagler wurden im September 1943 in Villefranche verhaftet und über Drancy nach Auschwitz deportiert. Charlotte war im fünften Monat schwanger und wurde vermutlich am Tag ihrer Ankunft in Auschwitz ermordet. Alexander Nagler starb 1944 im Vernichtungslager Auschwitz III/Buna.

Albert und Paula Salomon reisten 1947 nach Villefranche, wo ihnen Charlotte Salomons Werk „Leben? Oder Theater“ übergeben wurde. Es ist seit 1971 im Besitz des „Joods Historish Museum“ in Amsterdam und wurde bereits weltweit in Ausstellungen gezeigt. 2012 war es Teil der internationalen Ausstellung zeitgenössischer Kunst „documenta“ in Kassel.

Am Haus Wielandstraße 15 brachte der Berliner Landesjugendring auf Initiative von Gerhard Schoenberner in den 1960er Jahren eine Gedenktafel für Charlotte Salomon an. 1991 wurde in Anwesenheit von Paula Salomon-Lindberg eine Grundschule in der Großbeerenstraße in Berlin-Kreuzberg nach Charlotte Salomon benannt


Biografische Zusammenstellung

Dr. Christine Fischer-Defoy - Aktives Museum Faschismus und Widerstand in Berlin e.v.