Direkt zum Inhalt
Skip to content Skip to navigation

Belsora Mendelsohn (geb. Becker)

Leo und Belsora Mendelsohn mit Tochter Liselotte ca. 1936 © Tamar Koenig
Stolperstein_Thomasiusstr_24_(Moabi)_Belsora_Mendelsohn © OTFW
VERLEGEORT
Thomasiusstraße 24

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Moabit
VERLEGEDATUM
30.03.2013

GEBOREN
24.06.1888 in Berlin
DEPORTATION
am 14.11.1941 von Berlin nach Minsk
ERMORDET
im Ghetto Minsk

Belsora Mendelsohn, geb. Becker, wird am 24. Juni 1888 in Berlin geboren. Sie heiratet den Berliner Kaufmann Leo Mendelsohn. Aus der Ehe gehen 1914 der Sohn Erwin sowie 1924 die Tochter Liselotte hervor. Die Familie lebt zunächst im Haus Kirchstraße 21 in Moabit. Nach dem Abitur am Königlichen Luisengymnasium in der Wilsnackerstraße wandert Belsoras Sohn Erwin schon 1933 nach Palästina aus. Wenig später zieht Belsora, die Bella genannt wird, mit ihrem Mann und Tochter Liselotte eine Straße weiter in die Thomasiusstraße 24. Dort bezieht die Familie eine 3-Zimmer-Mietwohnung im Gartenhaus, 1. OG. Das Ehepaar Mendelsohn betreibt ein zunächst gut gehendes Lederwaren- und Schirmgeschäft in der Turmstr. 10 / Ecke Wilsnackerstraße, so dass sich Bella sogar eine Reise nach Palästina leisten kann, um dort Sohn Erwin zu besuchen.

Doch die seit 1933 ständig zunehmende Schikanierung und Entrechtung jüdischer Unternehmen treffen schließlich auch das Geschäft der Mendelsohns: Im Juni 1938 ergeht für sie ein behördliches Geschäftsverbot. Die Mendelsohns versuchen trotzdem noch einige Monate, vom Verkauf ihrer Waren zu leben. Als Ehemann Leo im Zusammenhang mit der so genannten „Reichkristallnacht“ verhaftet und ins KZ Sachsenhausen gebracht wird, muss Belsora die Geschäfte alleine führen. Kurz nachdem Leo Mendelsohn im Dezember 1938 aus dem KZ entlassen wird, muss ihr Geschäft auf behördliche Anordnung hin endgültig schließen. Damit ist die wirtschaftliche Lebensgrundlage der Familie zerstört.

Am 12. November 1939 erliegt der von der Lagerhaft gezeichnete Leo mit 54 Jahren in seiner Wohnung einem Herzversagen. Belsora lässt ihren Mann auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee beisetzen. Zu dieser Zeit leistet Tochter Liselotte, die Lilo genannt wird, wohl bereits Zwangsarbeit in der Spinnstofffabrik AG in Berlin-Zehlendorf; ihr Wochenlohn beträgt 14 RM.

Am 9. November 1941 werden Belsora und Liselotte Mendelsohn in das nahe gelegene Synagogengebäude in der Levetzowstraße 7 gebracht, das als Sammellager für die anlaufenden Deportationen dient. Nach der Übergabe ihrer Vermögenserklärung händigt der Obergerichtsvollzieher zwei Tage später die übliche amtliche Verfügung aus, dass aller Besitz „zugunsten des Reichs eingezogen“ sei. Der später festgestellte Wert von Sparguthaben und eingezogenem Eigentum beträgt über 41 000 RM. Mit dem 5. „Osttransport“ werden am 14. November 1941 Mutter und Tochter Mendelsohn vom Bahnhof Grunewald aus in das Ghetto nach Minsk verschleppt. Von den rund 950 Insassen des Zuges aus Berlin überlebten nur wenige Personen - Belsora und Liselotte Mendelsohn waren nicht unter ihnen.


Biografische Zusammenstellung

Wilfried Burkard (ergänzt von Oliver Geiger), translation Judith Elam