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Dr. Kurd Dalen

Mutter Gertrud Dalen, geb. Friedenthal
Vater Robert Dalen, geb. Davidsohn
Stolperstein für Kurd Dalen. Foto: OTFW.
VERLEGEORT
Drakestraße 59

BEZIRK/ORTSTEIL
Steglitz-Zehlendorf – Lichterfelde
VERLEGEDATUM
30.11.2012

GEBOREN
19.12.1884 in Potsdam
BERUF
Jurist
FLUCHT IN DEN TOD
15.09.1941 in München

Die Mutter von Kurd Dalen, Gertrud, geb. Friedenthal, war das fünfte von sieben Kindern aus der zweiten Ehe des Breslauer Stadtrats, Kaufmanns und Bankiers Dr. iur Wilhelm Friedenthal und seiner Ehefrau Berta Prausnitzer. Die Eltern Friedenthal waren praktizierende Juden, die ihre Kinder aber evangelisch taufen und christlich erziehen ließen.
Von den sieben Friedenthal-Kindern erlebte außer Gertrud nur noch die unverheiratete Agnes das Dritte Reich. Sie starb 1937 87-jährig im Haus ihres Neffen Kurd in der Drakestraße 59. Von allen Nachkommen der nachfolgenden Generation galten nur die Dalen-Brüder als Volljuden im Sinne der Rassegesetze. Alle übrigen hatten auch „arische“ Großeltern und überlebten die Nazizeit unversehrt, allerdings in einigen Fällen nicht ohne Probleme.

Gertrud Dalen wurde 1857 geboren. 1878 heiratete sie den 1844 geborenen Robert Davidson, Sohn einer ebenfalls jüdischen Breslauer Arztfamilie. 1904 änderte die Familie mit behördlicher Genehmigung den Familiennamen von Davidson zu Dalen. Robert Dalen studierte Rechtswissenschaften und trat 1866 zum christlichen Glauben über, vermutlich als Voraussetzung für den preußischen Staatsdienst, in den er 1867 eintrat. Über wechselnde Stationen machte er Karriere und trat schließlich 1907 als Oberpräsidialrat an der Bezirksregierung in Magdeburg wegen gesundheitlichen Problemen 63-jährig in den Ruhestand. Er zog sich auf Gut Niesky bei Uhsmannsdorf, Kreis Rothenburg (Oberlausitz), zurück, wo er vermutlich auch 1909 gestorben ist. Sein Wunsch, geadelt zu werden, erfüllte sich nicht, er erhielt jedoch den Titel eines „Geheimen Ober-Regierungsraths“.

Wie lange seine damals 52-jährige Ehefrau Gertrud noch auf dem Gut gelebt hat, wissen wir nicht. Sie taucht erst ab 1921 im Berliner Adressbuch unter verschiedenen Adressen auf. In der Personalakte ihres Mannes findet sich ein Brief von ihr aus Meiningen aus dem Jahr 1934, wonach sie zu ihrem Sohn Kurd nach Meran ziehen wollte, um ein „reichsdeutsches Fremdenheim zu eröffnen“, weswegen sie bat, das Witwengeld dorthin zu zahlen. Das Restvermögen von 37 000 RM bleibe in Deutschland. Das Witwengeld betrug 200 RM. Nach Angaben aus einem weiteren Brief lebte sie seit dem 15. Juli 1935 in Berlin-Lichterfelde, Drakestraße 59, der Anschrift ihres Sohnes Kurd. Bei der Volkszählung vom 17. Mai 1939 ist sie im Haushalt von Kurd im bayerischen Siegsdorf, Alzing 49 ½ aufgeführt. Dort ist sie am 14. Juni 1939 nach Auskunft des dortigen Standesamtes 82-jährig verstorben.

Das Ehepaar Robert und Gertrud Dalen hatte vier Söhne: Werner Paul Robert, Friedrich Wilhelm Franz, Ernst Otto Kurd sowie Max Anselm Ernst, der 1916 als Flieger im Ersten Weltkrieg gefallen ist.
Kurd Dalen machte Abitur am Dom-Gymnasium in Magdeburg, studierte Jura in München, Breslau und Halle und wurde in Heidelberg 1913 promoviert mit einer Dissertation über die Haftung für Automobilschäden. Sein Wohnort war zu diesem Zeitpunkt Halle/Saale. 1921 taucht er erstmalig auf als Syndikus an der Adresse seiner Mutter, Lichterfelde, Bismarckstraße 15. 1922 übernahm er nach dem Wegzug der Mutter das Haus als Eigentümer. 1924 wohnte er in der Konstanzer Str. 62 IV, 1928 und 1929 mit dem Zusatz Direktor.
Kurd Dalen war verheiratet mit Margarete Lukszat (1891–1977), die nicht der Verfolgung durch die Rassengesetze unterlag. Die Ehe war kinderlos, deshalb keine „privilegierte Mischehe“, die ihn vor der Deportation geschützt hätte. Gemeinsam mit der Mutter Gertrud Dalen zog das Paar nach Siegsdorf in Bayern. Möglicherweise war das ein Versuch, in der Anonymität der fortschreitenden Verfolgung zu entgehen. Doch bei der Volkszählung 1939 wurde Kurd Dalen in Siegsdorf erfasst. Wie sein Bruder Fritz wählte er vor der Deportation den Freitod, am 15. September 1941 in München.


Biografische Zusammenstellung

Initiative Steglitz nach Information von Dr. Michael Müller-Stüler