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Martha Liebermann (geb. Marckwald)

Stolperstein für Martha Liebermann ©OTFW
VERLEGEORT
Pariser Platz 7

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Mitte

GEBOREN
08.10.1857 in Berlin
FLUCHT IN DEN TOD
10.03.1943

Martha Liebermann wurde am 8. Oktober 1857 in Berlin in die Familie Marckwald hineingeboren. Ihre Familie stammte ursprünglich aus Märkisch Friedland und war dort im Wollgeschäft tätig, ebenso wie die Familie Liebermann, aus der ihr späterer Ehemann Max Liebermann stammte. Die beiden Familien waren eng miteinander verbunden, so kamen Heinrich Benjamin Marckwald, Marthas Vater, und Louis Liebermann, Max’ Vater, zur selben Zeit 1843 in Berlin an und erlangten am selben Tag das Berliner Bürgerrecht.

Martha Liebermanns Mutter Ottilie war eine geborene Pringsheim, Tochter eines Oppelner Gutsbesitzers, zu deren Familie auch die Frauenrechtlerin Hedwig Dohm gehörte. Die beiden teilten die gleichen Ideale, allerdings trug Ottilie diese nicht so stark nach außen wie Hedwig Dohm, sondern wahrte die bürgerliche Fassade. Die Persönlichkeit Martha Liebermanns war jedenfalls stark von dieser Familientradition geprägt.

Heinrich Benjamin Marckwald führte in Berlin eine Wollhandlung und konnte damit seiner Familie, zu der außer Martha noch vier Geschwister zählten, eine gutbürgerliche Existenz sichern. Martha Liebermann wuchs unter anderem in der Französischen Straße auf, bis ihr Vater 1870 starb. Die Witwe mit den fünf Kinder war zwar gut versorgt, hatte aber als Frau nicht das Recht, das Vermögen allein zu verwalten, weshalb sie zu Louis Liebermann, der die Vormundschaft für die Kinder übernahm, in das Palais am Brandenburger Tor zog. Auch wenn Max Liebermann zu diesem Zeitpunkt nicht mehr dort wohnte, werden die beiden, die sich wohl schon aus Kindertagen kannten, sich immer wieder begegnet sein, zum Beispiel bei der Hochzeit der Geschwister Georg Liebermann und Elsbeth Marckwald.

Im September 1884 heirateten Max Liebermann und Martha Marckwald. Zumindest öffentlich stand Martha immer im Schatten des großen Malers, doch innerhalb der Familie war sie nicht so zurückhaltend, sondern im Gegenteil durchaus durchsetzungsfähig und und es gewohnt, ihre Meinung zu äußern, was von der Verbindung zu Hedwig Dohm herrühren könnte. Dennoch ist nur wenig über das Wesen der Martha Liebermann bekannt, die wenigen Aufzeichnungen und Aussprüche von ihr sagen nicht viel aus. Sie ließ sich wohl nicht gern von ihrem Mann porträtieren, viele Bilder zeigen sie sitzend, lesend oder schlafend, da sie nur in solchen Momenten für ihren Mann still saß.

Am 19. August 1885 wurde das einzige Kind der beiden geboren, Marianne Henriette Käthe Liebermann, was Martha Liebermann beinahe das Leben gekostet hätte. Nach dem Tod von Philippine Liebermann, Max’ Mutter, 1894 zog die Familie in das Palais am Brandenburger Tor, 1910 wurde das Sommerhaus am Wannsee fertiggestellt.

In die Zeit des Ersten Weltkrieges fallen für Martha Liebermann zwei glückliche Ereignisse, so heiratete ihre Tochter Käthe Kurt Riezler und ihre Enkelin Maria wurde geboren. 1918 wurde Max Liebermann zum Präsidenten der Preußischen Akademie der Künste ernannt, seinem wohl größten beruflichen Erfolg. Nicht erst zu diesem Zeitpunkt gehörte die Familie Liebermann zur angesehensten Gesellschaft Berlins, umso schlimmer war dann der Schock, der mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten erfolgte.

Bevor Max Liebermann aus der Akademie der Künste ausgeschlossen werden konnte, erklärte er 1933 selbst seinen Austritt. Seine Kunst wurde geächtet, was ihn so sehr getroffen haben soll, dass er am 8. Februar 1935 voll Kummer starb. Zu diesem Zeitpunkt war das Ehepaar Liebermann schon 50 Jahre verheiratet. Martha Liebermann verließ das Palais am Brandenburger Tor und zog in die Graf-Spee-Straße 23. 1938 wurde sie mehrfach zu „Sühneleistungen“ und Zwangsabgaben genötigt, sodass sie schließlich ihr gesamtes Vermögen verlor. Nach der Pogromnacht ging ihre Tochter mit Mann und Kind ins Exil in die USA, wie viele weitere Familienmitglieder. Dadurch blieb Martha Liebermann bis auf zwei Haushaltshilfen fast gänzlich allein. Ihre Familie drängte sie zur Emigration, doch sie wollte nicht, konnte sich nicht von Berlin und dem Grab ihres Mannes trennen.

Erst 1941 bemühte sie sich noch mit der Hilfe anderer, ein Visum für die Schweiz oder Schweden zu erlangen. Beides wurde ihr gewährt, doch man wollte sie nur gegen ein unglaublich hohes Lösegeld ausreisen lassen. Da sie bereits ihr gesamtes Vermögen verloren hatte, war es ihr nicht möglich, dieses zu zahlen. Ein schwedischer Freund, Edgar von Uexküll, schmuggelte zwei Porträts der Liebermanns von Anders Zorn nach Schweden, um die Summe durch deren Verkauf zu erstehen. Der Versuch misslang. Als sich am 5. März 1943 die Polizei an ihrer Tür ankündigte, um sie zur Deportation nach Theresienstadt abzuholen, nahm Martha Liebermann eine Überdosis Veronal, an der sie am 10. März im Jüdischen Krankenhaus starb.


Faass, Martin (Hrsg.): Martha Liebermann. Lebensbilder. Berlin 2007.

Biografische Zusammenstellung

Lea Herzig