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Harry Goldschmidt

Harry und Ella Goldschmidt 1939. Copyright: Marion Bank
VERLEGEORT
Barbarossastr. 43

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
VERLEGEDATUM
19.11.2012

GEBOREN
13.09.1880 in Nordhausen (Sachsen)
BERUF
Bankkaufmann
DEPORTATION
am 12.01.1943 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Harry Goldschmidt wurde am 13. September 1880 in Nordhausen/Sachsen geboren. Die Eltern waren Carl Goldschmidt und Clara, geb. Herzfeld. Harry Goldschmidt wurde Kaufmann und führte seit etwa 1907 ein Berliner Bankgeschäft, zuerst in der Steglitzer Straße 57 (heute Pohlstraße) und seit 1908 um die Ecke in der Potsdamer Straße 106b, beides Adressen in Berlin-Tiergarten.

Zur Zeit seiner Eheschließung um 1909 mit der zwölf Jahre jüngeren Ella Goldschmidt, geb. Rosenthal, (s. dort) wohnte er in der Motzstraße 92 in der Nähe der Kurfürstenstraße in Berlin-Schöneberg. 1910 lebte das Ehepaar im Bayerischen Viertel in der Starnberger Straße 8, ebenfalls in Schöneberg und nach einer weiteren Zwischenstation in Blumes Hof 14, einer Privatstraße im Hintergrund der Genthiner Straße in Berlin-Tiergarten, ab 1916/17 wieder im Bayerischen Viertel in Berlin Schöneberg, in der Barbarossastr. 43. Diese Wohnung sollten sie von nun an mehr als 20 Jahre lang bewohnen.

Das Ehepaar hatte zwei Töchter: Ilse Amalie, geboren am 20 Juni 1914 und Eva Fanny, geboren 1917.

Über das Leben und die finanziellen Verhältnisse der Familie gibt es keine Informationen. 1927 verlegte Harry Goldschmidt sein Bankgeschäft von der Potsdamer Str.106b in die Wohnung in der Barbarossastr. 43. Noch bis 1938 konnte er sein Geschäft hier fortführen, danach ist er im Adressbuch nur noch als Kaufmann eingetragen. Den beiden Töchtern gelang die Emigration, Ilse flüchtete nach England, ihre jüngere Schwester Eva über Chile in die USA.

Vermutlich 1941 wurde Harry mit seiner Frau Ella in ein Zimmer in der Motzstraße 47 zwangseingewiesen. In diesen sehr beengten Verhältnissen lebten sie bis zu ihrer gemeinsamen Deportation am 12. Januar 1943 mit dem „26. Osttransport“ nach Auschwitz. Dort wurden sie vermutlich unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet. Das genaue Datum ist nicht bekannt.

Beide Töchter heirateten in ihrem jeweiligen Emigrationsland und hatten dort Kinder.
Ilse lebte in Manchester und heiratete wahrscheinlich am 28. Juni 1939 Kurt Stolzenberg, allerdings in Zaandam (Niederlande) wo Kurt Stolzenberg seit 28. April 1938 als jüdischer Flüchtling lebte.
Er wurde am 16. April 1910 in Guttstadt, dem heutigen Dobre Miasto in der Woiwodschaft Emsland-Masuren geboren und starb am 22. Juni 2002 in Framingham (Massachusetts, USA). Zu der Zeit lebte seine Frau Ilse noch.

In den 1960er Jahren stellten sie Entschädigungsanträge und erhielten Ersatz für den erzwungenen Verkauf des Hausrats aus der Barbarossastr. 43, nicht jedoch für andere Vermögenswerte, die nach der Deportation ihrer Eltern vom Deutschen Reich eingezogen worden waren.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Anne Meckel auf der Grundlage wesentlicher Vorarbeiten von Hannelore Emmerich