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Cäcilie Wiener (geb. Jacobson)

Stolpersteine für Cäcilie Wiener und Pauline Steinthal. Copyright: MTS
VERLEGEORT
Münchener Str. 6

BEZIRK/ORTSTEIL
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
VERLEGEDATUM
06.05.2013

GEBOREN
13.06.1881 in Rabakow (Posen)
BERUF
Versicherungsagentin
DEPORTATION
am 29.10.1941 nach Łódź / Litzmannstadt
WEITERE DEPORTATION
am 06.05.1942 nach Chełmno / Kulmhof
ERMORDET
in Chełmno / Kulmhof

Cäcile Jacob wurde am 13. Juni 1881 in Robakow (Robakow), einem Gutsbezirk im Südosten der Provinz Posen, geboren. Sie hatte zwei ältere Brüder: den 1874 geborenen Leo Jacob (Ehemann von Zerline Jacob) un den 1875 geborenen Salomon (Salo) Jacob.
Im Jahr 1913 heiratete Cäcilie Jacob den 1881 geborenen Kaufmann Berthold Wiener. Das Ehepaar lebte in Gleiwitz (heute Gliwice) im oberschlesischen Industriegebiet. 1914 wurde der Sohn Ernst geboren. 1921 die Tochter Lieselotte. Die Familie und die weiteren Verwandten lebten in wirtschaftlichen guten Verhältnissen, "waren sehr angesehene Leute" - wie sich die Tochter später erinnerte. Berthold Wiener wurde 1914 gleich nach dem Kriegsausbruch Soldat. Er kehrte krank au dem Krieg zurück und starb 1923 an den Folgen einer Diabetes. Cäcilie Jacob war durch den Verlust ihres Vermögens während der Inflation gezwungen, den Lebensunterhalt für sich und ihre Kinder zu verdienen. Sie wurde Versicherungsagentin und Generalvertreterin der Firma Electrolux für Oberschlesien. Schon immer wissbegierig entwickelte sie sich zu einer erfolgreichen Geschäftsfrau. Cäcilie Wiener wohnte mit ihren Kindern in einer großen Wohnung, beschäftigte für die noch kleinen Kinder ein Kindermädchen und später ein Dienstmädchen und eine Putz- und Waschfrau. Die Familie machte Urlaubsreisen - damals keineswegs selbstverständlich - und besuchte Verwandte in anderen Städten, auch in Berlin. Tochter Lieselotte besuchte ein Mädchengymnasium und Sohn Ernst das humanistische Gymnasium.
Nach 1933 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage von Cäcile Wiener. Anfangs unterstützte sie ihr Burder Salomon Jacob, der in Gleiwitz in der selben Straße wohnte und das bekannte Warenhaus Gebr. Barasch besaß. (Salomon Jacob wurde am 8.6.1942 von Gleiwitz nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.) Cäcilie Wiener organisierte die Auswanderung ihres Sohnes Ernsgt, der 1937 nach Südafrika emigrieren konnte. Als die Tochter Lieselotte in demselben Jahr die Schule verlassen musste, wurde sie von der Mutter nach Berlin geschickt.
1938 verließ auch Cäcilie Werner die Stadt Gleiwitz und zog zu ihrer Schwägerin Zerline Jacob nach Berlin. Für kurze Zeit lebte sie dort gemeinsam mit ihrer Tochter , die nach dem Novemberprogrom nach England flüchtete, dort heiratete und später in die USA ging. Geplant war die Emigration der Mutter zu einem der Kinder nach England oder Südafrika, aber nach Ausbruch des Krieges war dies nicht mehr möglich. Die Verbindung zu den Kindern brach dach einigen Nachrichten über das Rote Kreuz ab. Cäcilie Wiener musste Zwangsarbeit leisten.
Zuletzt wohnte sie in der Wilmersdorfer Straße 159160 in Berlin-Charlottenburg. Dort war Cäcilie Wiener wahrscheinlich Untermieterin bei Hugo und Natalie Weber. Am 27/29. Oktober 1941 wurde sie - wie das Ehepaar Weber - in einem Güterzug vom Bahnhof Grunewald nach Lodz deportiert. (Das genaue Datum ist unklar).
Das Ghetto Lodz war nach dem Warschauer Ghetto das zweigrößte Ghetto in Polen. Hier gab es eine Unzahl von Textilfabriken, in denen von den Deportierten für deutsche Firmen "kriegswichtige" Textilien z.B. Uniformen, hergestellt wurden. Im Mai 1942 wurden über 10000 Juden in das Vernichtungslager Chelmno transportiert und dort ermordet, darunter auch die im Herbst 1941 in das Ghetto Deportierten - soweit sie nicht bereits durch Hunger und Krankehiten umgekommen waren.
Cäcilie Wiener wurde laut Gedenkbuch des Bundesarchivs am 6. Mai in Chelmno ermordet.


Biografische Zusammenstellung

Dr. Dietlinde Peters auf der Grundlage der Vorarbeiten der Paten, von Hannelore Emmerich und eigener Recherchen.

Weitere Quellen

Recherchen der Paten, Alfred Gottwaldt/Diana Schulle: Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941 -1945, Wiesbaden 2005, LBI Charlotte Hillburn Collection, 1921-2001
Juden in Charlottenburg: Ein Gedenkbuch, Berlin 2009