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Sophie Noack (geb. Lewin)

Stolperstein für Sophie Noack. Foto: OTFW.
VERLEGEORT
Hansa Ufer 5

BEZIRK/ORTSTEIL
Mitte – Moabit
VERLEGEDATUM
Dezember 2007

GEBOREN
28.02.1892 in Berlin
DEPORTATION
am 14.12.1942 nach Auschwitz
ERMORDET
in Auschwitz

Sophie Lewin wurde am 28. Februar 1892 in Berlin geboren. In ihrer Geburtsurkunde ist der Vorname Sarah verzeichnet. Sie wurde ihrem späteren Mann und ihrem Sohn zufolge jedoch stets Sophie genannt. Ihr Vater Chaim Lewin stammte aus dem russischen Aschmjany. Er arbeitete als Tabakschneider. Der Name der Mutter war Beila Lewin (geb. Gertner). Sophie Lewin hatte noch zwei Brüder namens Joseph und Jacob und vermutlich eine Schwester namens Henni.

Am 21. Dezember 1916 heiratete Sophie Lewin den Kaufmann Gustav Noack aus Berlin. Beide lebten gemeinsam in der Elberfelder Straße 31 in Berlin-Moabit, später am Hansa-Ufer 5. Gustav Noack arbeitete selbstständig als Textilvertreter, Sophie Noack war Hausfrau. Im Oktober 1919 brachte sie ihre Tochter Henni zur Welt. Der Sohn Lutz wurde vier Jahre später, im Juli 1923, geboren. Die Familie war nicht besonders religiös, beging aber zusammen die jüdischen Feiertage.

Bereits kurz nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 mussten die beiden Kinder Henni und Lutz ihre jeweiligen Schulen verlassen und auf jüdische Schulen wechseln. Henni Noacks Pläne, nach dem Abschluss des Gymnasiums zu studieren, wurden so verhindert. Sie wechselte an eine jüdische Mittelschule und arbeitete danach unter anderem als Sprechstundenhilfe.

Mehrfach wurde die Familie zum Ziel antisemitischer Attacken. Der Sohn Lutz Noack wurde im Oktober 1938 von einer Gruppe Jugendlicher auf der Straße angegriffen. Einen Monat später, im Zuge der Novemberpogrome, nahm die Gestapo mehrere männliche Familienmitglieder in Haft. Sophie Noacks Mann und Sohn waren nicht darunter. Ihr Mann tauchte daraufhin jedoch für einige Zeit unter.

Um der wachsenden Bedrohung zu entgehen, versuchten Sophie Noack und ihr Mann die Auswanderung für die Familie zu organisieren. Es gelang ihnen, den 15-jährigen Sohn Lutz Noack im Juni 1939 mit einem Kindertransport nach England zu schicken. Die Tochter Henni Noack war mit ihren 19 Jahren bereits zu alt, um für den Rettungstransport zugelassen zu werden. Sophie Noacks Mann schloss sich 1940 einer Gruppe von jüdischen Flüchtlingen an, die sich illegal auf den Weg nach Palästina machten. Dort wurde ihnen zunächst die Einreise verweigert, doch im August 1940 konnte er nach viermonatiger Reise schließlich an Land gehen. Seine Pläne, Frau und Tochter nachzuholen, scheiterten.

Sophie Noack blieb mit ihrer Tochter in Berlin zurück. Die beiden mussten mehrfach den Wohnsitz wechseln. Die Adressen hat Lutz Noack anhand der kurzen Briefe, die er über das Rote Kreuz mit seiner Familie wechseln konnte, rekonstruiert. Sie blieben vermutlich bis Juni 1941 in der Wohnung am Hansa-Ufer 5. Von dort zogen sie zu Sophie Noacks Bruder Joseph Lewin in die Nicolaistraße 38, Berlin-Lankwitz. Danach wohnten sie zur Untermiete in der Solingerstraße 10 und schließlich nahmen sie zu zweit ein Zimmer am Bundesratsufer 4 zur Untermiete. Kurzzeitig nahmen sie dort auch noch Hans Lewin auf. Er war der Sohn von Joseph Lewin und dessen Ehefrau Hertha Lewin. Diese waren zuvor in Konzentrationslager deportiert worden und kamen dort später ums Leben.

Am 14. Dezember 1942 verhaftete die Berliner Gestapo die 50-jährige Sophie Noack. Sie wurde mit dem „25. Osttransport“ in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort vermutlich gleich nach ihrer Ankunft ermordet. Einen Monat später wurde auch ihre Tochter nach Auschwitz deportiert und ermordet. Sophie Noacks Vater Chaim Lewin kam im November 1942 im Ghetto Theresienstadt ums Leben.


Biografische Zusammenstellung

Janna Lölke

Weitere Quellen

http://www.statistik-des-holocaust.de/, Transportliste des 25. Osttransportes;
Daten aus der Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 17. Mai 1939 und der „Liste der jüdischen Einwohner im Deutschen Reich 1933–1945“ über https://www.tracingthepast.org/mapp...
http://histomapberlin.de/histomap/d...
Bezirksmuseum Mitte, Briefwechsel mit Lutz Noack; It just gets worse as time moves on, The Citizen, 28.1.2005; Memories of an unsafe Germany, Stroud News & Journal, 2.3.2005